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Halbjähriges tUbon*
ntratnt für Prag und
die Provinz inklusive
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ö. W. - -Ist- 4» kr.
sür'S Ausland 1 Tblr.
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Inserate werden bil¬
ligst berechnet.
Die
Gegenwart.
Hrgan für die Interessen des Zudenthums.
Redaktion und Ad¬
ministration Ritter-
gaste Rro. -los.— t
wohin alle Briese
«'rldsrndungen zn
richten sind.
Die „Gegenwart" er¬
scheint am l. und
r>. eines jeden Mo¬
nates.
Nro. 1.
Prag 1. Laner.
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li. Iahrg.
Pränumerationö-Einladttnij.
auf die
„Gegrnwark
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1
die zweimal im Monate und zwar am
eines jeden erscheint.-
Halbjähriges Abvimement sammt Zustellung i»S Hans
' od. Zusendung pr. Post. Ist. JO fr.
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Die Administration der „Gegenwart."
Prag Nittergasse 4er. 408 — 1.
J n h alt:
Leitartikel: Der TodeSkampf der Talmud-Thora Schule. — Das neue
BereinSgesctz und die jiid. Lehrer Böhmens. — Rede von Loniü
Slernau-Goldschmid. — Ein S^cvt über Werth und Wesen der gci
stigen Bildung. — Ucber Selbstmord bei Juden.
Correspondeuz : Aus dem westlichen Böh me». _
Lokales. — Auswärtiges. —
Feuilleton. — Inserate.
Der LodesKamps der Latmud-Thoraschute.
Wir haben so osl aus die Zwecklosigkeit und die sünd
hafte Geldverschwendung jenes Institutes hingcwicsen, das
man mit gewisser Oslcntation Thalmud-Thora-Schule zu neu
ucn sich erlaubt, und ohne personelle oder sachliche Interes¬
sen im Auge zu haben, haben wir stets unsere Ansichten be¬
gründe. und in augeuMiger Waise die unpraktischen An
^ e ' tc u ’ l ‘ >alCiini O c fnO)t; allein
nc «WHMK'Wgcllicine Inleicsse zu kümmern, haben
Wc oFiÄPHtckktcn Leiter der Gemeinde. die das Regulativ
- .«sPr sich 'allein in Anspruch zu nehmen glauben, in den Gel-
* * r st : i /Äni '»u^Mcindc ^'orlgewühlt. den moralischen rt^ode» form-
.-und, lG ^Hcl) uMgraden und auf Grund ihrer durch allerlei Künste
gcschastciicn Stellung, die nichts anderes als blosics Blend
wert ist, geholfen, mir meisterhafter Rancune an dem Mime
des communalcn Lebens der Israeliten zn arbei'en. Zn richti¬
ger Würdigung der Verhältnisse haben wir schon vor einem
Jahre gewußt, daß jene Herren mit der Zeit zur Bcsin
r-uirg kommen müssen, die noch vor vierzehn Tagen siir die
Epistenz eines Institutes geschwärmt haben, über dessen Le
bcusfühigteit wir längst das TodcSurthcit gefüllt und dessen
Fortdauer nichts anderes ist, als ein Gewaltakt gegenüber
der Gcmeindckassa, den man im gewöhnlichen Leben mit nichts
besserem als einer handgreiflichen Bewegung bezeichnet.
Wir sind nun heute. Dank dem vielgepriesenen Jahres-
budqet, au eine Krisis angclangt, die ein Schattenbild des
sen verbildlicht, was wir in gerechten Farben schon so oft
ausgctragcn; wir haben jenes Stadium erreicht, das man
in der Heilkunde mit Agonie bezeichnet, und wenn wir die¬
sen Anflösungsproceß früher crtannt und prognostieirt haben,
so mußten wir von einem depriinirendcn Gefühle angewan
delt, dennoch sichtlich erfreut sein, den Antrag ans Anflö
s n n g d r Talnmd Thora SiMle ans de», Mund? eines
.Rannes zu hören, der dieses i.'dlgevoreiie >iind in den Win
de.» der Guneindegelder io ce'st zn legen wußte, als wäre
er von dem Glauben bcslartl, die Todtgcbornen seien erst die
rechten Lebensgeister. Ilm so überraschender mußte diese Reu
jahrSbcschecrung sein, als gerade eine ausschließlich talmudi-
schc Anstalt unter der Leitung eines Manne', der durch eine
lange Reihe von Jahren Religionstchrer war und auf rab-
binische Gelehrsamteit Anspruch macht, nicht zn rechtem Le¬
ben kommen tonnte und aus eben dem Grunde desto leichter
dem Verfalle preisg.geben wurde. Haben wir wohl voraus
gesehen, daß dieser Mann trotz seiner Stellung für ein spe
FruiUrton.
Wie ich wählen möchte. -■ David uut c^oliaih. — Stcmrbcii'.csinng
und deutsche Tecnc. — Ein himmlischer Stcnertoinmissär. - Die „ge
regelte" Lustheizung. — Die Geregelten und Ungeregelte». — Einem
Unglütl entgangen. — Eine originelle E'rnenming. — Ein foiiitäicr
LLnnsch.
Wenn ich einst wählen sollte, ziehe ich cö vor eine reizende,
liebenswürdige Jüdin, die weder an s „cioile" noch an s „vermisch
tc" denkt zu nieincr LebeiiSgefährtin zn machen, nie aber könnte
ich niich zn zivei jüdische» Stadtverordneten cntschlicsten, die mit
gotdcncn Schlüsseln die Herzen manches jüdischen Wählers offnen,
um zu dem Resultate zu gelangen, wie daS einer Pachtgcsellschafl,
die einen hohem Pachtschilling offcrirt. Seitdem einst der kleine Da-
vid dem Riesen Goliath mittelst eines SteinwnrfcS die Empfind¬
lichkeit seiner kleinen Größe beigcbracht seitdem ein zweiter kleine
„David" durch autonomes Slimmcnengagement ein Wahltomitc im
Pfeffer »heu liest und mi> in's Dladtverordiietenevllegium hiueiu-
bligfirt und i» ?volge dieser Estamotage ine- >tnov'loch ein gewis¬
ses Etwas hingecanbert 'sab. das der Eigentbnmer mit gewissen
Wi'blbrhagen nicht nur au» den Rock, sondern selbst auf Weste,
-soie u. s. trägt, um selbst im iauftcu Schlummer, in siisten
rrmimen das gewiffe Etivas stets vor Augen r» haben, seitdeiu sind
die Wahlposlen i» dem ebemaligen <-U>et!u selb't für tüchtige Man-
»er. die Herz und Mund am rechten .vleete haben ein mathemati-
sches Räthiel, daS ^nue daun m lasen nt, wenn die jüdische., Wäh»
lcr thatträitig wäre» und solchen Stellenjäger» doch einmal daS
Handwert legen möchten. Der Prager Tch'acliten Repräsentanz thnt
in dieser Beziehung keine Wahl wehe ii>id, wen» fic de» „rechten"
nicht auf der Erde findet, so streckt sie ihren geioaltige» deutschen
Arm nicht i» den Beutel der Gemeinde »ach dem Himmel
auS. hier sucht sic unter dm Trabanten einen Teutonen, der von
Etcuerbrineffung keinen Dunst haben darf und als solcher Dunst¬
lose auS hcm „deutschen Hause drS ProzeffeS" fich für die Eom-