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S. W.. . 1 fl- 40 fr.
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Gegenwart.
Hrgan für die Interessen des Iudenthums.
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richtra stad.
Dir „Gegenwart" er¬
scheint am l. und
15. eiars jrdra Mo-
aalrs.
Aro. 12.
Prag 15. 3imi 1869.
ll. Iahrg.
Pränumerations-Einladung.
aus die
„Gegenwart,"
die zweimal im Monate und zwar am 1. und 15.
eines jeden erscheint.
Halbjähriges Abonnement sammt Anstellung ins Haus
od. Zusendung pr. Post, l fl. 40 kr.
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die Administration der „Gegenwart."
Prag Rittergasse Nr. 408—1.
snhac 1:
Leitartikel: Scheiden thut weh. — Das Kadischgebet. — Tie Offen.
barung und der Psalmist.
Correspondeuz (Breslau.)
Locales.
Auswärtiges.
Buntes.
Bom Biichertische. — Rrkrologie. \
Nachtrag. Die richtige Etymologie deS Wortes.^222 — Da» Prog¬
ramm des ist. Gemeindetage« in Leipzig.
Feuilleton. Inserate.
Scheiden thut weh.
Will man daS Bild haben von den Zuständen eines
kränkelnden Gemeindelebens, so beobachte nian vor Allem
die Symptome die sich an demselben zeigen und die Ereig¬
nisse, die sich in demselben abspielcn. In den jüngst ver¬
flossenen Tagen haben wir rin solches Ereigniß zu beklagen,
das wie ein düsterer Schatten in itnfer Gemcindeleben
hineinragt und einer schwarzen Silhouette gleich, neuerdings
ein Bild unserer socialen Verhältnisse bietet. Am d. M.
hat eSI'ich zugetragen, daß der Prager Oberjnrist Herr Rab¬
biner Samuel Freund die Kanzel im jüdischen Trauerhause
bestieg, mm an der Bahre eines frommen und biedern Ge¬
meindemitgliedes, das sich bei Lebzeiten jeden Nachruf ver¬
beten hat, dennoch eine Trauer- oder vielmehr eine Gele-
genheitSrede zu halten. Enthielt sie aber, wie es zu erwarten
war, Worte zur Verherrlichung der Verdienste des Dahin-
geschiedenen, Worte deS Trostes, Worte des Abschiedes, die
Thräncn entlocken? nein! es waren Worte des Unwillens,
eines veralteten Ingrimms, die nicht ThrSnen fanden, son¬
dern Indignation hcrvorriefen. Würden wir nicht daS Alter
des greisen Rabbi berücksichtigen, wir hätten unS rein nur
auf seine eigenen Worte beschränkt, welche eines Eommen-
tarS nicht bedurft hätten, um der Welt das in seiner Na¬
türlichkeit zu zeigen, was wir gegenwärtig im dichten
Schleier verhüllt, nur hcrvorschin'.mcrn lassen, um für die
Zukunft solche bedauerliche Ereignisse schon im Vorhinein
im Keime ersticken zu lassen. Ohne ans die Form, auf die
unästetische Stilistik cinzugehen, mit denen der gereitzte Rabbi
chir Schaale seines Zornes auf die Gemeinde ergoß, finden
wir cs von seiner Seite höchst indecent, den letzten Akt
eines Menschenlebens zu benützen, um ein derartiges Schau¬
spiel zu liefern, den letzten Gang eines Menschen, dem nur
Trauer und Thränen geweiht sein sollen, für geeignet zu
halten, um dem gepressten Herzen in einer Weise Vuft zu
machen, wie sie einem Manne, der auf da- Prädikat eines
Talmid Ehacham Anspruch macht, am allerwenigsten ziemt.
Anstatt den Hintritt eine- Manne» zu betrauern, die Ge¬
meinde, der Verluste wegen zu trösten, die sic seit den letzten
Jahren Schlag auf Schlag getroffen, wurden die gröbsten
Kaliber gegen die Trancrgästc anfgeführt, die sich ci.lgc
funden, dem frommen Tobten den letzten Liebesdienst zu
erweisen, eine dem ihnen entrissenen Bicdcrmanne gebührende
Trauerrede zu hören, nicht aber eine Strafpredigt, die nicht
einmal einen Ort findet, wo sic gehalten werden könnte.
Wir wollen nicht darauf eingehen und es ist auch nicht
unsere Pflicht, ob und wie und wann Herr Rabbiner Freund
Feuilleton.
Badekuren.
Variatio dclectat, was zu deutsch heißt. Abwechslung muß
sein und so w erde ich einmal, wenn ich nicht handwerksmäßiger
Badearzt sein kann, wenigsten» Badegast, um so von dem stocke-
nrn Alltagsleben, ins Raffe zu grrathrn und mich von den Stadt-
ftrapaßrn zu erholen, die mir allerlei Leiden zugefügt, dir ich aber
weder so kenne als mein Ayzt, dein ich die .Krankengeschichte, oder
bcffrr gesagt, eine Anweisung auf daS Wassertrinkheil- und bade-
qualhoirorar überreiche. Ein Bad ist unbedingt nothwcndig für
meine Glaubensgenossen, ivelchc verschiedene Schmerzen haben. Der
Eine, dem Blutkongestioncn wegen einer zu erlangenden SchulrathS-
stelle, die ihn ganz rathlos macht, quälen, scheint Wartenberg,
dem andern, dem ein noch nicht erlangter Adel schlaflose Rächte
venirsachte, dient Gräfe nberg, dem dritten an obligaten Kreuz-
schmerzen Leidenden ist Marienbader Kren zbrunn anzurathrn, und
jenen, welche gleich reich werden wollen, möge G l e ichcnberg jenen
welche an Gelbsucht laborlren, ist c i n e r z dienlich sein. So scheint
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