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56 _ LITE RATURBLATT
nach innen zurücktraten. Die Israeliten haben ihre Steinblöcke viereckig
behauen, aber bl^ss an den Rändern, nicht dagegen, wenigstens nicht nach
aussen hin, in der Mitte. Die seit der Zeit des Herodes sich findenden
römischen Nachahmungen dieser Bauart sind von den altisraelitischen
Bauten leicht zu unterscheiden. Auch die kanaanitischen und israelitischen
Scherben sind nach Material, Form und Schmuck stark verschieden. Die
Krüge der Kanaaniter verlaufen nach unten in eine Spitze, so dass sie
nicht ohne weiteres auf den Boden gestellt werden konnten, wie Aehn-
Jiches in derselben Gegend noch heute bisweilen vorkommt. Hinsichtlich
der geschichtlichen Ergebnisse haben sich nun die anfänglichen grossen
Erwartungen nicht erfüllt. Inschriften Davids oder Salomos sind nicht ge-
funden worden. Aber man muss berücksichtigen, dass ausser der be-
rühmten Inschrift des Königs Mesa von Moab und ausser der 1880 von
Baurat Schick im Siloahkanal gefundenen Inschrift bis vor kurzem kein
Denkmal in althebräischen Lettern vorhanden war. Aber die Deutschen
fanden 1904 in Megiddo ein kleines Jaspis-Siegel, das über einem babylo-
mischen Löwen die althebräische Inschrift trägt: ״Gehörig Schima, dem
Diener Jerobeams”. Es kann sich wohl bloss um einen Beamten des
israelitischen Königs Jerobeam II. handeln, der von 785 bis 742 v. Chr.
regiert hat. Sellin war es beschieden, aus den Trümmern von Taanach
12 mit Keilinschriften bedeckte Tontafeln, darunter 6 oder 7 wohlerhaltene
herauszuholen. Es sind A^erzeichnisse wahrscheinlich militärischen Inhalts
und in babylonischer Sprache abgefasste Briefe an den kanaanitischen
Priesterfürsten von Taanach, darunter eine von religionsgeschichtlicher Be-
deutung, der seinem Wortlaute nach im Alten Testament stehen könnte.
Eine Opferstätte in Taanach zeigt eine zu einer Höhle verlaufende Rinne,
von der Sellin annimmt, dass sie den in der Höhle vermuteten Göttern das
Blut der Opfertiere habe zufiihren sollen. In grosser Zahl sind bei allen
Ausgrabungen Amulette, Ringe und heilige Steine gefunden worden, wie
das Alte Testament sie erwähnt. Zahlreich sind auch nicht bloss aus
vorisraelitischer, sondern auch aus späterer Zeit die babylonischen, ägyp-
tischen und kanaanitischen Götterbilder, unter denen die unbekleidete
Astarte überwiegt, während von einem auf einem Fabeltier reitenden
männlichen Figur bloss gemutmasst werden kann, dass sie Baal vorstellen
■soll. Religionsgeschichtlich am wichtigsten ist ein von Sellin aus vielen
Bruchstücken zusammengesetzter israelitischer Räucheraltar, dessen Skulp-
turen, darunter die Cherubim mit Menschenköpfen und Löwenleibern,
manche biblische Ausdrücke veranschaulichen. Die Deutschen haben aus
kanaanitischer und die Engländer auch in selteneren Fällen aus israeliti-
scher Zeit viele Anzeichen von Kinderopfern und von den in der Bibel
erwähnten Bauopfern vorgefunden. Um einen Altar herum fand Sellin die
Reste von etwa 40 Kindern, die anscheinend in Tonkrüge gesteckt und
durch aufgeschüttete Erde erstickt worden sind. Die Art, wie mensch-
liehe Körper unter den Toren oder Ecksteinen neuer Bauten eingemauert
worden sind, lässt kaum daran zweifeln, dass es sich hier nicht um Be-
erdigungen, sondern um Opfer handelt. Merkwürdig ist bei den Inschriften
die Wiederkehr aus der Bibel bekannter Namen. Der Engländer Macalister
entdeckte auf zahlreichen Krughenkeln viel als Stempel dienende Namen,
die aus den Geschlechtsregistern in den Büchern der Chronika bekannt
sind. In Gezer fand man zwei aus dem siebenten Jahrhundert stammende ^
Tontafeln, die in babylonischer Keilschrift echt jüdische Namen, wie Nathan
nennen. In kultureller Hinsicht scheinen von alters her nicht bloss ägyp-
tische und babylonische, sondern auch mykenische Einflüsse wirksam
gewesen zu sein. Erinnert doch manches Kleingerät aus Gezer, Taanach,
Megiddo ganz und gar an die in Troja, Mykenae, Tiryns gemachten Funde.