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Die Gegenwart.
Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten.
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Freitag, in» 20. Mär?. Nll. 12. . Zweiter Jahrgang. 1868.
Inhalt
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*' L»rre«P»»kn>>n>: Berlin, Berlin, Königsberg. — Die Geschichte der
Affrnech. (Schluß) — ,H>ob" dramatifirt. — Ner»ifchte».-Inserate.
* Berlin. Der bereit- seit sieben Jahren hier bestehende
„Gesellige Verein der (jüdischen) Handwerker", her¬
vorgegangen au» der „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künst¬
ler zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen", feierte am
Sonntag fein Iahresfest bei Meser, Unter den Linden. Da»,
selbe begann mit einer Generalversammlung, die der Gründer
und Vorsteher de- Verein», Herr Lauenburger, gegen 6 Uhr
ervffnete. Der Verein zählt zur Zeit 128 Mitglieder, und die
Einnahme in dem am 1. Febr. c. abgelaufenen Berwaltungsjahre
betrug 3620 Thlr. 19 Sgr.; die ebenfalls bedeutenden Ausgaben
ließen trotzdem einen Kassenbestand von 360 Thlr. 12 Sgr. übrig.
Der Verein gewährte seinen Mitgliedern im abgelaufenen Ver>
wallungSjahr 74 Darlehne im Betrage von 2220 Thlrn. Außer¬
dem wurden durch eine Verloosung 140 Thlr. erzielt, die der
jüdische n Hemeiude Schkppenbeil in Ostpreußen zugestellt wor¬
den sind. Die "statutengemäß vorzmiehmende Neuwahl de» Dost,
fitzenden ergab ein gleichmäßige» Stimmenverhältniß für die
Herren Lauenburger und Weil. Da Ersterer zu Gunsten de»
Hrn. Weil ablehnte, so übernahm der Letztere nunmehr da» Amt.
Außerdem wurden in den Vorstand gewählt die Herren Löwe»-
thal, Victor, Lazaru» und Rosenfeld. — Nachdem der bisherige
Vorsitzende mit einigen herzlichen Worteil die Versammlung ge¬
schloffen, begab man sich in den großen Saal, in welchem ein
Abendtisch servirt war. Die Frauen und Töchter der Mitglieder
waren in reicher Anzahl erschienen, so . daß die Tafel und der
folgende Ball gegen zweihundert Theilnehmer vereinigte.
K. Berlin, den 12. März. In Bezug auf die Zulassung
jüdischer Lehrer und SchulamtS-Eandidaten an höhere christliche
Unterricht».Anstalten hat der CultuSmtnister neuerdings einige
wichtige Rescripte erlaffen; in dem ersten handelt e» sich um die
Anstellung eine» jüdischen Lehrer», welcher bereit» sieben Jahre
zur Zufriedenheit in dem ihm zugewiesenen Srei» von Lehrgegen-
ständen al« Hilfslehrer gewirkt hatte. Da» Refcript sagt zu-
nächst, daß Niemand die Anstellung jüdischer Lehrer an einer
christlichen Schule al» ein Recht beanspruchen könne, und fährt
dann fort: ,,<5» entsteht indessen die Frage, ob nicht unter den
hier obwaltender besonderen Verhältnissen lm Wege der DiSpen-
fation eine Ausnahme von der Regel gemacht werden könne? E»
scheint kaum angenommen werden zu können, daß seine feste An-
Peilung al» Lehrer größere Rachtheile in ihrem Gefolge haben
werde, al» seine fortgesetzte Hilstlehrerschast. Sollte daher da»
Königliche Provinzial-Schuleollegium auf Grund-dieser längeren
Bewährung de« N. der Ansicht sein, daß ln dem vorliegenden
Falle dem Anträge de» Pkaglstrat» ohne Schade» für die Apstalt,
au»nahm»weise, unter Festhallung de» christlichen Eharakter»
der Schule, Nachgegeben werden könne, so will ich daffelbe hier¬
durch ermächtigen, den R. ohne Eonsequenz für andere Fälle,
au»nahm»weise zu bestätigen." — Ganz dieselbe Auffassung
manifestirt da» drei Tage später (27. Dezember 1867) erlassene
Rescript über die Zulaffung eine» jüdischen Eandidaten zum Probe¬
jahr an einer christlichen Realschule. „Der R. kann von Rechts¬
wegen nnr die Zulaffung zum Probejahr au einer jüdischen Real¬
schule verlangen. -Sollte indessen da» Königliche Provinzial-Schul-
collegium mit Rücksicht auf die Persönlichkeit de» N., seine Gaben
und Kenntnisse und sein bisherige» Verhalten in pädagogischer
Hinsicht, sich geneigt finden, denselben ausnahmsweise »nd im
Wege der Dispensation zur Ablegung de» Probejahr» bei einer
christlichen Realschule der Provinz zu verstatten, so will ich das¬
selbe hierdurch ermächtigen, eine solche Dispensation von der
Vorschrift de» Prüfungsreglement» in diesem besonderen Falle zu
ertheilen; nur wünsche ich, daß in diesem Falle nicht die Real¬
schule in N. gewählt werde, damit nicht durch ein zu starke»
Andrängen und Zulassen jüdischer Lehrer an dieser
Anstalt der christliche Charakter derselben verwischt
und gefährdet werde." (v. Z.)
— Der Mainzer „Israelit" thellt ein Schreiben au» dem
/Bundeskanzleramte an den Kaufmann Hirsch in Halber¬
stadt, betreffend die bekannte Beschwerde über Mißhandlung
> von Iudeü in Jerusalem, mit und reiht daran einen Brief
au» Jerusalem, welcher meldet, daß der Eonsul de» norddeutschen
Bunde», Professor Petermänn,- bald nach seiner Ankunft döm
Rabbi ArM^tzi^ Freiheit gab und den preußischen ConsulatSver-
trüer, DrqgoMnz»Dahud, seine» Amte» entsetzte.
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Hj?£-Ä^lnlg^ber8, 13. März. Der Vorstand der hiesigen
Synagog^--Getndinde erläßt unter heutigen Datum folgende/Be¬
kanntmachung: 2» Folge mehrerer von au»wärt» an t.rilmer-
zeichneten Vorstand gerichteten Anfragen, ob die den hiesigen ver¬
schiedenen RothstandS-Comitä» zur Verwendung überwiesenen Mittel
auch im Sinne vollster Gleichheit in Bezug auf da» religiöse
Bekenntniß vertheilt werden, nimmt derselbe hiermit Veranlassung,
im Gefühle wahrer Befriedigung öffentlich zu erklären,
daß bei der, dem Nothstande in Ostpreußen gegenüber, in
so reichem Maße geübten Wohlthätigkeit nirgend» auch nur
der geringste Unterschied zwischen Christen und Juden zu
Tage getreten ist, daß sämmtliche Comitä'a ihre aufopfernde
Thätigkeit ohne Rücksicht auf da» Bekenntniß der Dürftigen
entfalten.
Al» besonder» anerkenneuSwerth muß bezeichnet werden, daß
denjenigen, jüdischen Gemeinden Ostpreußen», deren Mitglieder
'durch religiöse Bedenken von der Benutzung der dort eingerichtete»
Suppen-Anstalten abgehalten werden; auf-ihren geäußerten Wunsch
besondere Fond» zur Vertheilung an ihre Armen sofort überwiesen
werden.
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