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Ormrisdfblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde
Nummer 4
Bekanntmachung
betreffend die Aufhebung des Grindelfriedhofs.
Die I orstände der Deutseh-lsraelitischen Gemeinde
und der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde {»ringen unter
Hinteeis auf ihre Bekanntmachung in Nr. 3 des Gemeinde»
blattt der Deuttch-lsrmeJitisxhen Gemeinde vom 20. Miirz
1**36 erneut zur Kenntnis, daß die l'eberreste der auf dem
Grindelfriedhof Bestatteten nach dem Begräbnisplatz der
heilten Gemeinden in Ohlsdorf überführt und dort in he-
si nderen Feldern in Sanum Isärgen wieder beigesetzt wer-
d 71 sollen.
Inträue auf h.inzele.xhumieruns und Vi irderbeisetzung
ir F.inzeluräbern sind schriftlich bis. spätestens den 15. Mai
l't.'Ut im Miro der Deutsch-Israelitischen Gemeinde,
htunburg 1.1. Rothenbauinctiaüssee ■ib'. zu stellen. Die
UTgefähre Höhe ilrr Kosten, die zu Lasten des /fnlrag-
steiler* gehen, wird hinnen kurzem ^öffentlich bekannt¬
gegeben werden. .
tniriiaen auf Yerbringung ron I eberresten der auf
d>'in Grindelfriedhof Bestatteten auf andere jüdisihe
Friedhöfe wird in der Hegel nur stattgegeben werden
k innen, nenn die Antragsteller die Zustimmung der jenigen
Personen beibringen, die zur Zeit d<u\ Stellung des Antrags
n wh den \ ocskhriften des BGB. die Erben des Toten
Maren. • f
Der Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde.
Der Vorstand der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde.
Rttlilmier llr. Bruno Italiener: ,-
Nachdenkliches zu einer Stelle der Peßach-Haggada
J ;tn i 'Ii i eindrucksvollsten Möineute ln-i der Vorlesung aiej
«I t ll.i-.i ki i-l allemal der Viigenlilick, moimi der Seder-
g -lu inlr niit erholx-nem Becher i|ic Worte spricht: rrnsffCf X'ili
'III U 1 ?' "*r , 2X l 7 ..Sit- ist es. die uns und unseren \ätcrn
l> ••gestunden Ii.ii. Deun nicht i einer lt.il sich wider uns ert
Ii iberi. um m* <fen I np«>rgaiig /u bereiten, sondern in jedem
Z-Halter cihelieii sie sich w ider nu-. u11- <leii l ntergang /u be¬
reiten, abei dt*T Ileibge.« irclobi sei er, rettet uns uns ihrer
flau I." , | - « ;
Die ItiiU offe (.esdiicbte der Juden wird iu diesem Moment
it «li r Seele der I eilnlehmer Ii-IkmhIij:: Israel, immer wieviel
jfslndit «ml immer wieder errettet, errettet ilurtli die drei
Kralle, die nach \nI b|sMing verschiedener Krklärer in dem
...Sie'" i iitli.ilii n sind. ihit denen die vorerwähnte Stelle der
IJai-a.l.i eingeleitet wirtl: die* Zuversicht auf die göttliche V e.r-
h e i II ii ii jr . die . I ehre, die . Israel jiriverlierhar in <len
Ihm len 11.i _it. iiii l dje Wappuung durch die sieh immer
e 'nelternde \ o t. i 1
..Wie si.,,k die Gesdibhl«-. des Juden gerade diese Stelle der
»Jla — ada be-eirfTlul'l Itati zeigt null ein Wiek in alte llaggada-
fl aiidschriftcu. Die I l.u|d-«lirihe'ii des -1 >.i rir~. Ii. ii Ritus 'halten
d ikIiu.,- die I csiiit. die auch in die hei uns Juden in Dcut-eh-
h n I -jetzt if.ehriüpblidictn .gedruckten \ uralten ühctgcgaugcli •
Kl irtt'lBP T3^J yttß. Wf -Vicht einer allein hat <u\\ wi.hr
n i- erhöhen.' "In den Ilaml-Hirillen de-^ deutschen Ritus:
«Aipejfcij lie-t man "rsyd ,.\'..ht eiijer.i-r Ii e Ii t sich wider n.iis/1
h ii 'i|i»| -|i iiii-ihyn JniJ'li. die jahrhuird'erielniiL' fast- uuatige-
f Achten lyTl dei -|iaui-(ifeii I lall.in-.-1 lebten., lag das leid weil
vii.i'N. «alfei du- I mm dej \ <r. i nuenlieil. dt n i h-ijt -h Inn
-Jaden w h »las l.eid in'iijer wii' lrr ifdre. Immer w ieder -{>■■ rlt.ir.
ilflu r die l iirm <l< j (.i*reirwail
™™' ; . .
ii .! rkläriinjen /\\ dieser Melle -ifnl -ehr
U.s-He«h'is »ei dei koiiimenl.ir de- K'lea-ar 1
a rffilililtrt'ii
V\ lehn da. au- Worm-'l aniri Jiihrl. V.ew«dinli«h nath
»j i;n>m Hauptwerk It »ieaeli senatmt.Mer um \2\s\ h l.ie. 7:i
d in W m Ii . \ iht einer |liat -i«n vi iiier un« erludien". Iiemerkt er.
nVs;^ ->^z.-iv-.i nz .vns- -ryra -ny biz i&y c^yi-rs
rir: Tino -xa d-tutti 7^3 D-am w?-\z tjij^ nxaa nnx nvj
n*-!< r.-:--:-- :.-x irby ^-bfn -dis^ rrepruvt ce^x ~i
VOtfff ir9y jrvj az-n '3 121 .-:b -r> «Vi ti'rxn .Tapnt .man
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».Wie die R<--ihifkli-iiiiL'en l.ewVi-en. die j4Mler/eit gegen u?is
' - Iber ihn Je« Fm. V 100 101 und die dort (rnaimlt Litcratar
vor^ebradit wurden, wovon folgendes Geschedinia zeugt, das
sidi hier in Min/.enlieig (mnze'uitfrf) zutrug, hine Nidltjüdiq
fiel im Gebiete der Juden in einen Brunnen am I. Adar 4"-W
(iiNS). | nd sie verleumdeten uns, indem sie behaupteten, ihr.
hai.t sie in den Brunnen ge-tolien. Aber der Heilige, gelobt -ei
fr, rettete uns. Sie taten uns nidns. denn derj'.wige fügte es,
d,d_i wir llrbarmen fanden bei denj t'ür-ten .. ."
Dieses Ereignis findet rtne iiberrasdiende Bestätigung durih
einen im Münzkabinett d<-s Darmstailter Lamlesniitüeiinis be-
findlidien Brakteaten aus Silberbledi. <ler im Jahre 1920 in der
Nahe von Lichtenberg im CMenwuld mit'einer grolieren
.\ii/.ilil anderer Münzen gefunden wurde. Kr zeigt einen Juden
mit Ivpisdiem Juden Ii ut auf dem Haupte: er "kniet vor einem
Kürsti n. der ein S/epter in der Rechten hält. Der Brakteat
trägt di<- Insdirift |,l3n TIT David hakohen. Diese Münze ist
nach Besdtreibnng des kürzlidi verstorbenen Münzensiimnilers
Julius Ca h n-Frankfurt*M. um IM*) anzusetzen Sie wurde
von depi Rektisvogt in der Wetteran Kuno von Minzen-
berg (Jl>l bis.UIJ) geprägt. d»T als einziger D> nast zur Zeit
Kaiser I riedriih I. das Nlfinzredfl in der Wetterau ausiilde
David hakohen war der M»iii/mrister o»ler Vlün/päditer lies
Herrn von Minzenberg, Dur»h versihiedene Zeugnis-e ist ur-
kiindlidi belegt, dall Juden im Mittelalter in der Münz-dfmiede
an leitender Stelle standen. Herzog Leopold V. vorfder Ost¬
mark ernannte in Wien im Jahre 11'»4 einen Rabtti Salomon
zu seineni Minzmeisterl In «lern bekannten, Anfang des
l». Janrhnndeii.s entstandenen BitualkiKlex ,j?ni 11K heiHt es:
D'ynon nwA aiixb i 1 ? mox ^an ja yaea nan? bx~m^ •pbri
■ <Kap. II. lb 3-1» rroW •••nZiVZ lyaCS? D*13J
,.Wenn" ein Jude das liedit. Münzen prägen zu. dürfen, vom
Könige erworben hat. ist es ihm verboten. Hardt nicht jüdische
Münzer das Prägen am Sabbat vorzunehmen." Kuno von
Minzenberg scheint, w ie audi au.« anderen jüdischen. Quellen
hervorgeht, ein Freund der Juden gewesen zu sein. Sowohl in
»e in en eigenen Besitzungen wie auf Reichsgebiet hat er Juden
angesiedelt. So gewährte er den Juden auch in Minzenberg
sellM das SiedlUngsrecht, wo sje beispielsweise eine Xiifliuhts-
stätte vor'den in Speyei und Mainz einsetzenden Verfolgungen
landen. Der Brakteat ist als« eine Geleeenheilsmttnze. die der
.von Kuno ernannte dankbare jüdische Münzmeister prägte. Ist
sie auch um eine einfache Denkmünze und trägt sie auch nur
die zwei Werte jnan "rn so s 'e zugleich doch auch «-in
Symbol der immer sidi erneuernden Hilfe Gottes in
u 11 s e r e r G e s c h i c Ii t e.
Rabbiner Dr. Joseph Worden :
Eine Frage
„Viele Wege führen nadi Rom", sagt ein bekanntes Spnch-
VMirt. I nd. so können wii [las Spridiworl ummodeln, viele
Wege fuhren zu Gott. Das lehren uns die Religionen, die übet
die I lde- verbreitet .sind: denn sie Sind ja nichts anderes als
e!>en Wege zu Gott. Gar verschiedenartig sind die Wege; das
Ziel- aber ist bei allen dasselbe. Das Ziel ist Gott: das Ziel ist
Heiligung des l.ebeiisw andels: das Zitd ist eine auf dem Boden
edler-Gesittung ruhende W|e4tani<dkauüng.
Wertn aber che Gedankein; die eine Religion ausgeprägt hat,
si«h nicht verflüchtigen, wenn sie allen ihren Bekcnujern
dauernd ^i L r enwärlig sein sollen, dann-bedürfen sie in irgend¬
einer form der Verkörperung. Sichtbare Handlungen müssen
Vorhanden sein, durch die die religiösen Anschauungen in den
Herzen der Bekenner dauernd lebendig erhalten Werden.
Dalum versuchen alle Religionen, ihre Gedanken durch Hand¬
lungen und Betätigungen! zu versinnbildlichen! So auch unser
Judentum: >frine Sitten und seine Bräuche .verleihen religiösen
Anschauungen sinnfälligen Ausdruck. - t
Zu den Volkstümlichsten Brauchen des Judentum» gehört die
Keiei der be id e her s t ejii A.btncledes l'elfachfeslqs. Was
hat diese Abende, die SedcT.ibende, so besonders volkstümlich
gemaiht. Wocfutdi sind >ie s,, besc<nc1r>rs lieliebl gewordenr Sic
haben ihre Vcdkstümlichkeit ihre Beliebtheil erlangt durch die
Mitwirkung ilei Kinder. Die Kinder sehen die Bräuche, ver¬
folgen sie mit Aufmerksamkeit und wünsche n ihre Bedeutung
zu erfahren:» I od Sache-der Krwadvsenen ist es.'ihnc-n zu'nnt-
h orten iMicl ihren Wissenscfilrst zu stijlen. V" verschic-ji'nc-n
(Stellen gebietet die Tora, die es als selbstverständlich ansieht,
dafl die Kill der Iragen. sie nicht ohne Antwort zu lassen. -Ks
11111I! für die Krwadisenea ja auch eine I'"rende sein, wie
die Kinder .dies mit olteiien Siiinc-n betrachten. I's inull ihnc-n
eine Hreiule Sei«, den Kindern Belehrung and Aufklärung
zu geben.
Aus diesen Erwägungen haben unse re- W'c-isen vor etwa
zwei Jahrtausenden die Krage des Kindes and die Antwort der
Hrwaehsencn 111 eine feste Form gegosesen. Nicht, als ob das