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Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten.
Freitag, Len 6. Mars.
Ro. 10.
Iweiter Jahrgang. 1868.
Inhalt:
Lorrt»P«ndk,1>tn: Pest, Pest. — Die Geschichte der Asseneth. (Fort,
setzung.) — Da» Zio»nehmen in der Bibel. — pteratur-Bericht. (Schluß.)
-Inserate.
Pest, 25. Febniar. Dem Pester Journal schreibt man:
Geehrter Herrr Redakteur! Ihr wackere« Blatt, dem allgemeinen
Interesse de» Volkes gewidmet, die sogenannte HimnielSleiter,
worauf die Beschwerden, die gerechten Klagen der Gesellschaft
wie des Einzelnen die Regionen der Oeffentlichkeit besteigen, wird,
so hoffe ich, folgenden Worten, znm gemeinnützigen Wohle der
Israeliten in Ungarn, einen kleinen Raum gestatten.
Wer rief sie? was thun sie? wer braucht sie jetzt
in Pest?
Pfaffen und ortodoxe Rabbiner sind Extreme die sich mo»
mentan berühren.
Während in unserem Vaterlande die segensreiche Blume
der Eivilisation, sich mehr und mehr entfaltete ist das Simmiuwd-.
Trachten des EleruS, der Ultramontanen dahin gerichtet, die
Menschheit wieder in den Schlamm der Unwissenheit, der der«
dummenden Borurtheile zu ziehen; während die Fackel der Auf.
klärung weithin ihre erhellenden Strahlen aussendet, qualmen und
rauchen die trübe brennenden Talglichter der kirchlichen Finster׳
finge; während da» gebildete, intelligente Judentum die gewohnten
Mißbräuche abzuschaffen sich bestrebet, suchen^dle alten Rabbinen
mit einer großen Schaar fanatischer Orthodoxen aus dem sich blü-
hend entwickelnden Judenthuine in Ungarn eine Fratze, eine abo׳
minable Karrikatur zu schaffen; während Sr. Exeellenz der Kul.
tuSminister die Notablen der ung. Israeliten zusaminenberuft, um
über Gemeindeautonomien, über Errichtung geregelter Volksschulen
rc. zu berathen, sammeln drei ortodoxe Rabbinen au» der Pro.
vinz einen Schwarm reich gewordener Israeliten au» Städten
und Flecken de- Vaterlandes, ballt sich in Pest eine Masse Fana«
tiker zusammen; zu welchem Zwecke?!!!
WaS erweckte diese Barbarossa»׳Alba»>Nigra» auS ihrer
Lethargie? WaS ficht diese Herren an, deren Humanität, Weis-
heit, Gelehrsamkeit nur in der Drechsel׳, Schnörkel- und Ver.
drehungSkunst des Talmud» besteht, ihre warmen Katheder zu
verlaffen, und von dem Strudel der Sündenwellen einer Groß-
stadt sich mitreißen zu lassen? Wer rief sie? WaS thun sie? wer
braucht sie jetzt in Pest? Ist jetzt ein jüdischer Kongreß in Pest?
Und wäre schon einer, was wollten sie?
Den Fortschritt hemmen, da» Licht der Aufklärung ersticken,
den Adlerflug der Eivilisation znm Krebsgang verdammen, gegen
die'Gründung eine« Seminar« sich auflehnen, und sollte schon
eilte«, ttotz ihre« Sträuben», errichtet werden, die Hinzulaffung
gebildeter, vom Geiste der Aufklärung kqseelter Professoren zu
verhindem! — Haben nun diese Herren nicht heilige« Recht?
Welchen Segen Krachten nicht diese unzähligen, von Rabbinern
dirigirten Talmudschulcn dem Judenthnme, dem Lande!
Wie viele von diesen im Vaterlande wimmelnden Jünglinge,
welche Talmudschulen frequentiren, schreiben oder sprechen ihre
Muttersprache? Wie viele wißbegierige Jünglinge gibt e» nicht,
die barbarisch, fanatisch thrannisirt, hartnäckig verfolgt von den
Rabbinern werden, weil sie weltliche« Wissen sich aneignen wollten?
Und soll ein solche« Treiben, eine solche Veruiigltnipfung
tausender Jünglinge noch immer fortb'estehrn? Sollen alle Hebel
in Bewegung gesetzt werden, um der etwaigen Veredlung der
Jugenderziehung entgegen zu arbeiten?
Dennoch hat diese sinnlose Verkehrtheit so viele Stützen, so
viele Anhänger; hat sogar ei» Journal zu ihrer Verfügung, durch
welche« die unlautersten, inhumansten Ideen verbreitet werden.
Und welchen Unfug treibt Rabbi Farkas Albert, Redakteur
jene» Blattes? Wir wollen von den vielen nur eine Thatsache
registriren. Der ״Magyar Z9id<i“,- so betitelt die Wochenzeitung
sich, erscheint, wie bekannt, in ungarischer Sprache, da jedoch der
größte Theil seiner Abonnenten der ungarischen Sprache so fremd
jiLjpic Rabbi Farka« Albert der. Orthodoxie —so lieg»-jede«
-latte eine deutsche Uebersetzung bei; nun, dagegen haben wir
nicht» einznwenden; daß aber Rabbi Farkas Albert seiner Zeit
Ri». Ereigniß von dem Hinscheiden de« edlen, vielverdienten Red«
Ner« Dr. A. W. Meißel in dem ungarischen Theile de« ״M. Z8.“
oberflächlich citirt, in dem deutschen Theile desselben jedoch, ganz
>md gar ignorirt, und zwar au» dem Grunde, u>n sich nicht die
Ungunst der Rabbiner au» Unghvar, Ujhelh und Preßburg, die
das Deutsche kaum verstehen, das Ungarische viel weniger, zu zu»
ziehen, für ein solches Treiben hat jeder -Rechtlichdenkende nur
ein Urtheil.
Da» 19. Jahrhundert ist der Frühling der Nationen, da»
Säkulum der Aufklärung, das Grab der Borurtheile, de» Reli-
NonSfanatiSmu»; weder Pfaffe, noch Orth'odoxrabbiner, noch Der.
wisch rc. werden da» Mittelalter bei den demselben leider noch
nachhängenden Fetzen zurückbringen. נ
Darum muthig ihr auf der Bahn der Eivilisation fort-
schreitenden Juden; nicht kümmere euch der blinde Wahn der
Orthodoxen, räumet geduldig die euch von Jenen im Weg gelegten
Hindernisse weg, und der Sieg ist euer!
Doch um jenen Orthodoxen, denen Jeder, der nur einen
Funken Vernunft sein nennt, verwundert znrüft: WaS thun fit ?
Wer rief sie? Wer braucht sie jetzt in Pest? eine Lehre zu geben,
möge Sr. Excellenz diesen Herren Rabbinen und Konsorten Reise-
päss» v^abfolgen lassen, oder, wenn e» ihnen beliebt, in der Stadt
Mt zu domiciliren, sie in gewisse, den Geist heilende Institute —
gäben.
Dem Rabbi Farkas Albert rathen wir aber freundschaftlich,
dän Namen seine« Blatte« ״Magyar Zsidö“ zu streichen, da-
gtgen aber die Worte ״Argumentum ad absurdum“ zu setzen.
) ‘ Ein Orthodoxer.
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