Seite
I
HalljalttgeS «Im*
irant für Prag Md
Ite «rMlaj iitlafdc
Aastrllaag ta« HaaS
oder Pvstverfealaag
it. W.. . 1 fl. 40 fr.
iir'SAaSlialirilr.
ftoHmtrif« 2 Dollar.
Jaferatt »erde» bil*
lig« lerechael.
Die
Hrgan für die Interessen des Zudmthums.
Redaktion »,d «tz
«iaistratioa Ritter*
Mffe Rro. 408-t
wobia lOt Briete a.
Gftlbfcalaaica za
richte» fial.
Die„<Sege»»»rt"er«
icheiat »« 1. aal
15. eiarS jede» Mo*
aateS.
Uro. 13.
Anhalt:
Leitartikel: Eia« definitive Ernennung. — Der Gemeindetag in Leip¬
zig. — Sin »bfchirdsbtllrt an Prof. Dr. Wessely. —
Zur Besch aridungefragt.
«orrespoadeaz Wien, Orochaz.
LsealeS.
»aSwiirtiaeS.
Bo« viichertische. — Nrkrologie.
FeaMetoa. Jaserate.
Li« definiti« Lnmumog.
Als im vorigen Jahre im böhmischen Landtage über
die Schulgesetzvorlage behandelt-wurde, da fiel uns der 8 20
derselben auf, wo es heißt: „von den Städten, welche einen
besonderen Schulbezirk bilden, wird mit einer kleinen vo«
vr. TedeSco beantragten AbLnderung angenommen, wonach
die israelitische KultuSgemeinde durch einen von ihrer Ber*
tretung gewählten Abgeordneten im BezirkSschulrathe z» ver¬
treten sei. Die Borlage spricht von einem durch die Gemeinde
selbst gewählten Abgeordneten!" Wir haben diese kleine Ab*
Snderung bedenklich und folgenschwer gefunden, während sie.
vielleicht von Manchem für unbedeutend gehalten, übergan¬
gen wurde; auch wußten wir, daß Herr vr. TedeSco ge¬
mußt, warum er diese- Evrrektiv gewünscht hat, und wußten
auch, daß er es gewiß sonst nicht gewünscht hätte, wenn er
nicht Mitglied der israelitischen Lultusverttetung und was
noch mehr, ihr Vorsitzender wäre, der dm Baum der Jsra-
elitmgenveinde kennt und wohl weiß, daß er Ehrenblüthen
trägt, während seine Wurzel faul ist und die Früchte, die
er treibt, ungenießbar sind.
Feuilleton.
Zurück zu Dir, Herr Zebaoth! j
Novelle von Rudolf Meng er.
Wir find in der Ctrafzrllr eine- Kloster-, in der da- kleine
vergitterte Fenster hoch genug vom Boden entfernt ist. daß man
selbst mit Hilfe dr- Schemels, der mit einem an der Mauer brfcstigten
Bett und einem gleichfalls angenirteten Tischchen da- einzige Hau-,
geräth bildet, es nicht erreichen kann. Macht dir Klöster zur Zu-
»acht für die. deren wrttermüde- Lrben-schiff al» »rack den Ha-
km sucht, aber lockt nicht die hinein, dir das Leben nicht kennen,
oder meinen, daß es nur rin Glück und eine Hoffnung hat. dir
»erlorea oder verfcherzt nichts zu ersetzen im Stande ist. als ob
ein Saitensplrl, «it dem ja die Seele des Menschen so treffend
-»«glichen wird, um deshalb, »eil ein Aoeord »isglückte. dir Fä-
higkeit verlöre, die Tö». die in th« schlummern, zu einer andern
Hammni« zu verbinde».
U. Iahrg.
Wie gesagt, die vom Herrn vr. TedeSco gewünschte
Modifikation wurde angenommen, und eS sind nicht nur
die israelitischen Gemeinden, sondern e» ist auch im Allgemei¬
nen zu bedauern, daß selbst die praktischsten, weisesten, von
den besten Absichten beseelten Nichtisraeliten mit den jüdischen
Verhältnissen viel zu wenig vertraut sind, und es zeigt sich
gerade da. wo der böhmische Landtag in eine beantragte Ab¬
änderung eingegangen ist, die gewiß nicht dazu beiträgt, die
israelitischen Gemeinden in Böhmen zu befriedigen. Wir se¬
hen nun, daß wir damals bei Beurtheilung dieser Angele-
legenheit keine Pesiimisten waren, daß wir uns aber auch
nicht getäuscht, wenn wir unsere Annahme, die wir noch
heule aufrecht erhalten, hingestellt haben, daß die Vertreter
der KultuSgemeinde nicht die wirklichen Träger der Gesin¬
nung ihrer Mandanten seien; denn fände das Gegentheil
unserer Behauptung statt, so wären auch nicht Conflikte zwi¬
schen der Gemeinde und ihrer Vertretung vorhanden, die fast
zu deu alltäglichen Erscheinungen gehören. ES ist notorische
daß die Berttetung, namentlich der Präger Jsraelitengemeiube
durchaus nicht den Intentionen der letztem entspricht, und
auch nicht entsprechen kann, wenn man jene Elemente dersel¬
ben kennt, welche sich durch PerhorreScirung alles jüdisch
Religiösen auszeichnen und sich außerhalb der Peripherie de«
Judenthums stellen, um je entfernter von ihr desto intelli¬
genter, desto liberaler zu erscheinen, und eS darf dann nicht
befremden, wenn aus einer solchen kultuellen Berttetung nicht
Männer hervorwachsen, die die Gemeinde, deren vitalsten
Interessen auch da zu vertreten haben, wo da« absolut jüd.
Wiffen, jüdische Gefühl unerläßliche Bedingung sind.
Der Würfel ist gefallen, und zwar auf Herrn Landes¬
advokaten Jur. Dr. Friedrich Wiener Mitglied der prager
israelitischen Berttetung, der ans die gesetzliche Funktions¬
dauer zum Mitgliede des böhmischen LandeSschulratheS er-
Dir Meisten haben nichts verbrochen, als daß die Hoffnung,
die unsterbliche Sehnsucht, dir fir todt wähnten, indeß ste nur
schlummerte wiedrr zum Leben erwachte. Und vollends fie nicht, die
blühende Jungfrau, die dort aus dem Schemel saß und mit seit-
sameu Blick der Hantierung folgte, die Bruder Martin, der Läch.
trr, mit dem Schloß der Zelle vornahm. Oder doch, ste hatte sich
schuldig gemacht eines schwersten Dergrhrns. obschon fie natürlich
nicht darum in der Strafzellr faß. denn es war nur gerichtet ge-
gen die heiligen Bande der Familie und gegen die Satzungen ihrer
Bäter, rin Vergehen, das ihr im Kloster zum Verdienst angerech.
net wurde, denn fie war eine — Jüdin, die man zu Gottes und
der heiligen Ehre bekehrt hatte, die einst Judith hieß und jetzt de»
Namen der Gnadenjungsraurn Maria trug.
So. sagte Bruder Martin, der Riegel ist abgefeilt! und nun
fragte ich Dich, ob Dir Dein Dolchmcffer noch länger als »terund«
zwanzig Stunden etwas nützen kann?
Judith-Maria antwortete nicht.
So lange der Riegel hirtt, fuhr er sott, konntest Du Dich
mit Deiner Hattnäckigkttt. die von Deinem Messer beschüßt »avd«.
ruhig zu Bett; legen und dir Kraft zu neue« Trotz erschlast»;
nun al« wird die Natur ihr Recht fordern, und wenn Du dann
Prag 1. Juli 1869.