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ehrt fühlen, wenn man in so «richtiger Sache an sie rceurirt
und von ihnen Abhilfe erwartet. Wir möchten auch da¬
für einftehen, daß wenn guter Wille die Stelle helfender
That vertreten könnte, auch schon geholfen wäre. Es scheint
sicher, daß kgl. Regierung »ine Verpflichtung zur Erlhcilung
dieses^Unterrichts vorerst nicht anerkennt. So müssen
allerdings die Israeliten der Pfalz dafür sorgen, sofern sie
sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, in staher Zukunft
Lehrer zu erhalten, die in der hebr. Sprache und in der
jüdischen Relegionslehre gar nichts oder nur Ungenügendes
zu leisten vermögen. Wir zweifeln auch mit dem wohl¬
meinenden Einsender leinen Augenblick daran, daß die
Pfälzer Israeliten, welche den stützen und die Wichtigkeit
ihrer Schulen auö der Erfahrung .fcnneu gelernt haben,
vollkommen geneigt sind,, sich zu diesem Behuse zu besteuern
und für einen tüchtigen Religionsunterricht (nebst dem was
damit zufammcnhängt) sogar namhafte Opfer zu bringen.
Aber, meint der-geehrte (uns übrigens völlig unbekannte)
Correspondent des „Kuriers," daSCoMitö sollte seinen Plan
realisircn, d. h-zier Lösung der, „Lchrerbilbungsfraze" ge¬
wisse Beischläge zu den Räbbinals-BudgetS genehmigen und
erheben lafsiu? Aber weiß denn der Einsender nicht, daß
dieser Plan kgl. Regierung vorlicgt.und bis zum Augen¬
blicke noch der. Derbrschcidung entgrgcnharrt? Ist hier
in Wirklichkeit etwas zu thun möglich, bevor ein Bescheid
ergangen ? Und wenn, wie es- wahrscheinlich ist, die Ein¬
gabe des Ausschusics von kgl. Regierung dem Ministerium
vorgclegt-wurde, und von Höchster Stelle, wie bei den
bescheidenen Wünschen in Bezug auf die Synagogcn-Aus-
schuß-Wahl, eine abschlägliche Antwort herabgclanzt — wie
dann?!... Der Herr Einsender wird zugrstehen, daß sich die
Sache nicht so brevi manu, wie er es sich zu denken scheint,
abmachen läßt, und daß namentlich den Ausschuß ein Vor¬
wurf der Saumseligkeit ooer tlijchlbcachtung der allgemeinen
Interessen bis jetzt nicht""treffen kann. — Dankbar aber
müssen wir demselben dafür sein, daß er einen so wichtigen
Gegenstand öffentlich zur Sprache bringt und hoffen wollen
wir, daß in einer Zeit, wo man die Religiösität so betont,
wo selbst S. Maj. der König von Ppcußen sich über Ab¬
nahme derselben so sehr beklagt, man allseits gerne.bereit
srin wird, für den Religionsunterricht der Lehrer des Volkes
die Mittel beschaffen zu helfen!--
Umschau.
I>r. Gotthold Saloniorrin Hamburg, der Nestor und
das Vorbild der neueren israelitischen Kauzelredncr Deutsch
lands, ist im Aiter von 73 Jahren gestorben.
— Die „Opinion nationale" hatte gemeldet, der Vetter
de» Papstes Pins IX., Cardinal Mattei, Bischof von Bel¬
le tri e, habe aus seinem Sprengel alle Juden auSgetriebcn;
da kam das clericale Blatt „Le Monde" und leugnete die
Sache mit dem Zusatze, „es gebe in VcUctrie gar keine
Juden." Tie „Opinion natinnalc" kommt jetzt auf den
Vorfall zurück. Danach stellt sieb derselbe so heraus: In
Velletrie wie in Civita-wodnt allerdings nur eine jüdische
Famlie, welche, durch ein altes Dekret die Erlaubniß hat,
dort zu wohnen; diese blub in Velletric verschont. Aber
seit 1849 hatten sich unter den Äugen der Franzosen meh¬
rere jüdische Familien in der Diöc.sc Velletrie niedergelassen,
und eine noch ansehnlichere Anzahl jüdischer Kleinhändler
aus Rom fand sich dort ein, um die Märkte zu beziehen.
Dle „Opinion nationale" „erklärt nun bestimmter als je,"
daß sämmtliche Juden, mit Ausnahme der in Folge eines
alten Dekretes in Vcllctri geduldeten, durch rrn Dekret des
Cardinal» Mattei aus Lern Z prengel auSgcwicfen und
allen israelirischcn Händlern das Beziehen von Jahrmärkten
in der Diöccsc verboten ward. Die „Opinion" setzt hinzu,
man habe lange gezögert, Berufung an die öffentliche Mei¬
nung einzulegen, weil man gehofft habe, der Papst werde daö
Dekret rückgängig machen, wenn die Sache ohne Aussehen
betrieben werde; „durch ein authentisches und officiclles
Schreiben vom 18. November, das ihr, der Rcoaction
der „Opinion" mitgetheilt worden, werde jedoch erhärtet,
daß alle Versuche zur Ausgleichung gescheitert seien, daS
Dekret in aller Strenge aufrecht erhalten werde und die
Lage der unglücklichen Vertriebenen Beistand erheische."
Lehrervacanzenliste.
Einmalige Ausnahme 18 kr. — 5 Sgr.
An der hiesigen israelitischen Schule ist eine mit
gutem Jahrcsg halte verbundene Lehrer stelle offen.
Bewerber um dieselbe, welche ihre Lehrbefähigung im Heb¬
räischen und Deutschen Nachweisen können, wollen sich unter
Beifügung ihrer Zeugnisse in frankirten Zuschriften wenden
an A TKotfsde,uier,
Vorstand der isracliiischcn. Schule
in München.
Erledigt ist: '
Die Rctigionelchrcr- 'und Vorbeterstelle zu Nieber-Olm
bei Mainz. Gestalt LUU fl., nebst freier Wohnung, Heizung
und Nebenverdiensten.
2r n unsere vj« itarbeiter!
Wir halten (der Raumersparniß wegen) Titel und Jnbaltsverjeickniß für
unnötbiz. — Wir bittin unsere säinmtlichen Freunde und Korrespondenten
dringend um Nachficht, wenn wir ibnen bisher weder schreiben , noch
ihre Arbeiten so schnell als erwünscht, ausnehmen konnten. Bei dem
großen Andrang kleiner unabweisbarer Artikel in den letzten Wochen
war rin Durchtringen für mich fast unmöglich. Es wird jetzt mehr
Raum geben, da verschiedenes kleiner gedruckt wird, und soll Alles an die
Reibe kommen. Auch bitten wir darum in der Einsendung nicht nach¬
zulassen. Erwünscht find besonders tüchtige pädagogische Leitartikel, —
Allen freundlichen Gruß, und' l offen wir, daß das neue Jabr dem
Israel. Lehrer- recht viel Abonnencen bringt, und ihn „im Fahrwasser"
erhallen wird. ' n2*0 sN' Vll Klingenstein.
Peranlwcitlilier Redakteur: I. Klingenstein in Ldcrnheim in Rbeinbeffen; Selbstverlag der Ridaktion. Für den Buchbandelr in
Eommisfion bei E. L. Fritz sch e in Leipzig. — Druck von I. Gotts leben in Mainz.