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Heißt eS doch rwiuvu Mi oyj rn non. Darum
ist zu constatiren, daß es dem Lehrer noth thut, sich stets
seines Zieles klar bewußt, mit sich selbst einig, und festen
Fußes zu sein. mt£\s mrro ncoi 2 'v nso* 121 by bwa
(Sprw. t 6, 20.)
Anhang.
Ein methodischer Wink.
Nicht genug zu empfehlen ist für die Erleichterung des
hebräischen Unterrichts das frühe — selbstverständlich nicht
forcirte — Schreiben der Quadratschrist. Es geht dies
ungemein viel leichter, als derjenige, der es noch nicht ge¬
trieben hat, vielleicht glauben möchte, und war mir schon
sehr oft ein äußerst willkommenes Mittel mehr zur freudig
vor sich gehenden Selbstbeschäftigung der Kleinen. Es läßt
sich sogar die Kenntniß der Buchstaben leichter lehren,
respektive befestigen, dadurch, daß man diese von dem dlem
rinala q, dem eigentlichen Quadrate, ableitet, d. i. durch
Weglöschen einzelner Theile und beziehungsweise Wieder-
hinzufügung kleiner Theilchen vor den Augen der Kinder
— am besten durch ihre Thätigkeit selbst — entstehen läßt.
Ich schreibe viele solche c an die Tafel und laste die Kin¬
der Theile des Buchstabens wegwischen. Z. B. Lösche die
wagrcchte Linie unten! (gibt n) jetzt von der senkrechten
Linie links die obere Hälfte (gibt n). Lösche die wagrechte
Linie unten, dann die senkrechte Linie links (gibt 1 ) , jetzt
lösche ich die obere Ecke rechts und forme sie rund (gibt 1 ).
Lösche die senkrechte Linie links, dann die obere und untere
wagrechte Linie beinahe ganz — bis auf einen kleinen Rest
— (gibt ;). Füge ich da unten rechts ein kleines schiefes
Strichlein zu, so gibt's 5. — Lösche die wagrechte Linie
oben! (gibt a). Jetzt schiebe eine senkrechte Linie ein!
(gibt fr oder fr). Lösche die senkrechte Linie links, dann
die wagrechte Linie unten zum Theil; jetzt setze ich oben
links eine Linie zu (gibt b) oder eine Linie unten links
isolirt (gibt p) u. s. w. alle Buchstaben mit Ausnahme von
i :fsy n.
Skecensiou
Unter den .zum Gedächtniß des verstorbenen Wiener
Predigers I. N. Mannheimer gehaltenen Reden erwähnen
wir heute die uns vorliegende, beim Trauergoltesdienste
in der Prager Meiiel - Synagoge vorgetragen:
,Ein Mann und ein Mann, Gedächtnißrede rc. rc. von Dr.
A. Stein, Rabbiner. Prag. S. Freund Wtw. & Comp."
Wenn wir hier wiederholt auf Mannheimer zurück¬
kommen, so liegt die Rechtfertigung dafür wohl darin, daß
selbst der Lehrcrwelt die Bedeutung M.'s vollständig zum
Bewußtsein kommen muß; denn M. hatte diese nicht in
dm fem liegenden Resultaten gelehrten Forschcns, sondern
in den für die Gegenwart wichtigen Erfolgen praktischen
Wirkens. M. ist mit der Schöpfer des modernen. geläuterten
und geordneten Gottesdienstes. Wir verkennen nicht/welche
Bedeutung die Pflege der Wi'ffcnschaft für das Judenthum
hat, aber es will uns bcdünken, daß der Stillstand in der
Verbreitung und Fortentwicklung des modernm Synagogal-
Cultus, ja die Opposition dagegen, theilweise durch eine ge¬
wisse Vernachlässigung der naheliegenden praktischen Auf¬
gaben des Judenthums Seitens mancher Rabbiner verschuldet
wird. Die oorliegmde Rede hebt mit Recht hervor, wie
segmsreich in dieser Beziehung M.'s Wirksamkeit gewesm,
und wie er hierin heute noch Anderen als Muster dienen sollte.
Die Rede basirt auf Psalm 87, 5: „Zion wird verkündet:
Ein Mann und ein Mann wird in ihm geboren rc.," wo¬
nach M. als Mann und als ganzer Mann in seinem
Hause, in seinem Berufe und unter seinen. Mitbürgern
geschildert wird. Wir tadeln diese Deutung der TexteS-
worte nicht. Der Redner verwahrt sich nur gegen die be¬
liebt gewordene gezwungene Deutung der Schriftworte in
dm modernen Predigten. Derartige Anlehnungen (xrocox)
bei agadifchen, ja sogar halachischen Auslegungen der Schrift
sind indeß uralt und schon von vortalmudischen Zeiten her
bekannt. Dem Redner, der, wie auch aus- dieser Predigt
hervorleuchtet, durchaus nur wahr sein will, scheint diese.
Art der Deutung, — vielleicht auch wohl nur, weil hienn
manche Prediger zu extravagiren belieben, zu — widerstreben.
Er spricht hierin vielleicht nicht ohne Nebenbeziehung auf
seine nächste Umgebung und hat in seiner Deutung der
Textesworte auch wohl nur dem in derselben herrschendm
Geschmacks nachgegeben. Denn ohne mit dem Redner das
schwierige Beiständniß der betreffenden Psalmworte zu ver¬
kennen, glauben wir, dieselben wahrer und richtiger zu
deuten, wenn wir den in dem Psalme hervorgehobene»
Gegensatz zwischen Heiden- und Judenthum darin suchen,
daß jmes als particularistisch hingestellt wird, in jeder
Stadt und in jedem Lande nur die bezüglichen Urbewohner
als berechtigt anersennend (dk? id' n;), alle Anderen aber
als barbari ausschließend. Dieser Exklusivität entgegen
wird der Universalismus dcS JudenlhumS gerühmt, worin
Jedermann (»\xv v'x), auch der Ausländer als gleichbe¬
rechtigt gilt, wie wenn er darin geboren wäre (na -b'),
ganz entsprechend dem mosaischen: inx astpci nrw min
mrao ,dW. Wiederum nicht ohne Rebenbezirhung auf
seine nächste Umgebung und eigene Erfahrung schildert der
Redner M.'s manhaftes Benehmen auch seinen College«
gegenüber, von denen er sich nicht in Stolz abschloß, über
die er sich nicht in Anmaßung erhob und welche er nicht
in Selbstsucht von Ort, Person und Amt fern zu halten
bestr.bt war, sondern denen Allen er in freundlichem Ent¬
gegenkommen und in cnllegialer Weise Recht und Würde
zuerkannte, wie sich selbst. Es ist bekannt, wie Kämpf und
selbst Rapoport dem Unibau der Meiseler Synagoge und
der Ausdehnung der angehürigen Gemeinde, der Anstellung
Stein's und zuletzt noch dessen Gleichberechtigung als Rib-
biner aus egoistischen Gründen, wenn auch wirkungslos,
mit allen Kräften entgegengearbeitet haben und bis auf
den heutigen Tag nicht collegialisch mit Stein verkehren.
An diesem G'gensatze unseres Py pnäen Geschlechts tritt die
Riesengröße M 's erst recht hervor. Dies alles macht die
Rede in mehr als Einer Beziehung interessant und lesens«,
werth. 3t.