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(1 Der Israeli?
Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum
Begründet non Dr. Lehmann in fflninz
47. Jahrgang.
D r n n lr tu r t a. M., den
2Z. Mai wov.
s. Silvan
.»:• 41 .
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ver tnärtvrer Htigedenken.
( 5 s blüht und duftet! Ueberall keimt es und
sproßt es. Bon Busch und Strauch winkt neue»
Leben, frisches Grün in sfeld und Wals grüßt den
frohen Wanderer, goldner Sonnenschein lacht auf uns
herab; der Drang nach Licht und Luft treibt uns
hinaus, hinaus inS Ireic, wo Jausende von Bög-
lein ihr Lied dem Herrn des Alls zwitschern, wo der
Schmetterling sich wiegt auf blumiger Au. wo un-
zählige Insekten sich tummeln im warmen Sonnen
strahl, hinaus in den großen Gottestemvel, den wir
Natur nennen! Wir f e i e r n j a auch ein
Naturfest, das ~ ״ דרךצ des heiligen Erblandes,
das Erntefest Palästinas. Zwar reift uns dort nicht
mehr Getreide und Del, nicht hört man da das siobe
Jauchzen ganzer.Karawanen, welche unter klingendem
Spiel zierliche Körbchen der edelsten Irückle trugen
nach der Goltesstadt. Es ist still und stumm ge
worden auf den Wegen Zions! Doch die (5 r
i n n e r u n g bleibt: sie wird jährlich neu und
schmerzlich belebt, wenn der Monat Siwan uns den
2^221 2 ״ bringt, wenn draußen alles prangt,
knospet und duftet. Unwillkürlich schloeift unser
(ckist durch Jahrtausende zurück. Sie sind dahin,
und mit ihnen so «Großes und Herrliches unserer
Bergangenbeit.
Ganz dahin, ohne jegliches '!l n
gebinde ? O. gewiß nicht! Das Schönste ist uns
geblieben in unverwelklicker syrische, Israels ewiger,
unveräußerlicher Nationalschatz ward gerettet, ward
gehütet als höchstes Kleinod die Jahrtausende bin
durch. Und wiederum schicken wir uns an, das
Wiegenfest unserer Thora zu feiern, der 2—221 2 ״
von einstmals ist heute noch für uns h-2 2-,.
•:r ׳־ n" rer Dag unserer Gesetzgebung'
Dem durch 2- יציאת םצ begründeten Bolks körper
ward ain flammenden Sinai die Bolks s ee le ein
gehaucht, irrst so wurde Israel lebensfähig und
lebens berechtigt. Iiir alle Zeiten und Verhält-
niste ward uns damit die einzige, schwere, doch auch
hchre Ausgabe, diese Lebens s ä h i g k e i t und
Lebens b e r e ch t i g u n q zu erweisen. ״ Dem Kauf.-
mann ebne Ware gleicht Israel obn; Dbora." “־ל
בלי 2 - בי, יד.— בר• זד־ד. . Unter allen heiligen
Iesien gleicht ivvbl leine» der r ־ r2r Ieier an ur! ׳ >
versaler Bedeutung. Ewige Jugend, ewige Kraft
und ewiger Frühling erblühet aus der göttlichen
Dhora ihren Trägern. Drum sind Lenzeslust
und Dhorasreude so eng verwandte Ge-
fühle, daß üe sich zur reinen Harmonik ver-
schmelzen in unserer Brust: des Irühlings Gaben
und Genüsse scheinen uns doppelt wert, doppelt schön,
wenn der Leitgedanke des r*r2r üe verklärt, und die
erhabene Idee des Wochensestes findet äunerlich eine
sinnige Uuirahmung in den farbenprächtigen Ge
bilden einer !nächtig schaffenden Irühlingskraft.
Millen aus diesem Gefühl kommendec festes
freude verseht uns ein altiüdischcr Brauch in die
Sphäre wehmütiger Erinnern n g e n.
Am Sabbat vor .-22 ״׳ • pflegen wir der frommen
Märtvrer zu gedenken. 22 — rr~p 2 ער trc: -222• die
freudig ihr Leben in die Schanze schlugen zur öffnet
liehen Ehrung Gottes. ( 5 s wird ״ gemcmort". Ach,
wie viele Dausende zählt die Schar der «Glauben-.-
Helden in Israel! Düstere Bilder ziehen an innerem
Geistesauge vorüber, so wir ihr (Gedächtnis auf u»
scre Livven nehmen. Seien eS die zehn ״ Königs-
Märtyrer" zur Zeit der Römerherrschafi im Väter
lande, ׳ 'eien es die Irauen und Kinder, die unter
den Streichen fanatisiertcr Kreuzfahrer starben, oder
mögen üe im Mittelalter finsterem Aberglauben und
wahnwitzigen Beschuldigungen zum Opfer gefallen
sein: ob sie in den schönen Gauen des Nheins
schlummern oder unter Spaniens südlichem Himn ׳ el.
in den Landen bcißblütigcr Muselmänner oder auf
kalten nordischen Stevpcn: sie sind nicht ver
g e s s e n , sie alle sind uns nahe, wenn
wir u n s e r 2 2 ז ע ז - I e st recht zu w ii r
d i g e n verstehen. Was wäre längst aus un
lerer lviligen Dbora geworden, hätte sie nicht solche
Kämpfer und Helden gesehen.’ (54 ist darum ein
sinnvoller Brauch, daß wir am Sabbat vor dem
Ossenbarungsfestk die sogenannten ״ Memorbiicher"
ausschlagen, die von Dränen, Blut und Leiden aller
Art berichten. Wie eine Mutter ihr Blind umso mehr
liebt, je größer der Schmerz war. den sw seinetbalbeu
eiduldet, wie ein ‘Mut uns umso teurer ivird, je mehr
wir uw denen Best!: und Iortbestand gekämpft und
aerunaen haben, so erstrahlt die Dbora umso Heller,
wenn wir sie aus dem düsteren Hintergründe der Ber
gangenbeit betrachten. Der unsterbliche Nubm der
Märtnrer ist zugleich de: Glorienschein des Gottes
gesetzeS.
In vielen Gemeinden Israels erntirrt kein
Memorouch. in drin historische Auszeichnungen er
lebter Leiden zu finden sind. Wo solche (Mebentbüdjer
aber vorhanden sind, da läßt der Indifferent'smus
in religiösen Dingen vielfach nicht die rechte gemüt
volle Anteilnahme auskommen. Wäre es so leicht,
durch geschichtliche Darbietungen Begeisterung
ZN werten - und das ist doch der .Haubtzwect - so
müßte unsere Zeit mit den ״ Bereinen für jüdische Gr
schichte und Literatur" hierin weit voranstehen. Das
ist tatsächlich n i ch t der Iall! Man pflegt Geschichte
ohne Literatur, mit anderen Worten ohne יד־ ת~ד ,
und so fehlt denn die eigentliche Irucht der Liebes-
müh', die religiöse Wärme und Begeisterung, die
Vorbedingung für die rechte Art des ״ Memorns".
Man erblickt darin eine kurze bistorisehe Rückschau,
ohne innerlich eine Ideenverwandtschast mit den
Dahingrgangenen zu versvure». Den in der Irei
keitslust westen! ״ Pinscher Kultur auszewachscinn
Inden läßt das ״ Memorn" oft fall. Die leicgc
wohnten Brüder und Schwestern im Osten dagegen
vergießen lzeitze Dränen, wenn man 2 ׳:״ :• 22 -.״ ii! "
Die Billernnse des eignen Lebensweges 'ebnen die
Schicksale derjenigen würdigen. die gleichfalls litui ׳
und dnlderen bis in den Dod. ״ Wenn ihr's nicht
suhlt, ihr werdet s nicht erjagen," ist hier so reck!
ein wahres Wort.
llnscre Aiworcern ivaien im ganzen :eckt zu
rucihaltend mir der Auszeichnung binori'cher Ge
schehnisie. Wie tu.z ist im Dalmud (Sabl-at. rot. 2 ■'.)
die Eha! ׳ u!kagesch!ck!c erz-äbli! Bkir sechs Zeil-n
ist's geschehen. ״ Megilla» Daanis" ist so aut wie ver-
lorcn gegangen. Memorbücher legten nur sehr wenige
(Gemeinden an. Die größten Männer, führende
Geister standen geschichtlichen llnternehmunaen
fern. D r o tzd e m wußten üe bei den Zeitgenossen
Begeisterung iür unsere heilige . ־ ™s und deren grobe
Bergangenbeir za wecten. Sie griffen in ihren ׳
Wirken für ד *-- —r das Hebet an de ׳ Wurzel
an. Bo: lauter ״ Literatur" kamen sie nicht zur ״ Cie
schichte". Sieker ist das Nasch! und Nainbamjubi
läum in denjenigen Ländern am meisten geleiert
worden, wo man die Werke dieser Großen am
wenigsten lernt. Dagegen dürsl-e es so manchen ״ 2 י 2 ל
Bochur geben, der einen ..Karben" 222 ־ ' beweinen
und die I:age nach Geburtsort und Lebenszeit de.
Maimonidcs zu beantworten schuldia bleibt. Wie
sagt dock Lesüng^ ״ Wer wird nickt einen Klopsto:-'
loben! Dock wird ihn jeder feien ׳־ Nein! Wir
wollen weniaer gepriesen und »msomebr gelesen sein."
Es ist üiEcre Ausgabe, den B c 7 b i n d !: n g » w e g
zu finden zwilchen der '!'?artbrerfeier und dem Olten
barungssest. Das muß von der. Schule aiisgrlten
und bi- in die reifere Jugendzeit fortgesetzt werden.
Jünglings ve,eine. Dalmud Dbora Ber
eine tun dringend not, um den Bad» ״ n ! ׳ •reiten,
wir ibn die Einiührer ver Märtnrerieier sich gedacht.
Es is! undentbar. diejensaen mit warmem Hrrzen
zu ehren, denen unser Iiihlen und unsere C^e
danlenweE so fern steht. Wollt ihr den Manen der
2—r צ־־קיב ־ 2 — 2 ־ gereckt werden, so beherzigt den
Gedanken, daß unsere heilige Lehre Kämpfer und
Opfer erfordert zu jeder Zeit! Bor wenigen Monaten
erst wurde unser Martyrium aui's neue in grauen
basier Art um viele Beweist bereichert. G e n e n t e,
jener Opfer und sprechet nickt all
, u l e i ch t und allzuviel von euren
״ Opfern". die ihr dem Bät. ergla u b e n
bringet. Wie klein, wie winzig klein diinr-
man.ches da erscheinen, dem man den Namen Opr'e:
gibt. Israel braucht Männer und
? ׳ rauen voll Dattrakt. 2-r;2 ׳־י״
die Adlern gleich die Schwingen regen, die der