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so beschützte isr. Ratio« dadurch, daß er dem Moses den
Rath ertheilte, zu seiner Erleichterung und zur Wohlfahrt
der zahlreichen Rechtssuchenden, das für ihn so beschwerliche
Richter amt mit anerkannt rechtlichen und gesinnungs¬
tüchtigen Männern zu theilen. In Ausführung dessen er-
hielt Israel eine zweckmäßige Org an i s a t i o n seiner Rechts¬
pflege und ward dem Stifter derselben zum höchsten Danke
verpflichtet.. Es zahlte auch redlich durch seinen ersten
König; denn wir lesen im 1. Sam. 15, 6, daß, als der !
zum Vollstrecker des göttlichen Uriheils wider die Amale- '
kiten berufene Saul sich zum Angriffe anschickte, er zuvor :
die ß ernten (Nachkommen des Jethro und Anwohner |
Amaleks) aufforderte, sich sogleich aus dem Bereiche dieses '
Erbfeindes Israels zu entfernen, um nicht gleiches Schicksal
mit ihm zu theilen. „Weil Du Dich (durch deinen j
Ahnherrn) unserem ganzen Volke wohlthätig erwie- \
fest, als es aus-Egypten zog." 2. Sam. 10, 1. 2. 1.
Kön. 2, 7.
Bemerkung. Da 4. M. 10, 2 —32 nns in Ungewi߬
heit läßt, ob der dort, erbetene Liebesdienst wirklich geleistet
wurde, obige Fakta aber in zwei aufeinanderfolgen¬
den Kapiteln erzählt werden, während die Gelehrten dar¬
über im Unklaren sind, ob Jethro vor oder nach der Ge- .
setzgebung aus Sinai angekommen sei: so halten wir nnsere !
Ansicht über die Natur dieser Wohlthat für begründet.
Dtöglich auch,, daß unter dem npn sowohl die wohlwollen-
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den Rathschläge des Jethro als die für Israel so erwünschte
Begleitung seines Zuges durch die Wüste von Seiten Cbo- i
bebe verstanden sind, und. so durch obige Warnung Moses
Versprechen P. 32 eingelöst wurde.
Umschau. 1
— Jn's Seminar zu Eßlingen (Würtcmberg) sind dieses!
Jahr n»r 2 isr. Zöglinge', ausgenommen worden. Da nun in
Würlemberg durckfcknittlich 4—i> Sckulstellcn jährlich vacant
werden, aucb zur Zeit viele unbesetzt sink, so läßt sich hieran •
ermessen, daß auck dort dem Lehrermangel noch nickt so bald '
adgel olfen sein wirk. .
— Aus dem f. k. öfterreickiscken Sckulbückcrverlagc sind!
im rerg. Jadre nack den"öfier.tlicken Ausweisen an hebr. Bückern !
4601 verkauf und Armendücker. abgegeben worden. Da in
deutscher Spracke B. 040,414 verkauft, während loo,544
Armcnbücher abgegeben- und in rumänischer Sprache auf 14,l>:>7 ;
verkau-t, sogar 4074 Armenbücher abgegeben wurden, sö würde ^
sich, wenn man hiernach aus-den VerMögensstand unserer Glau¬
bensgenossen sckließen dürite, das Verhältniß sehr günstig stellen. !
Wäbrent in allen anderen Sprackew io» Verhältniß der Armen- !
bücher ;u dem der verkauften zwiscken' : 3 bis höchstens 1 : 10 !
schwankt, ist hier das Verhältniß 1 : 80.
— Die „österreickische constitutionelle Zeitung" enthält ein
äußeni günstiges Gutackten, welches dir Polizeidirrkrion Lem-
berg's zn Gunstew der Juden abgegeben, während im Gegen- !
theil der Gemeinderatb dieser Stadt, in der -die Bevölkerung -
zu i, aus Juden besteht,' sicher ein sehr judenfeindliches Me¬
morandum ausgeiertigt hatte. Die Pollzeidirektion verurtheilt den ^
Ausspruch des Etadtmagistrats als die Ausgeburt' verrotteter I
antici» ilifatorischer Ansichten, welche von spießbürgerlichen Par-
ticularInteressen eingegeben wären, und sagt; daß die Juden in
Allem, was man idncn zum Borwurie machen will, zu entschul¬
digen. daß diese Vorwürfe zumeist auf falsche Auffassung und
lügenh iftcr Darstellung beruhen, und nichts mehr vorliege, was
die Fortdauer einer Ausnahmestellung rechtfertigen könnte.
Hamburg, 10. Mai. In der Bürgersckaft am 18. Mai
genehmigte diese endgültig ohne DiScussion die Senatsmitthei¬
lung wegen Aufhebung d«S mosaischen Gesetzes in Ebe- und Erb-
schaftSsachen unter Bevorwortung eineS Paragraphen desselben
durch Herr» Wolfson
^Gera. Unser Landtag hat seine Sitzungen geschlossen und
sich auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Zulassung und Aus¬
nahme |btr Juden war mit in die Reihe der BcrathungSvorlagen
ausgenommen, wurde aber als nicht dringlicher Natur (!) der
Vertagung mit überwiese«. I (Warum denn nicht? Die Juden
baben-nun 1800 Jabre es machen können, phne in dem europäi¬
schen Großstaate Rcuß j älterer oder jüngerer Linie?> bürgerlicke
Aufnahme gefunden zu haben; es kommt also auf ein paar Jahr¬
hundert mehr oder weniger nicht an. „Wer kann mir lagen,
wo Reuß liegt, soll sein ein wackeres Etäätchen." Red.)
Die Lehrerwaifen. _
(Fortsetzung.)
An einem kalten Februarmorgen, im zweiten Jabre nach
ihrem Ginzuge in die Geburtsstadt ihrer Mutter rollte der
Todenwagen scknell durch die Straßen der Statt; Wenige gaben
ihm das Geleite. Ein blasser Junge, halb Knabe, bald Jüng¬
ling, wandelte unmittelbar hinter dem Leichenwagen, seine Auge,
sein Anpestckt war starr und blutleer. Ans seinem Arme trug
er ein mehrjähriges Kind; ein Mädchen von etwa s.cks Jahren
lies nach und rief: Mutter! Mutter!.... Fenster öffneten und
fct>Ioffenj sich, nachdem sie einen mitleidigen Blick aus den armen
Knaben;unfc das armselige Geleite geworfen ...
Jakob und Gudula waren nun die qinzigcn Versorger ihr.r
Geschwister; sie waren ganz Waisen geworden. —
Worden waren seitdem verflossen. In trüber Eintönigkeit
schlick das Leben der Gelckwister hi». Niemand batte sich um
die Waisen bekümmert. Sie forderten nickks, die Acltcren sorgten
für ihre jüngeren Geschwister; wer sollte also ihnen seine Aul-
merk'mnkeit zuwenden? Nur der früher genannte Fränkcl hatte
sein Auge auf Jakob geworfen. Mit Erstaunen und Bewun¬
derung ab er diesen von so drückendem Eckmerze beimgesuchtcn
Knaben, Pflickten erfüllen, die für einen Mann sckwer und fast
unersüU >ar waren. Es dünkte Fränkel! heilige Pflickt, etwas
für Jacpb zu thun, ihm einen anderen Lebenswege zuzuwcisea,
der ihn in den Stand setzte, seine edle Kraft an Besseres und
Lohnenderes voll zu bewähren. Er wollte noch einige edle
Männer auf denselben aufmerksam machen, und dann, sicher, es
mußte etwas Tüchtiges aus dem Knaben, der unter der Last
des Lebens frühzeitig zum Jünglinge herängereist war, werden.
ES sollte vorerst noch Anderes den Weg des Arme» kreuzen.
Eine» Abends ging Jacob von seiner Landwanderung nach
Hause, einen schweren Pack auf dem Rücken? In trüben Ge¬
danken wandelte er den beschwerlichen Weg; Thränen sckmerz-
voller Erinnerung an seine geliebten Eltern vermischten sich mit
den Schweißtropfen, die von seiner heißeü Stirne rannen. Der
Gedanke an die ihn erwartenden Geschwister beflügelte sei«
Schritte. Sie waren ja jetzt allein noch sein Ein und Alle».
(Fortsetzung folgt.)
Beramwortltcker Redakteur: I. Kling enstein tu Odernhru» in Rdemdeffen; Selbstverlag der Redaktion. Für dm vuckbandel: in
4om«tsfi«n bei 4. L. Fritz sch« in Leipzig — Dampf-Echnellpreffmdrnck von I. Sott«leben in Mainz.