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Halbjährige« «bin
«emenl für Prag und
die Provinz iaNufive
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ligst berechnet.
Die
Organ für die Znteressen des Zudmthums.
Redaktion in* flk-
»iniftration Ritter-
gaffe Nro. 4Ü8- U
wohin alle Briefe «.
(Geldsendungen zu
richten sind.
Tie „Gegenwart"«»
scheint am I. und
15. eines jeden Mo¬
nates.
Nro. IS. Prag 1. Oktober 1869. II. Jahrg.
Anhalt:
Leitartikel : Zu den Wahlen in die Repräsentanz. — AuS Ungarn.
Korrespondenz: Horitz, Pardubitz, New-Jork.
Locales. Auswärtiges.
Buntes. Vom Büchertische. _
Feuilleton. Inserate.
Zu den Wahlen in die Repräsentanz.
So wie im politischen Leben die Wahlen in die ver¬
schiedenen Vertretungskörper von großer Bedeutung sind, die
auf die Organisirung derouter Zustände ihren Einfluß übt,
in eben dem Maaße sind die Wahlen in die Vertretung ei¬
ner Jsraelitengemeinde für dieselbe nicht bedeutungslos und
die Existenz derselben ist durch eine gute Repräsentanz bedingt.
Die bevorstehende« Neuwahlen in dieselbe mahnen uns an
die Wähler der Präger Israeliten-Gemeinde ein ernstes Wort
zu richten.
Sie mit Rekapitulirung veralteter Mängel, mit Wiederho¬
lung aller lener Uibelstände, die die uralte Israeliten Gemeinde
lichen Siechthum gebracht haben, quälen, hieße Eulen nach Athen
tragen, nachdem wir überzeugt sind, daß die Gemeinde-Mit¬
glieder mit den Verhältnissen im Allgemeinen, mit dem rück¬
sichtslosen Gebühren ihrer Vertretung insbesondere vertraut,
sich bereits über dieselbe ihr Urtheil gebildet haben; doch
glauben wir uns keiner Täuschung hinzugcben, wenn wir I
annehmcn, daß Einzelne theils von dem raschen Glückeslaufe
jener VertretungSmatadorc verblendet, theils von einer ge¬
wissen Ehrsucht angekränkelt, die EommissionSsitz.' oder AuS-
schußstellen werter macht als das Wohl der Gemeinde, mit
dem zerstörenden Principe, welches die gegenwärtige Vertre¬
tung belebt, vollkommen einverstanden sind. Im Ganzen und
Großen verdammt die Majorität der Gemeindcmitglicder
daS Verfahren einer Körperschaft, die wol glaubt, durch daS
Verttauen derselben gewählt worden zu sein, aber sich in
ihrem Urtheile eben so recht zu finden weiß, wie der Blinde
gegenüber den Farben. Haben wir zwar oft, ohne jegliche
Mühe, die verfehlte Administration der Gemeinde durch die
Repräsentanz gerügt, und derselben Mittel an die Hand ge¬
geben, durch welche die Verwaltung einfacher geführt und
eben dadurch die Interessen der Gemeinde gewahrt werden
können, so hat die Repräsentanz dennoch ihre Miflion ver¬
kannt, in dem sie die bloße Administration mit einem politi¬
schen Amte verwechselte und der Jnteresienpolitik die Interes¬
sen der Gemeinde hintan setzte. Wir waren uns bei der
ursprünglichen Zusammensetzung der gegenwärtigen Israeli-
ten-Bertretung Prag'ö vollkommen bewußt, daß die Dinge
so kommen mußten, wie sie gekommen sind. Anders konnte
es auch nicht erwartet werden. —
Bedenke man doch, aus welchen Elementen die Reprä«
sentanz zusamm e nges e tz t ist, bedenkeunrn, wie ein Land-Ad¬
vokat, der dem Iudenthnnie stets ferne stand und in der
That noch ferne steht. eS nicht der Mühe werth gefunden,
die ergiebige Landpraxis zu behalten, um nur in Prag sich
in eine Körperschaft vorzudrängen, in der er aus dein Inden-
thume nur den Nutzen zu ziehen glaubte, daß man von
Monat zu Monat, um eine Ehrenstellc reicher werden könne.
Feuilleton.
Bilder ans dem Oriente.
(Fortsetzung.)
Jerusalem (El Ivuds oder ei Scherif die Heilige,
die Noble) ist noch immer die Hauptstadt Palcstina S und der
Pilgerplatz aller Religionen und Sekten, die alljährlich die Stadt
besuchen und cs gewinnt den Anschein als ob Juden, Muhame-
daner und Christen hierin ihren Ccrcmonicn und religiösen FanatiS-
muS wetteifern würden. Die Stadt liegt nah den Gebirgen JudäS
auf 3 Berge gebaut: der Monte Zion, Acra und Moria, sie ist
von Ringniaucrn umgeben, in welchen nebst zwei seit vielen Jahren zu-
gemauerten Thoren noch fünf geöffnete starke Thorr sind. DaS
erste Thor, das inan gewöhnlich paffirt, ist daS Jaffa Thor oder
von den Arabern Lab el chalil (Hebronthor) genannt, dasselbe
ist am Berge Zion und sind auch zur rechten Seite die frühere
Burg und der Thurm Davids, jetzt ein Castell und eine Militär¬
kaserne, zur linken Seite ist das röm. katholische Patriarchenge,
bäude nebst einer Kirche im schönen Baustyl neu errichtet. Immer
die grade Straffe hinunter gegangen, kommt man in di: nach links
(nördlich) führende Frankcnstraffe. Auch muß ich gleich bemerken,
daß die Stadt in 4 Viertel gcthcilt ist, in das Franken-, Arme¬
nier-, Juden- und Türkcnvicrtcl.
Wir befinden uns nun imFrankcn vierte l (Mont Zion).
Mont Zion. In demselben sind mehrere europäische Kauf-
lcute, darunter die Firma C- F. Spittler et Comp. auS
Basel. In der Frankcnstrahe sicht mau Uhrmacher, Buchhändler und
Verkäufer verschiedener Artikel, bis man zum C o p t i s ch c n C h a n
(Hotel) einem großen Gebäude gelangt, welches von den Copten
(cgypt: Christen) zu dem Zwecke-errichtet wurde, um mit den rin-
fließenden Miethgeldcrn der Wohnungen tmb Verkanfslokalc ihre
armen Landsleute zu unterstützen. Von diesem Gebäude genießt man
eine schöne Uebersicht dcS H i S k i a S t c i ch c S. In diesem von Kö-
nig HiSkiaS angelegten ungefähr 200 Schritt langen und 100
-Schritte breiten Teiche soll der Sage nach. König Dalld von der
nahen ZionSburg auS, die Frau einer seiner KriegSlcute baden!gr-
sehen und daher den bekannten Fehltritt begangen haben. DaS
Waffcr in demselben wird mittelst -ineS eigenen außerhalb der Stadt
sich befindenden Behälters jedes Jahr in dieselbe hinein geleitet
und dient zum einzigen guten Bade in der Stadt. Oestlich von
der Frankenstraffe gelangt man auf Treppen abwärts zur Grabes-
kirchc. Dieses auö alter Zeit stammende Gebäude wurde auf Ko-