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erfahr-'nften, > ie lleberzeugung aussprachen: daßvicle Lehrer
in Israel füi höheres geistiges Streben den Sinn einge-
büßt hätten^ daß ne geistig gedrückt und theilwoise verkommen
waren im All! agsleben : daß ihre Apathie selbst die wenigen
Kreuzer für :ic energische .gemeinsame Vertretung ihrer
Interessen nicht anfbieten würde. Wir konnten, wir
dursten und w »Uten das nicht glauben. O mein Gott, sollte
.der höchste un? heiligste Menschcnberus, der Umgang mit
und die Bildung der frischen, strebenden, leuchtenden und
sich entwickeln! en Kindcrseelcn nicht'so viel Wirkung äußern
auf die Geiste' gebildeter.iviänurr, daß sie sich emporbalten ^
können über ^en Sumpf des Alltagslebens, um belebende
Ideen aufnebchcn und zu verarbeiten ? sollte die Frisch« der
.Eindergcifter sticht befruchtend ' und veredelnd wirken auf '
-die Lchrerber;>üi, daß sie trachten sich Zn erfrischen am
Berne kcS Lebfus? Sollte der Fortschritt, den sie dervor- !
rufen, der ihnen vor Augen steht an jedem ncucn^Morgcn,
nach einer jeden vollbrachten Lehrstunde sie nicht zu fort- '
schreitendem Streben, zu aufopfernder Begeisterung, zu Hoff¬
nung und Vertrauen anregen, taff'sic, der Jugend gleich,
leuchtenden Auges binauSblicken in die Ralur hinein in
die beschichte Israels und ecr Menschbeil und hinaus zu
Gott dem Hüter Israels, der nickt schläft und nicht schlum¬
mert'. Daß sic nickt müffig die "Hände in .len Schoost
legen, sondern cmsig'milbaucn und helfen, wo es gilt das
Gute zu Unterstufen „mit Kraft uns mit Muth und mit
ausdauernder Hingebung!'" Sollten sie endlich nicht Standcs-
ehre, Liebe cum Berufe. sich erhalten haben, um an und
niit demselben zu wachsen? '
Der Eintritt ins neue Iabr ist geschehen. Wir er- :
freuen uns rer uns gewordenen geistigen Mitwirkung der
besten-und erfahrensten isr. Sckulmänstcr Deutschlands.
Aber es ist nun einmal so im Leben. Mit der geistigen
Hü!se must auch die materielle gleichen Schritt halten.' Die
Lehicr müssen erkennen, wie sthr einffefche-s Organ uns Roth -
rhut, welch befürchtender Samen ausgestreut werden kann
durck ecu Blatt., das ihre Sack>e und dir Sache die der
Sckulc, die Sacke der Bildung, der Humanität und Reli-j
giofstät als sein Heiligstes betrachtet und zui'ördecm beabsichtigt. '
Es ist ünläugst schon cnun'al in kiesen Blättern aus;
gesprochen worden, und cs kann leider nickt verkannt wer¬
den,, rast, obwebl im Allgemciuciz die Schule, sind insbc-
soudür: die jüdische gegen frübereinc - ganz andere ist, vic
geistige Regsamkeit unter een jüdischen Lehrern abgenom-
mcn bat! — Warum und wieso? — Sie sollen, sie
müssen wieder die geistigen Lichtträger werdeu. Darum,
wir wolleu nickt verzagen. / Aber, wir gestehen es offen,
damit iiN'erc Freude danach wirken; unser lliitcrnehmcn
erbcisär von nnS mate'iclle Orfer. Wik errvarten keinen
Gewinn. Aber, wir sind doch nicht im Staude, diese Opfer
fort und fort zu tragen. Wenn die Betheiligung
au unserer Zeitschrift nicht eine zahlreichere
wird, müssen wir an ihrem Forterscheinen ver¬
zweifeln Dies die Mahnung.
Wollen die Lehrer eine Vertretung ihrer Interessen,
wollen sie eine Verbindung, eine Verbrüderung anbahnen,
wollen sic wachsen in der Erkcnntniß, in der öffentlichen Achtung,
wollen sie sich einander über ihre Rechte und die Wege, sie zu er¬
reichen, belehren, so müffen sie dies durch eine recht zahlreiche
Betheiligung an diesem Blatte erweisen. Wo nicht— nicht.
Und nun noch ein Wort — zur Aufklärung. Ein
sehr edler und würdiger Eollcgc schrieb uns unlängst: „Sie
haben Ihrem Blatte, inmitten des Streites, der jetzt die
israelitisch-religiöse Welt bewegt, eine Partcistcllnng ge¬
geben, und das scheint mir nicht gut gcthan. Wenn auch
die Religion in unserem Volke das vorwiegende Element
ist und sein soll, und daher schon in jedem isr. Lehrer ein
halber Theologe steckt, so braucht deshalb ein isr. Schul¬
blatt doch noch kein theologisches •) zu sein. Es thut vielmehr
dem jüdischen Lehrer wohl, wenn er aus den unangenehmen
Eindrücken heraus, welche das Lesen der übrigen isr. Zcit-
unt Streitschriften, die ekelhafte Art der dort beliebten »
Slrcrlführung in ihm zurückläßt, auf ein neutrales Gebiet
sich begeben kann, wo alle Parteien in der Erkenntniß des
heiligen Zieles fick im- frenndschastlichen Austausche der
Ideen begegnen. Die Schule "ist ein solches neutrales Ge >
biet" k . Weiter unten sagt er : „Ich verkenne die Schwie¬
rigkeit-durchaus nicht, auf diesem Gebiete eine neutrale
Haltiuig stets zu bewahren, aber möglich ist's doch L Ein
solches Blatt muß ein freier Sprechsaal für alle Parteien
sein"*) und die Redaktion muß stets über dcnsübcu stehen,
dieses in ihrem Programme offen aussprechcn, und darf
nie für oder gegen eine derselben austretcn, sondern muß '
in ihren Arbeiten sich durch diese gefährliche Klippe -stets hin-
durchzuarbcitcn wisicu " Als Grund gelten unserm geschätzten
Herrn College» weiter nicht allein die Ansichten, sondern
auch die Bcrhältuiffe als Schochtim, als Lehrer unter ortho-
dor.n Rabbincn u. f. w."
Es isi etwas Wahres in dieser Anschauung; aber eS
ist eine nicht allein schwierige, es ist zugleich eine traurige
'Aufgabe, die uns der geehrte Schreiber hier stellte. Wer
aber in aller Welt wird, wenn er ein zeitgemäß gebildeter
'I Lvils auch nirbt icm. . Die :Kct.
**) Und da» ist ti, tu Bestehung auf die Lckiile gewiß! Wem
bärcen wir noib das freie Wort versagt? 'Aber wer bat sick an an»
aewentei? Wen« unsere borresrondenten der Reform bulvigen, bätre«
wir dann emen soliden svrerbsaat. wenn wir ihnen das Worr MI-
iöacn r Die Red.