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für die israelltifchen Gemeinden
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Verlag:
Jfraelitifdie verlagsaastall S. m. b. f/.
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I. Jahrgang
Stuttgart, 15,
Nr. 1
Zum Geleit.
Mit dem 1. April ist das Gesetz „über die
Kirchen vom 3. März 1924" in Württemberg in
Kraft getreten. Mit ihm sind die religiösen Ver¬
bände dH Landes vor die verantwortungsreiche
Aufgabe gestellt, ihre Angelegenheiten selbständig
: zu verwalten. Wertvolle Bindungen sind damit ge-
! löst. Aber zugleich ist der Weg zu einer ungehemm-
. ten Entfaltung allerKrästederReligionsgemeinden
! geöffnet. Sie haben nunmehr den Erweis zu er-
! bringen, daß sie imstande sind, ihre Bekennerschast
i aus eigener Kraft zusammenzuhalten, ihre Auf¬
gaben in Gotteshaus, Schule und Gemeinde auS
eigenem Willen zu erfüllen, ihre Erhaltung und
Fortentwicklung aus eigenem Können zu gestalten.
Gewiß bietet die neue Verfaffung der Israeli¬
tischen Religionsgemeinden des Landes, die an
die Stelle des Gesetzes von 1912.tritt, alle Siche¬
rungen für eine gedeihliche Pflege und Entfaltung
des religiösen Lebens in unserer Bekennerschast.
Während aber alle konftsfionellen Gemeinschaften
. Württembergs eine eigene Preffe haben, fehlt den
Juden des Landes in dieser so eutscheidungSvollen
Stunde §l£ eigene Zeitung. ES fehtt ihnen der
Sprechsaal, in dem die Gemeinden und die Be¬
kenner mit alledem zum Worte kommen, was ihnen
am Herzen liegt. Es fehlt die Stelle, von der
aus Wünsche, Bedürfniffe und Anregungen ge¬
äußert werden können. Es fehlt' das Bindemittel,
das auch äußerlich den Zusammenhang und Zu¬
sammenhalt der LandeSgepleinden kennzeichnet.
Diese Lücke will die „Gemeindezeitung^sür die
israelttischen Gemeinden Württembergs" ausfüllen.
Sie will den fehlenden Sprechsaal schaffen, der
unabhängig von irgend einer neuen Behörde der
freien Meinungsäußerung dient. Sie will sich der
Vertiefung deS religiösen LebenS, der Entfaltung
* aller wertvollen Gedanken und Pläne, der Pflege
des Zusammenhaltes der Juden des Landes
weihen. Sie will nur insoweit „Amtsblatt" sein,
als sie ihren „Amttichen Teil" gern den religi¬
ösen Behörden, Verbänden und Vereinen zur Ver¬
fügung stellt.
WaS sie sonst bieten will?
Außer einem „Amtl. Teil" der alle eingesand-
ten Veröffentlichungen deS Oderrats und der Reli-
gionsgemeinden Württembergs enthalten soll.
Nachrichten auS den Gemeinden des Landes, Berichte
über Versammlungen u. Tagungen jüdischer Ber¬
einigungen,
Gedanken und Anregungen zur Belebung des religi¬
ösen und sozialen LebenS,
Kurze sachliche Notizen z. Abwehr judenfeindl. Angriffe,
Beitrüge zur Geschichte der Juden Württembergs,
BereinSankündigungen,
Zusammenstellungen der jüdischen Famlliennachrichten
des Lande«,
Hinweise auf Neuerscheinungen auf dem Gebiete
des lüdischen Schrifttums.
Die „Gemeindezeitung" stellt aber außerdem
ihren Raum jedem zur Meinungsäußerung zur
Verfügung, der Wertvolles zu Nutz und Frommen
der Gesamtheit zu sagen hat. Es genügt heute
nicht, sein Wahlrecht zu den Körperschaften deS
Gemeindelebens auszuüben. ES gilt vielmehr am
Ausbau der nunmehr unabhängigen religiösen
Gemeinschaft mitzuschaffen. Es müssen sich alle
vorhandenen Kräfte in ihren Dienst stellen, sollen
Gottesdienst, Schule und Haus von echtem jüdi¬
schen Geiste erfüllt sein. Ernste ltrziehungSfragen
harren der Lösung; Wohlfahrtspflege und Für¬
sorge bedürfen der Erweiterung und zum Teil
der Umstellung; das Vereinsleben verlangt neue
Ziele; die Jugend- und Wanderbewegung erfor¬
dern neue Inhalte. Eine Ueberfülle ernster Auf¬
gaben erwartet Entfaltung und Erfüllung.
Da ist die Mitarbeit aller unserer bewußten
und bekenntnistreuen Juden vonnöten. Ihr Organ
will die „Gemeindezeitung" sein. Ein Tummel¬
platz für unfruchtbare politische und religiöse
Streitereien wird sie allerdings in keinem Falle
werden. Die Juden des Landes find auf eine sried-
liche Gemeinsamkeit, auf Eintracht untereinander
und mit ihren christlichen Mitbürgern angewiesen.
DaS Leit- und Losungswort der,Gemeinde-
zeitung' heißt: Treue Arbeit zum Heil der jüdischen
Gesamtheit und damit zum Helle de» Vaterlandes!
Verlag u. Schriftleitung der Gemeinde¬
zeitung f. d. isr. Gemeinden Württembergs
Wir hegen die -»»ersichtliche Ermnrtnng, dnß «Oe
Jodendes L«»des die Gemeind ezeitoog beziehe« »erde«,
nn» ersuche» zor Bestell»«, der Zeit»», den »eilirgen-
de» Postscheck,» »ermenden. Es emtzsirhlt sich, die Ginget-
»»mmern zn snmmel». Jeder Jnhrgn«, wird eine Chroik
der »strtt. Gemeinden dilden. Mit der letzte» Jnhres-
»nmmer erscheint ein Jnhnltsde^eichnis.