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I. Jahrgang
Stuttgart, 15. Oktober 1-L4
Tlr. ?
Oberkirchenrat Dr. Theodor Kroner
s.».
Zu« ersten Jahrzeittag, den 25 . Oktober (27. Tischri).
„Erst wenn ein Mensch stirbt, weiß man, ob
man ihn liebte." So lange ein Mensch lebt,
nehmen wir seine Liebe, seine Treue, seine Weis¬
heit wie etwas Selbstverständliches hin. Erst
wenn sich die Sonne eines Daseins gesenkt hat,
spüren wir in fröstelnder Seele, wie schön, wie
reich ein Leben gewesen ist.
Wir liebten, wir verehrten Theodor Kroner,
ohne uns Rechenschaft abzulegen, warum er uns
so teuer, so lieb war. Als sich aber am 7. Ok¬
tober des vorigen Jahres die Trauerkunde mit
Windeseile verbreitete: „Theodor Kroner ist in
der Nacht vom Samstag zum Sonntag plötzlich
verstorben", ward es dem einzelnen erst bewußt,
war er ihm und der jüdischen Gemeinschaft
Stuttgarts und des Landes gewesen war. Die
Einen trauerten um den geistvollen Redner,
deffen klaren, feinsinnigen Gedankengängen sie
so oft in frommer Ergriffenheit andachtsvoll
gelauscht. Die Anderen klagten um den geliebten
Lehrer, der ihre geistige Entwicklung und sitt¬
liche Entfaltung tief beeinflußt. Die Dritten
gedachten wehmutsvoll des ernsten Gelehrten,
deffen Forschungseifer weite Gebiete der Erkennt¬
nis meisterhaft beleuchtet. Die Vierten weinten
um den Menschenfreund, deffen Nächstenliebe
unerschöpflich, deffen HerzenSaüte sprichwörtlich
gewesen. Vor ihnen allen aber stand die ehr¬
würdige weißhaarige Patriarchengestalt mit den
strahlenden graublauen Augen, mit dem feinen
sonnigen Lächeln auf den klugen Lippen, mit
dem stetsbereiten, treffsicheren, sprühende» Witz¬
wort, das seine geistige Ueberlegenheit ebenso
wie seine innere Weisheit und Herzensgröße
offenbarte.
Noch am Versöhmmgstage hatte er zu seiner
tiefsten inneren Freude väterlich gütige Worte
an seine Gemeinde gerichtet, noch am Szimchas-
Thorafeste hatte er als Chasan Thora (Bräuti-
gam des Gotteswortes) die letzten Worte der
Thora feierlich im Gotteshause vorgelesen. Es
war die letzte Handlung seines langen Gott und
dem Göttlichen geheiligten Lebens. Sie wirkte
geradezu symbolisch für sein der Thora, vem
Gottesdienst und der Nächstenliebe geweihtes
Dasein.
An seiner Bahre ist die klagende Frage ge¬
stellt worden, was seine Gemeinde mit seinem
Tode verloren hat, und mit den Worten der
Klagelieder (5') beantwortet worden: „Wir find
verwaist — unser Vater ist von uns gegangen".
Heute beherrscht uns die Frage, was von ihm
geblieben, was er uns ist und immer bleiben
wird. Die Antwort kann nur lauten: Der vor¬
bildliche Lehrer unserer Gemeinschaft, der ernste
Mahner zu echtem Judentum und edler Mensch¬
lichkeit, der ideale Priester, der nach dem Pro¬
phetenwort des Maleachi (2') „ein Sendbote
der Gottheit auf Erden" sein soll.
An seinem Sterbetage schart sich seine Ge»
meinde in alter unverminderter Treue um den
geliebten und verehrten Führer, deffen Lebens«
werk ihr Erbgut bleibt. Theodor Kroner ist
ihr kein Toter. „Die Frommen werden noch
im Tode Lebende genannt!" Sie leben in ihren
Werken fort.
Aus dem Schriftsatz der Süden.
Ei« Psalmlied zum Hütteufeft (Psalm 67).
Gnade schenke uns und Segen,
Laffe uns Dein Antlitz leuchten.
Damit alle Menschenkinder
Deines Heiles Weg erkennen!
Alle Erdenvölftr rühmen
Dich als ihren großen Meister,
Jubelnd preisen sie den Herren
Als der Welt gerechten Richter.
Wieder hat die Erde uns
Reichlichen Ertrag gespendet.
Wieder hat der Herrgott uns >
Ueberreich im Herbst gesegnet.
Herr, erhöre unser Beten:
„Segne unser Land auch fürder.
Segne uns! Nur Dir gehorchen
Der Natur geheimel Kräfte!"