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Hrgan für die Interessen des Audenthums.
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15. eine« ja^en Mo¬
nate«.
Dro. 88. Prag 15. DovemKrr 1869. II. Iahrg.
Inhalt:
Leitartikel: Die Wiederwahl bei Hrn. Dr. Tedesco zum Vorsitzenden
der Prager ifr. TultuSverireiung, — Da» Resultat der Versammlung
btr „Alliance israelite universelle in Vrrlin. — Eine gefällte Erder
de» Libanon. — Hamburger Briefe.
Journalistik.
Locale«. Auswärtige«.
Sonst und Literatur.
Fenillrton. Inserate.
Die Wiederwahl des Hrn. Dr. ftebwo
zum Vorsitzenden der Prager israel. Cnltnsvertretung.
Die Wahlen in die isr. Cultuöocrtrctung, die keinen
anderen Eindruck als den einer unwürdigen Agitation, wie
sich ein unbedeutendes Mitglied der Repräsentanz auözu-
drücken beliebte, zurücklicßen, sind bereits abgeschlossen, die
AgnoScirung der sogenannten Gewählten ist vollzogen, und
die Constituirung der alt-neuen isr. CultuS- Gemeinde Re¬
präsentanz unter bengalischen Wortfeucrwcrk vor sich ge¬
gangen. Diese Reihenfolge ist den wirklich bedeutungsvollen
Vertretungskörpern abgelernt und nachgewimpelt und aus
eben dem Grunde ist die Scene der Constituirung als zur
ganzen Komödie gehörig, nichts Neues und von sehr ge¬
ringen Interesse. Was aber einigermaßen ein solches ein¬
flößt, ist die Wiederwahl des Herrn TedcSco zum Vor¬
sitzenden der Prager israel. Cult. Gcm. Repräsentanz und
war dieselbe, wenn auch von unö nicht gewünscht und wi«
derrathen, bei dem Umstande zu erwarten, als in erster Li«
Feuilleton.
Plaudereien
V.
8« ist rin sonderbare« Gefühl das Gefühl der Liebe, rief
einst rin Hagestolz, und wischte sich eine Thräne ab. die ihm un-
trr der Brille über die Wange fchnurstrak« in den krausigen Bart
lies, um sich daselbst zu verbergen und nie gesehen zu werden. 8«
ist ein unerklärliche« Gefühl da« Gefühl der Liebe zu einem
Gegenstände, und sei dieser Gegenstand der Lomplex einer
kleinen jüdischen Bölkcrfamilie, von dem man sich nicht tren¬
nen kann, weil man hofft, auf derselben Seite, wo da« Herz schlägt
noch einmal rin goldene« Stcrnblüinlrin gepflanzt zu sehen, da¬
mit Stolz auf da« bereit« angesetzte goldene Vergißmeinnicht blickt.
Und wenn auch dir Geliebte da« billet d'amour eine« jüdischen
Amor« verschmäht, der dir Liebe heuchelt und unter der MaSke
hippokritifcher Lirbe-erklärung nur sich selbst liebt, um seine Stel¬
lung mit Hilfe gezogener Wvrtkanonen zu behaupten, warum sollte
man der rrfüfirten Gegenliebe weichen, warum sagen: Der Mohr
nie die Repräsentanz da- Gegentheil von allem dem thut,
was gewünscht wird, in zweiter Linie die jüdisch«deutsche
Phalanx der Repräsentanz durch den Sturz ihres Sünden¬
docks zum Theile leicht durchbrochen werden könnte. Die
Wiederwahl Tedeöko'S war bereits im Cast'ee Lorenz ein
fait accompli und als natürliche Folge in der siebetreffen¬
den Sitzung muffte der Caffeebeschluß auch tut jüdischen
Gemeindezimmer vollzogen werden. Damit jedoch das ekla¬
tante Vertrauen des H. Tedesko in noch eklatanterer Weise
hervorttete, muffte auch der natürliche Instinkt der Reuge-
wählten herhalten, die in dulei jubilo an dem grünen Tische
saßen, während sie vor nicht langer Zeit noch gegen das
Gebühren der Repräsentanz, gegen die unseelige Wirthschaft
derselben, gegen das zum Fimmel schreiende Unrecht, einen
Mann an der Spitze der Gemeinde zu haben, in dem nicht
es» Funken vom Judenthum glimmt, während ein funkel¬
nagelneue« Mitglied der Repräsentanz noch vor Kurzem
nicht genug tadelnSwerthe Worte fand, die er dießmal über¬
zuckerte und in mit Schönheitsphrasen gewürzten Bonbons
dem abtretenden Vorsitzenden servirte. Wir kennen Ench Ihr
Leute und das thut uns, euch noch mehr wehe und so Euch
das LooS trifft, die Wahrheit zu hören und die Wahrheit
zu sagen, da verkriecht Ihr Euch mit einer wahren Domin¬
gomiene in die Schlupfwinkel der Heuchelei.
Uns liegt freilich sehr wenig daran, ob der eine oder
der andere seine trockene Prosa, die er als ein nach einem
Ehrensitz eines jüdischen HochtoryS sich sehnendes Gemeinde-
Mitglied herraisonnirtc, in von Schmarotzerpflanzen dnstende
Poesie umwandelt, sobald er nur der Gemeinde den Rücken
gekehrt, ans jenem Stuhl sitzt, von dem man ein vielleicht
würdigeres Mitglied von sich gestoßen; denn es ist klar wie
die Sonne, daß nicht Sympathien jene damals vor
Erbitterung schäumenden, heute von Glückseeligkeit übcrströ-
blieb er verschmäht von der allgemeinen Liebe, gestützt von ho-
nigsüßrn Radomontadcn einiger Cchinarotzcrblüthcn und gehalten von
der eisernen Hand der jüdischen Götze von Lorenzlichingen und so
trocknete er seine Thränc. in dem er mit dem schwärmerischen Heine sprach:
Ach ich sehne mich nach Thräncn,
Licbcsthränen, schnierzen-mild
Und ich fürchte, diese« Sehnen
Wird am Ende nach erfüllt.
Ja da« Leben hat der Dornen viele, der Rosen wenige, wa«
Wunder, wenn mancher Borsitz auf Dornen gebettet ist, die zu ei-
»er Krone geflochten da« Haupt schmücken, während man iu aller
Schlauheit den Samen streut, der für die Lultusstruerzahler tu
trockenen saftlosen Gräsern emporschießt, unter denen sich eine Rov .
mischt, die dann gepflückt, in dem Loche de« Salonfracke« Platz,
nimmt und den Schweiß auSduftet. der von der Hand besorgter
Familienväter hrrabgetrirst. Und die Gemeinde hat der Dornen
viele, die Gelder auffaugen und in unnützer Zeitvergeudung und
Remuneration-Verschwendung da« Auge de« Beobachter« stechen
während jene Wächter der Intrreffen.in dem Treibhaus« der Be-
hat fein« Schuldigkeit
lelr-gaffe, wo so viel getrieben, ihre Ghreufitze auf Aosen gebettet;