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Haasenstein & Vogler A ui Iranksurl a. M. und derer» Filialen.
Diese Nummer ist 16 Letten stark.
Fiat Jnstita, pereat —
',«Mche Uolk$$(bule!
?einer kurzen, in unserem Blatte s. Zt. ver
öffeni'.icdten Eingabe hat der rührige ״Berbans der
deutschen Juden" jetzt eine umfangreiche Denkschrift
über d»n Boltsschulgesetzentwurs folgen lasten, die
er den jüdischen Gemeinden mit der Aufforderung
übersendet firfi den nnm s JI 1 >rfmnh 1 > rtpft״rf+״rt *)IntrXrrn
anzuschließen.
Was den Leser jener ersten Eingabe nur als
dunkle Ahnung überkam — mit erschreckender Deut
lichkeit klingt es aus jeder Zeile der Denkschrift
heraus: Hier wird die jüdische Volks-
schule das Palladium jüdischer
Jugenderziehung, im Prtnzipr
preisgegeben, preisgegeben von denen, die sie
retten wollen, und um das Linsengericht einer
formalen Gleichberechtigung das Erstgeburtsrecht der
Len ganzen Menschen ergreifenden Vollschule in den
Wind geschlagen!
Dieser Tatsache gegenüber muß jede Rücksicht
schweigen, die auch wir sonst dem guten W'sten der
Verbandslciter gegenüber in einem Augenblicke
Interessen zu Hilfe kommen — möchten.
Der dcm preußischen Abgeordnetenhause vor-
liegende Schulgesetzentwurf enthält die Bestimmung:
״Den Schulverbänden ist überlassen, die vor-
handenrn öffentlichen jüdischen Volksschulen zu er-
halten, oder bei der Schulaufsichtsbehörde ihre Ans-
lösung zu beantragen." ״Dun sie letzteres." wird in
der Begründung hierzu vriurrli, ״so müssen die
Schulen als öffentliche eingeben." Schulder-
bände sind im allgemeinen die Kommunen. Es ist
also nach dem Entwurf in das Belieben der Kom-
raunen gestellt, ob die bestel-rnven jüdischen Volks-
schulen erhalten bleiben oder nicht. Da nun aber die
Kommunen in ihrer großen Mehrzahl mit Freude
die Gelegenheit ergreifen werden, sich der ihnen durch
die jüdische Volksschule erwachsenden Lasten zu ent-
ledigen, so wäre mit der Annahme erwähnter Be-
stimmung durch den Landtag der Untergang der
meisten jüdischen Volksschulen Preußens entgültig
besiegelt.
Wie stellt sich der Verband zu diese: für uns
wichtigsten Bestimmung des Gesetzentwurfs? Er
stellt den Antrag, das Abgeordnetenhaus möge die-
selbe zusammen mit einer anderen Bestimmung des
Entwtirfs:
״Die Aufhebung öffentlicher Volksschulen br-
darf der Genehmigung des Unterrichtsministeriums
oder erfolgt auf seine Anordnung."
du.ch folgende Vorschrift ersetzen:
״Die Auflösung vorhandener Volksschulen
erfolgt ans Antrag des Schulverbandes durch den
Unterrichtsminister. Die Auflösung einer VcllS
s»ht!le, an welcher Lehrkräfte eines einzelnen Glau
bensverbandes anzustellen waren, ist, falls im
legten Kalenderjabr mindestens zwölf Schulkinder
demselben Glonbensverbandes mit Einschluß der
Gastichulkii'der die Schule besucht haben, nur zu
lästig wenn gleichzeitig der Schnlverband für den
Religionsunterricht der Schulkinder dieses Glau-
bensverbandes an einer öffentlichen Volksschule
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bensverbandes sorgt."
In der Begründung zu diesem Antrag wird
immer nur auf die U n t e r s ch i e d e hingewiesen,
die der Reaiernngsentwurs zwischen den jüdischen
und den anderskonfessionellen Schulen macht. M i t
keinem Worte aber ist davon die
Rede, daß die jüdische Volksschule
als etwas für das Judentum Wert
volles, ja Unersetzliches zu betrach
t e n sei.
Ueberhaupt wird an keiner einzigen Stelle der
Denkschrift ausdrücklich die Erkaltung der
jüdischen Volksschule verlangt. Die For
dcrungen, die der Verband gegenüber den der-
schiedenen. die jüdische Volksschule anders als die
chnftuchen i-c>/ 1 irivti 1 u׳»i 1 -^icütn oev »iniwurifi flui*
stellt, sind lediglich dem vom Verband überall nach-
drücklichst oerkretenen Prinzip der Gleichberechtigung
der Konfessionen entsprungen. In genau entsprechen-
der Weise wie die christlichen Konfessionen, so sollen
auch die Juden behandelt werden, das ist das Ver-
langen des Verbandes. Eine sehr beachtenswerte und
auch berechtigte Forderung, die aber für uns mie
überhaupt für den gesctzcstrcucn Juden erst in zweiter
Linie in Betracht kommt, als eines der verschiedenen
Momente, durch die unser Streben nach einer unbe
hinderten Erfüllung der von der Dhora ׳.!ns gesetzten
Pflichten gefördert wird. Ungleich wichtiger jedoch
als die vollkommene Gleichstellung mit den anderen
Bekenntnissen ist uns im Gegensatz zum Verbände di׳
Erhaltung unserer jüdischen Volksschule als eines
hauptsächlichen Faktors in der Erziehung der jll-
bischen Jugend, zu einem dem göttlich«» Gesetze ge-
mäßen Leben.
Ter Verband hat den Antrag zweier ׳hm nahe
stehender gesetzestreuer Rabbinern, er möge für diese
dringende Forderung seine Stimme erheben, mit der
Begründung abgelehnt, eine Bemühung zur Er-
Haltung der jüdischen Volksschulen sei aussichtslos!
Aussichtslos — in einem Augenblicke, da die
Regierung ihr prinzipielles Verständnis für
die Segnungen der konfessionellen Schule unzirei-
heutig on den Tag legt, aussichtslos in einen,
Augenblicke, da die führenden Parteien de« Adge»
ordnetenhauses in der konfessionellen Sckvle allein
alles Heit für die Entwicklung de« Potrsiedens er
blicken! Das verstehe wer kann!
Wenn man freilich die Denkschrift des Per
Lande- zur Hand nimmt, so gelangt man zu
Euer ganz anderen Ansicht von den Motiven
dieses ablehnenden Verhaltens. Es wird darin
für eine Bestimmung eingetreten, wonach Eltern
berechtigt sein sollen, ihre Kinder auch, wenn
om Cite eine jüdische Schule bestellt, in eine
andere Schule zu schicken. Es wird ausoesührt. daß
von 24,022 jüdischen Volksschultindern 1 s
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als christlich konfessionelle behandelt werden. Tann
heißt es weiter: ״ Durch Herausdrängung dieser
Z1,92!s jüd. Kinder oder eines erbeblicken Teiles der-
seiden aus den Schulen, in oenen sie jetzt unterrichte!
nxrden, würde die Gemeinsamkeit des
II n t e r r i ch t s auch an einem Punkte,
ivo sie bereits jetzt vorhanden ist-
zerstört werden. ... In nicht wenigen Fällen
würden dann die Eltern ... die Kinder — statt, wie
bisher, der Volksschule — höheren Schulen zuführen,
bei denen die Scheidung nach Glaubeneoerbänden
nicht ihren Kindern den Eintritt verwehrt."
Wir fragen hiernach jeden, der lesen kann: Daß
der Verband sich nicht um die Erhaltung der jüdischen
Volksschulen bemüht, hat das seinen Grund darin,
daß er dieses Z ׳ el für unerreichbar dält, oder ist nicht
vielmehr diese merkwürdige Reserve daraus zurückzu-
führen, daß er im Innern seines Herzens gar nichts
von der jüdischen Volksschule wissen will? Sein
Ideal ist die Ge m e i n s a m k e i t des Unterrichts
für vje verschiedenen Konfessionen, wie n an dieser
Stelle verraten hat. die S i m u l t a n s ch u l e ist
für ihn die beste Schulform.
So wenig diese Stellungnahme den einzelne ״
Urhebern der Dentschnft als Ausdruck ihrer poli-
tischen Gesinnung verübelt werden kann, so verhäng-
nisvoll wäre es doch, die Denkschrift als eine Kund-
gebung etwa der Gesamtjudenheit passieren zu lassen.
Wohlweislich hat der Verband diese seine Vor-
liebe für die Simnltanschnse nicht als Grund fiir sein
ablehnendes Verhalten gegenüber den Anträgen der
beiden Rabbiner angegeben. Er ist ssch bewußt, daß
er damit bei feinen gesetzestreuen Mitgliedern
nicht auf Zustimmung zu hoffen hätte.
Darum sagt er: Di« Erhaltung der jüdi ׳
schen Volksschulen ist je doch nicht durch-
zusetzen: wir stehen deshalb von einem darauf
gericdleten Verlangen ab. Man vergleiche nur mit
dieser sonderbaren Ausrede eine ganze Anzahl von
Anträgen d«s Verbandes an das Abgeordnetenhaus,
worin derselbe — allerdings mit Beziehung auch auf
christliche Volksschulen — Forderungen aufstellt, die
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