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ligst berechnet.
Die
Gegenwart.
Hrgan für die Interessen des Iudenthums.
Redaktion «,d Atz.
«inistratian Ritter»
gaste Nro. 4-8 — 1.
wstzia^alle Briefe n.
Geldsendungen z«
richten sind.
Die „Gegenwart" er»
scheint am 1. and
15. eines jeden Mo¬
nates.
Nro. 20. Prag 15. Oktober 1869.II. Iahrg.
Inhalt:
Leitartikel: Das Verhalten der. jüdischen VertrctimgS-Clique \a den
Wahlen in daS Pachtrrvicr der Ehrcnsihe. — Pater Hvacinth über
die Inden.
Jonrualistik.— Correspoadenz: Postclberg. Wien.
Locales. Auswärtiges. Buntes.
Feuilleton. Inserate.
Das Verhalten -er jüdischen Vertretungs-Cli¬
que zu den Wahlen in das Pachtrevier der
„Chrenjitze."
Die Wahl in die prager israelitische CultuS-Gemeinde¬
vertretung, die auf die Gcmcindemitglicdcr keinen anderen
Eindruck als den einer Posse in drei Aufzügen macht, hat
seit Landau's Zeiten den Anstrich eines ernsten Gegenstan¬
des verloren, und gewinnt, was ihre Wichtigkeit betrifft,
im gegenwärtigen Momente imn.crmehr den Anschein, als
ob die Vertretung da wäre, die Schmerzen einer unbezähm¬
baren Ehrsucht, in denen sich unbedeutende Menschcir krüm¬
men, zu stillen und diese einer Krisis zuzuführen, welche die
Ehrenkrämpfe beheben soll.
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Feuilleton.
Bilder aus dem Oriente.
(Fortsetzung.)
In der Mitte der Moschee ist ein weißer Felsen der mit hohen
Eisengitter umzäumt ist und über welchen von der Decke auS
ein Baldachin hängt. Rach der südlichen Richtung sind die Fahnen
MohamctS (grüner Farbe) und OmerS (rother Farbe) zu sehen.
Nordöstlich führt ein Gang in den Felsen hinunter, in welchem ein
bedeutender Raum ist und die GebetSuischen Davids, Salomos.
St. Georgs, MohametS und andere gezeigt werden. Bei der bc-
sondern persönlichen Höhe deS letzteren hat sich, der Sage nach,
die niedere Frlfendeckc eine Kopfgrößc von selbst erhöht. Aber stau-
nenöwerth sind jedenfalls die Trümmer verschiedener Säulen und
Bruchstücke verschiedener Gattungen, welche die Sarazenen mit
eingebaut haben und aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Sa¬
lomonischen Tempel herstannnen. Ober»,alb deS Felsen» auf der
Südseite zeigt nian noch ein inohamcdanischeS Wunderzeichen ncmlich
die Merkmale von 5 Fingern. AlS Mohamet von diesem Felsen
gen Himmel flog, wollte der Felsen mit stiegen, tzic Bannhrrzigkeit
Göltet ober schickte eilend» den Engel Gabriel, weicher mit seiner
Hand den Felsen zurückhi elt, daher die Flngcrmerkmale. — Südlich
an der Mauer ist die Moschee kl Aksa früher die Helenenkirche;
Wie sich die Verhältnisse der prager Israeliten'-Ge¬
meinde auch immer gestalten mögen, wie sehr auch die Zer¬
fahrenheit, die Apathie für Gemcindeinteressen um sich grei¬
sen dürsten, so steht cS fest, daß diese traurigen Elemente,
an denen die Israclitcn-Gcmcinde total zu Grunde zu ge¬
hen droht, der unseligen Wirthschast einer Vormundschaft
zu danken ist, die in crbarmung»- und zügelloser Despotie
jene Stellen misbraucht, zu denen sich Männer durch An¬
maßung und allerlei Machinationen, gegen den Willen
der Gemeinde, in der unerklärlichsten Zudringlichkeit
hinaufgcwirbelt haben.
Niemand, der Her; nnd Sinn ain rechten Flecke hat,
wird verkennen, daß da» Ziel der Rennbahn, an das nnS
rücksichtslose Advokaten im Vereine mit einer ausgcklaubten
Gesellschaft gebracht haben, der Abgrund sei, in den man
die Gemeinde;n stürzen bestrebt ist. Die zurückgebliebenen
Mitglieder der einen Hälfte der Vertretung, wenn man sie
noch so nennen soll, ohne. fürchten zu müssen, daß diese Be¬
nennung Einem die Schamröthc in's Gesicht treibt, haben
sich im letzten Momente vor der Wahl in der Naktheit
ihres ganzen Charakters gezeigt und eben dadurch nicht ge¬
scheut. den Männern, denen sic das Vertrauen erpresst ha
den, ein Bild vorzuführrn, das die Großthaten des Ver-
tretungSrcstcö hinlänglich kennzeichnet. Jener Theil, der
Krebsschaden der Gemeinde, welcher zu deren ilnglückc. auch
dießmal im Areopag der Rabbincrgasse verblieb, um mit
seinen Bündeln über daS LooS der Gemeinde zu entscheiden.
dieselbe hat auch ganz die Form einer Kirche und wird von den
Mohamedancrn wenig zum Gottesdienst benützt. DaS Innere der-
selben ist länglich hat ebenfalls Säulen mit Inschriften au» dem
Coran und schönen Gemälden, die mitunter verschiedene türkische
Landschaften darstcllen. Ein Korido- führt zu einem großen untern Rau-
me, wo die größten Steine nebst einem vermauerten Eingänge zu sehen
sind, durch welchen die Könige in den Tempel kamen. An derselben Stelle
nach Außen hin sind Spuren de» Bogens einer Brücke wabrzunrh-
men, welche bis zur Zionsburg fülirtc. An derselben Mauer west,
lich (äußerlich) erscheinen die Israeliten, sowol Männer als Frauen
und Kinder am Freitag Rachmittag», beten und jammern daselbst so
zwar, dass die Klagctönc die Gcmütber der diese Ruine bewun-
derndcn Engländer und Franzosen selbst traurig stimmen. In der
Vorhalle der Aksa Moschee ist da» Orakel, welches bestimmt, wer
in den Himmel oder in die Hölle konuncn soll. ES ist ncmlich in
einer Säule eine kleine Marmorpiattc und dieser gegenüber in ei¬
ner Entfernung von I(> Schritten gleichfalls eine Säule mit einer
Marmorplatte, man muß also mit geschlossenen Augen von der ei.
neu zur andern gehen uud wenn die Hand nicht die gegenseitige
Platte trifft — so kommt man in die Hölle-Weiter nach
Osten ist unter dem Platze eine große Eisternc, zu der steinerue
Treppen führen nnd auf die au» mehreren Öffnungen da» Tageslicht
hinunter fällt- Die Cisterne bei loo Schritt im Durchmefftr, ist
aber immer mit Waffer gefüllt. An der südöstlichen Spitze der Tem-
prlmauer befindet sich ein kleine» steinerne» Gebäude, tn welchem
Treppen zu der Wiege Christi und zu den Stallungen Salomos
führen. Dir engl, militärische Exploration» Company hat in ihren