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Leitartikel: Aufklärung. — Der Zeitgeist fordert'« — Sin Doktorand
der Philosophie als Manu.
LoealeS.
Auswärtiger.
Rnnst and Literatur.
Vom vüchertische. — "
Fenilleta«. Rekralsgie. Inserate. 1
A»fKl8rung.
So unlieb e- un- ist, die Stellung der Israeliten in
Böhmen zu den beiden Nationalitäten zu berühren, so sind
wir heute, indem wir der Strömung der Zeit nicht Wider¬
stand leisten können, durch Fehler, die von einzelnen hervor-
gerufen werden, veranlasst, da« Verhältnis der Juden znr
böhmischen, oder wie e- landläufig ist, zu sagen, zur iechi»
schrn Nation genauer zu präzisiren. Wir müssen dieß um
so eher thun, als wir bei Uebernahme der Redaktion dieser
Blätter im Programme da- Hinwirken de- friedlichen
Einvernehmens zwischen Israeliten und Nichüsraeliten kräf-
ttg betont haben. Der Israelite in seiner kosmopolitischen
Natur, namentlich der böhmische Israelite war stets gewohnt,
unter allen Verhältniffen, sie mögen ihn gedrückt oder de-
DruckeS enthoben haben, jede Verfassung anzuerkennen, es
wäre sonach am allerwenigsten gerecht, ihm einen Borwurf
seiner gegenwärtigen VerfasiungSfreundlichkeit zu machen,
da er eben der gegenwärtige« Verfassung Errungenschaften zu ver¬
danken hat,die ihm seine Stellung angenehmer machten. Ohne je-
doch den geringsten Zweifel zu hegen, daß unter anderen
Berhältnisien der Israelite dieselben Rechte erlangt hätte.
wie sie di« Humanität und die Civilisation verlangen, fin¬
den wir eS nur vernunftswidrig, das Abtragen einer längst
verfallenen Schuld — die Freiheit nämlich — zurückzuweifen,
oder gar den ehrlichen Schuldner mit Undankbarkeit zu
belohnen. Es ttitt aber ein ganz anderes Kapitel an
dii Israeliten in Böhmen heran, welches den Frieden und
die Eintracht zur Basis hat, und lehrt, wie sich die Israe¬
liten zu der Majorität der Bevölkerung in Böhmen zu ver«^
halten haben. Diese befindet sich, 'wie e- notorisch ist, in
der staatsrechtlichen Opposition und eine Opposition auf
legalem Wege wird nicht nur gebilligt, sondern so fern sie
mit dem RechtSgefühle nicht kollidirt, von dem politisch rei¬
ft« Gegner geachtet. Den Israeliten jedoch wird der Bor-
wurf von vielen Seiten gemacht, daß sie den angesttebten
Rechten der böhmischen Nation nicht nur hinderlich sind,
sondern etwaigen noch in der Luft schwebenden Ausgleichen
hemmend entgegenwirken, um mit der in Minorität sich be¬
findenden deutschen Bevölkerung in Böhmen zu paktiren.
So ist es aber nicht, und die ifrael. Bevölkerung geht ru¬
hig ihren Tageswerken nach und macht nicht einmal einen
übermäßigen Gebrauch von den ihr verliehenen Rechten.
Ganz ander« verhält es sich mit einigen Israel, politischen
Emporkömmlingen, die für sich allein den politischen Hori¬
zont erweitert zu haben glauben, die nicht so sehr an Ber-
sassungSfreundlichkcit als vielmehr an sich und ihr Fortkom¬
men denken, die, mit einem Worte, fürchten, daß mit einem
Umschwünge der Verhältnisse, sie solche politische Purzel¬
bäume machen, bei denen sie auf'S Gesicht zu fallen kommen,
das sich schon in MinisterialbureauS zu sitzen wähnt. Wie
gesagt, der böhmische Isruelite, speziell der prager Israelite
kennt nicht die Absichten eine« Widerstande- gegenüber der
vorwiegend böhmischen (Lechischen) Bevölkerung, er will
Ruhe und Frieden. Jene „ausgezeichnet" sein wollenden Her¬
ren, die vom Judenthume nicht- andere- ausweisen, als
höchstenS von einer jüdischen Mutter, in einem jüdischen
Prag 1. 2mü 1869
Feuilleton.
Plaudereien.
„Die Sprache ist da. um hinter ihr die Gedanken zu vrrber.
gen" wäre «ine richtige Anstcht, wenn nicht oft viel gesprochen würde,
ohne daß dabei gedacht wird, und so «erden die Gedanken von
der Sprache beherrscht. Der Mensch lebt gar oft in den Tag hin.
ein, er lebt somit, wenn ich bei Manchen die Nacht hinzurechne,
wo er am m:iste« im Schlafe spricht, in 24 Stunden hinein und
da er fort und fort spricht, so hat er 24 Sprechstunden im Tage.
Der Generalprokurator unserer Cuilus-Gemeinde-Berwaltung, gehört
doch gewiß auch zu jenen Mensche«, die 24 Sprechstunden haben
«ud so «ustte et mich wnndrrn, daß er so unbedacht war, sich in
öffentlichen vlLUem zu annoncirrn. nur 2 Standen l« Tage zu
sprech en. Es zeigt dich, daß dne wortkarge Sprechwatt wenig Tr.
Wh«a»ß and Präzis «ad ein« nicht z« überwältig'«de Geduld ha.
den muß. während 2 Stunden mit sich allein zu sprechen. Ich rin
abergläubischer Mensch der der medicinischrn Quacksalberei eben
solches Vertrauen schenkt, wie der Medizin selbst, dem GolisSpri-
sepulver, Aral» Sisensyrup, Borchard» Kräuterseife. Ilod de
1'affectur, RomerShausen Augrnessenz für unübertroffen gelten, dem
ein Arzt gleich dem andern ist, wollte dießmal den Versuch mache«,
einen Hrilkünstlrr zu besuchen, der noch keinen Tobten auf seinem G«.
wissen hat. Ich besuche das Grönhaus und gerirth auf eine« Go-
ridor in ein seltsame- Dilemma, ich gerirth in eine Zwickmühle, btt
der ich links und rechts mich von einem Arzte gezwickt glaubte
und meine Lage war eine höchst peinliche. Da half mir ein Stu¬
benmädchen, da» ich fragte, «er eigentlich hier der Arzt wäre, aus
meiner Zwangslage, indem sie mir in recht naiven Ton bedeutet«:
Bon dem einen Hab ich halt gehört, daß er eine kranke Gemttnde
behandelt, wir er sie behandelt, wird er am beste« wissen, u»d der
andere ist gwoiß ein tüchtiger Arzt." Ich sah schon, daß fich der
ttne auf den andern hinaufgesetzt hat, denn im Sißenbltt'
gewissen Abstimmungen hat er di« Präzis. So wendtt- '
an kein« von bette«, ging die Stiege herab, wntttt