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LITERATURBLATT
arabischen Ortsnamen. Doch darin ist sie noch ein Muster Regen andere,
besonders gegen ALTNEULAND, das sich jetzt schämig PALÄSTINA
nennt. Auch manchen hebräischen Namen ergeht es nicht besser. Eine
merkwürdige Ortsbestimmung ist S'. 76,•dass Rosch-Pinnah am Wege nach
Damaskus liegt. Der Autor vergass den terminus a quo. Wenn vom hebrä-
ischen Gymnasium in Jaffa gesagt wird!, dass noch nicht alle Klassen in
Gang sind, so ist das für die Schule, von der jetzt die dritte Klasse ein-
gerichtet werden soll, etwas zu viel gesagt. Dass Pool die Bibliothek, die
Dr. Chazanowicz gegründet hat, eine Nationalbibliothek nennt, ist grund-
falsch. So weit man überhaunt von einer Bibliothek reden kann, ist es im
Gegenteil eine Privatbibliothek, zwar nicht des hochverdienten Dr. Joseph
Chazanowicz, sondern der Herren um die Lämelschule. Deshalb
dürfen wir sogar annehmen, dass sie niemals in den Besitz des Jüdischen
Volkes übergehen wird. Diese Herren halten fest was sie an ״Einfluss“
besitzen und! die Bibliothek ist ihnen — Herr Pines wird’s bezeugen •
nichts weiter als ״ein Stück Einfluss“. Was Pool auf Seite 29 von den
blauen Augen und blonden Haaren der in abgelegenen Bergstrecken von
Palästina .wohnenden Juden fabelt, hätte besser fortbleiben sollen.
Dschebel-et-Tor ist der Tabor, nicht der Garizim. Der ״Sirokko“ von
Seite 11 wäre besser ״Chamsin“ genannt. ״Er weht besonders in den 50
(arab.: chamsin) Tagen von Pessach bis Schabuöth. Die Datteln, die r\ach
Pool (Seite 18) Palästina exportiert, werden in Palästina ausser dem Ghor,
wo es freilich nur sehr wenige Dattelpalmen gibt nicht reif. Der Mineral-
reichtum Palästinas scheint sehr gross zu sein Immerhin hätte über ihn
weniger Bestimmtes gesagt werden können als das mit den vier Zeilen
auf Seite 20 geschieht.
Um, unser Urteil zusammenzufassen, so wünsche wir, dass recht
bald eine' Revision vorgenommen und dann eine deutsche Bearbeitung in
Druck gelegt wird. Herrn Pool schuldet die zionistische Organisation für
die vortreffliche Arbeeit grossen Dank. H. L.
Meyers Grosses Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des
allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte
Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten
Text mit mehr als 11 000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf
über 1400 Illunstrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und
300 selbstständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. ,20 Bände in
Halbleder gebunden zu je 10 Mark oder in Prachtband zu je 12 Mark. (Ver-
lag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.)
Der neueste, im! März erschienene 16. Band׳, den ebenfalls die Vor-
züge seiner Vorgänger auszeichnen, bringt erfreuliche Beweise, wie die
Redaktion nicht nur aufmerksam, sondern auch erstaunlich schnell den
Zeitereignissen Rechnung zu tragen versteht. Das zeigt uns z. B. die״viel-
farbige Karte der erst im Februar beendeten Reichstagswahlen
mit genauer Liste der Abgeordneten und der Wahlkreise. Nicht minder
bewundernswert erscheint das grosse Geschick, nach dem Druck eines
Bogens eingetretene Veränderungen zu registrieren und so auch mit der
geschichtlichen Entwickelung stetig Schritt zu halten. Ist z. B. im Artikel
über den preussischen Minister Podbielski dieser noch als im Amte tätig
aufgeüfhrt. so finden wir diese inzwischen veraltete Angabe, bereits in dem
wenige Bogen später beginnenden Artikel ״Preussen“ durch die Er-
wähnung von Arnim-Krievens als seines Nachfolgers berichtigt. Der ge-
nannte Artikel ״Preussen“. wohl der umfangreichste in dem vorliegenden
Bande, darf überhaupt in erster Linie Anspruch erheben, genannt zu
werden. Bildet er doch mit 79 Spalten. 2 guten Kartenbeigaben, einer
Wappentafel der preussischen Provinzen und einer Preussens Wachstum
übersichtlich erläuternden Textbeilage eine ansehnliche Monographie, die