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um unter den Müttern! <Zhr findet, pafs sie ihre Kinder
nicht jüdisch erziehen. In den Töchtern wird der Sinn für
Flitter und Prunk, wird der Hochmuth geweckt. Die feinen
Damen schämen sich, gestehen zu muffen: „Ich habe in der
Bibel gelesen oder: „Ich habe die „Geheimnisse von
Paris" noch nicht gelesen." Aber auch die lieben Söhn-
chen werden nur für das Geschäft, aber nicht für die Re¬
ligion erzogen. Die Mutter hat hierauf den größten Ein¬
fluß und sehr oft ist es der Pantoffel, der das religiöse
Leben des Hauses beherrscht. Sollen nun die Mädchen auch
rein lernen V Sollen sie nicht so' viel als möglich in die
-Lehren der h. Schrift eingeweiht werden? Ist dazu nicht
der hebräische Unterricht ein Hauptmittel? Wer über den
Gegenstand nachdenkt, wird zur richtigen Erkenntniß ge¬
langen.
„Aber friiher lernten ja die Mädchen auch kein rein
und das Haus war doch religiös."
Dieser Einwurf beweißt nichts. Die Welt stieß den
Juden ab; er könnte in außerjüdischen Kreisen nichts
erringen. Ein Kind für die Welt zu erziehen, wäre Th or-
heit gewesen und lag auch so seht außer der Anschauungs¬
weise der Eltern, daß der Gedanke wohl gar nicht Raum
faffen könnte. Die Religion war Alles. Die größere
Religiosität entstand nicht durch die Unwissenheit des weibl.
Geschlechtes» sondern dadurch, daß der Weg auf beiden
Seiten durch starke Barriören von der Heerstraße getrennt
war. Das ist nicht Mehr der Fall. : Das Weib ist nicht
mehr so iiolirt und bedarf daher der h. Schrift als Leit¬
faden; soiglich niuß das Mädchen rem lernen.
Das Weib muß dön erhabenen Inhalt der mir kennen
lernen, damit cs bewahrt bleibe vor den Lockungen der
„Gesellschaft," damit Gottesfurcht und eine religiöse
KinderzuchH im Hause herrsche, damit "uch das weibliche
Geschlecht nicht nur am Gebete, sondern an n'p lebendigen
Antheil-ne -men und sich durch den Gottesdienst erbauen
kann, damit die Dämone Stolz und Lurus :c. ?c. beseitigt
werden unl> die verderblichen Romane zeistbildenden Büchern
Platz mach'».*) ■
Rordeck, den Ui. Mai 1864.’ P laut.
Neceusionen
mann, Lehrer in Hannover, XII. Auflage, nebst Kinder¬
schatzlieder ,von Hexrmann Kepl, Lehrer in Posen. Dres¬
den 1863, Louis Ehlermann.
Die Verfasser haben eine würdige und richtige Ansicht
vom Schullesehuche. Sie suchen das Kind zu unterhalten,
in anziehender Weise iu belehren, und halten sich ferne von
allen den Irrungen, rn welchen die große.Masse der Schul¬
lesebücher der Neuzeit verfallen ist. Daß dies Büchlein in 12.
Auflage erscheinen konnte, spricht für dessen Werth. Es ist
den Verfassern gelungen, die Lesestücke so auszuwählen, „daß
sie nach Stoff und Form unmittelbar das Kind ansprechen,
aber auch in reiferen Jahren demselben nicht fade erscheinen."
Nach der Ansicht der Verfasser kann nur das ein Kind
wahrhaft erziehen, „wofür sich auf naturgemäßem Wege In¬
teresse in ihm erzeugt." — Ein rechtes Lesebuch kann und
darf weder ein dürres Realiengerippe, noch eine Konglomerat
von „moralischen Musterbildern sein, oder im süßlich fröm¬
melnden Tone mancher neueren Erzählungen zu gefallen suchen.
Kräftige Nahrung für Geist und Gemiith! — Die Lieder
sind ebenso frisch als warm gehalten, und das Ganz^-ein
wahrer und wirklicher Kinderschatz. £
Leitfaden zur alten Geschichte für den ersten GeschichtS
unterricht hon M. Schäding. Ebendaselbst.
Ein sehr brauchbares, frisch und anregend geichsiebenes
Büchlein, das, obwohl für die unteren.Klassen von höheren
Töchterschulen bestimmt, sich doch auch in den höheren
Klaffen guter Elementarschulen gut gebrauchen läßt.
Leichtsaßliche Uebungsaufgaben über die Regeln der englischen
s Sprache. Zilr Anwendung bei allen Grammatiken für
Anfänger und Geübtere von R. I. Lucas, ordentlichem
Lehrer an der Hauptschule zu Bremen. Zweite gänz¬
lich umgearbeitere und vermehrte Auflage. Bremen,
Berlüg von A. P. Geisler. 1862.
Jemehr sich die! Lehrbücher aus fremdsprachlichem Ge¬
biete häufen, desto ersreuchlicher ist es, guten Schriften zu
begegnen, die auf pnaktischen Anschauungen und Erfährungen
beruhen. Das vorliegende Buch wird tüchtigen Arbeitern
vortreffliche Dienste'thun, und ein eingehendes gründliches
Studium der englischen Sprache ermöglichen.
Kinderschatz. I. Theil. Deutsches. Lesebuch für das
früheste Jugendalter von H. Schulze und W. Slein-
Dcr Gegenstand ist von zu großer Bedeutung, als daß wir nich:
auch eine, dcr unscigcn cntgcgensiebcnve Ansicht hier aufnrhmea {„'Ilten.
Allein unser junger Freund hat uns noch nicht überzeugt. Sollte Cie
psychologische Begründung nicht doch eiwas schwach seine Sollte nicht
in dem Satze: 'El* 1H2 TN “elEH s>- dach auch ein' pivcholozischcs
und in dem Wesen der Tbora begründetes Princip ausgesprochen wor¬
den sein? Wir fragen unseren Freund nur das eine: werden Sie nicht
weit größeres Bedenken tragen, die ganze uuverkürrte Tbora dem
Mädchen in die.Eände zu geben, als dem Unaben? Ist die Unschuld
eines Mädchenberzens nicht so sebr. leicht verletzlich '{ Und dann — das
1 religiöse Gefühl kann auch gebildet werden durch eine UeVersetzung.
Die Ur'chrift in für das Denken, die Erkenntniß. Seyt das keinrn
Unterschied? Die Wissenschaft ist nur für Unaben; und wir haben von
jeder einen wahren Horror vor Blauitrümpfereien. Sie sehen, m Freund,
die Sache ist nicht so leicht abgemacht. Doch — anreg^n ist immer gut,
und die Entgegnung kann nicht in einer Notiz abgemacht werben. Ncv-
Gedankcn
über einzelne Stellen dcr heiligen Schrift
von
C. Luchmaim, Rcligionslckrer in Udeküorf.
iv. Einiges Züge aus dom üeben Moses und Josua's.
I. M. Kapitel 18.
(Schluß.)
2) Hier führt uns Maies eine der amalekitischen kon-
trasti ende «ehr freundliche. Erscheinung vor. Jethro, der
Schwiegerväter des Mows, kam in Begleitung von des
Letzteren Frau nutz Kmaer ans Midiän. Begeistert durch
die vernommenen Erlebnisse Israels bekennt und bewundert
der heidnische Priester die Große des Allerhöchsten und be¬
währt «eine innigö Zuneigung für die von der Poriehung