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wadin alle Briese
tStldseadungen zn
richten sind.
Die „Gegenwart" er¬
scheint am I. und
1.». eines jeden Mo¬
nates.
Aro. 23. Prag 1. Dezember 1869. II. Jahrg.
Anhalt:
Leitartikel : Etwa« über unser» Standpunkt. — Schulrath und Re¬
ligionsunterricht. — Der israelitische Religionsunterricht der Volks-
nnd Mittelschulen. — Der wohlgemeinte Rath.
Journalistik.
CorreSpondenzeu : Kaladai. OroShäz.
Locales. Auswärtiges..
Ba« Büchertifche.
Feuilleton. Inserate.
Etwas über unseren Standpunkt.
Mit dem heutigen Tage feiert unser Blatt den zweiten
Jahrestag, trotzdem man demselben gleich beim Beginne
jede Lebensfähigkeit abgcsprochcn hat. Angesichts der persön¬
lichen Interessen unserer Glaubensgenossen, die sehr oft mit
den fachlichen verwechselt werden, gegenüber den verschiedenen
und divergircnden Meinungen der Israeliten, von denen
jeder Einzelne unserem Journale ein Programm diktircn
möchte, waren wir cS unS und unserem Prinzipe schuldig,
an dem von unS ausgestellten Programm und unserem
einmal eingenommenen Standpunkt fcftznhaltcn. Wenn auch
die isr. EultuS-.Gcmcinde-Rcpräscntanz-Elique in Prag sich
gegen die stets auftauchende Wahrheit in unserem Blatte
gesträubt und mit kindischer Ranküne dasselbe nicht mir auö
den Lokalitäten des jüdischen Gemeindehauses ezcounnnni-
cirt, sondern sogar sich bestrebt hat, auf die Inhaber öffent¬
licher Lokale einzuwirken, unser Blatt nicht auflicgcn zu las¬
sen, so scheinen solche Maßregeln mehr eine Strafe für die
Urheber zu sein, uns aber nur als Aufmuntcruug zu die¬
nen, unseren Standpunkt, auf dem da-? Banner für „Recht
und Wahrheit" aufgchißt ist, nicht zu verlassen. Der ge¬
ehrte Leser nehme drßhalb die Bcrsicherung hin, daß, so
wie wir bereits zur Erzielung mancher Berbefferung in den
verschiedenen Zweigen des knltucllcn und socialen Lebens
deigetragen haben, der Moment nicht mehr lange auf sich
warten lasse, in dem die Resultate der Dsfcnheit und des
RcchtSsinneS unseres Organs sich glänzend nranifestiren
werden. (d. Red.)
Schulrat!) und Religionsunterricht.
Als wir seiner Zeit in diesen Blättern die böhm. Lan-
deS-SchulrathSfrage vcntilirtcn, die Wahl des H. Dr. Wie¬
ner in den böhin. LandcSschulrath als keine glückliche bc-
zeichneten und diefein MiSgriff vorurthcilsfrci motivirtcn,
fassten wir damals die demselben entspringenden Rachtheile
für die jüdische Jugend richtig ans, die heute in eklatanter
Weise sich fühlbar machen und so ziemlich diejenige jüdische
Kcnntniß eines Mannes markiren, die das Shstem, das
den Religionsunterricht der jüdischen Jugend beherrschen soll,
so ziemlich über den Hausen wirft. Und wenn 'der Herr Lan-
deSschulrath hierin seine Beruhigung zn finden glaubt, sich
von der Eultns-Rcpräsenlanz erst uisormiren zu lassen, so
ist daS Fiasko, das er bei seinem ersten Debüt erlitten,
nicht minder groß, als wenn er auf eigener Faust seine
Meinung im LandeSschnlralhc zum Besten gegeben hätte.
Seine erste Wirksamkeit inaugnrirtc Herr Dr. Wiener
mit einem Gegenstände, der sich am besten eignet, die Seele
des Iudenlhums, ein Grundpfeiler desselben genannt zu wer-
Feuilleton.
Bilder miS dem Oriente.
(Fortsetzung.)
Fünf Stunden Rittes von Bctlebem. auf den höchsten Bergen
Lndäas liegt Hebroii(Ehalil). Diese Stadt kann circa 1 üouo (Situvohiicr
zähle», wornntcr ungefähr —4o«ü Juden weniger Ehrisicn und
die übrigen Mahninedancr sind. Die erstcren bcstchc» größt cntheils
ans arabische», spanischen und polnischen Inden, welche mehrere
kleine Bcthäuscr besitzen. Die Höhle Machpcla ist in den Händen
der fanatischen Mahninedancr, über d-'rsellcn ist eine große Mo-
schce nebst den Wohnhäusern der Dcrvischc. Der Zutritt zu densel-
den ist unter keiner Bedingung möglich und konnte sogar der Prinz
von Wales ««ronprinz von England), als er Palästina besuchte,
trotz der Begleitung vom Sultan, dieselbe nicht betreten. Einen
Borrang vor den gewöhnlichen Ungläubigen (Juden n»d Christen»
haben die vornchiiicn Europäer, wenn sic Backschisch (Trinkgeld)
grbrn, indem sic bis zur Moschee vorgclasien werden. Die dortigen
Dcrvischc sind die-rohesten, die im Lande anmtreisen sind nnd reich-
neu sich dieselben so ivie die ganze mahninedamschc Bevölkerung
Hebrons an Fanarisnms vor allen andern besonders ans. Hebron
liegt in der kältesten legend im Lande, denn znivcilcn sieht man
hier im Winter eine dünne Eis'niste, es ist auch die einzige Stadt,
die so hoch gelegen; jedoch scheint hier der Wein am besten zn
gedeihen, und sind hier im Monate Juli sehr große und schmack¬
hafte .Weintrauben zu haben. Unter -den gennstmlichrn Trauben habe
ich eine von ungefähr 1."» ‘Jo Zoll Länge gesehen. Die Uegcnd,
über dies; srnchtbar, winde hierbei einer ordentliche» Enltnr in produk¬
tiver Beziehung alles Mögliche bieten. Hier ist auch der Schied»,
richter, welcher alle gerichtlichen Streitigkeiten nnd die der noch sehr
bedeutend vorherrschende» Blutrache beizulegcn hat. Eine Stunde
von Hebron beginnt die große arabische Wüste, in der sich die aus
Egvptcn tommenden Reisenden, gewöhnlich Karawanen. konzcntrirc».
Die europäischen Reisenden können diese Wnstcnrcisc inetnsive des
Berges Sinai in acht bis zehn Tagen znrücklcgen. Da diese Reise
nichts Abenienerliches bietet, ilbcrdicß bei diesen großen Spesen mit
Ausnahme des am Berge Sinai gelegenen lateinischen Klosters und
der Jclscnfchrist nichts zu sehen ist, so unterläßt der größte
Thcil diese zwecklose Reise. Tie Reise von Hebron bi»