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auszustellen". Da auf die eingehend begründete Petition
am 6. Juli seitens des Herrn Kultusministers eine ab,
schlägige Antwort erfolgte, richtete der Verbands-Vorstand
am 11. Sepiember eine weitere Petition an den Herrn
Reichskanzler; leider erfolgte auch auf diese Bittschrift am
6. Dezember ein ablehnender Bescheid. Der Vorstand ist
entschlossen, kein gesetzliches Mittel unversucht zu lassen,
den jüdischen Lehrern zu ihrem Rechte zu verhelfen; über
die Mittel und Wege, die nunmehr zu beschreiten sind,
wird der Verbands-Vorstand in seiner diesjährigen Sitzung
in Berathung treten.
Eine besondere Aufmerksamkeit wandte der Vorstand
der Entwickelung der Pensions-, Wittwen- und Waisenkasse
des Verbandes zu. Die Satzungen derselben haben am
7. März die Genehmigung der Herren Minister des Innern
und der geistlichen Angelegenheiten erhalten; am 9. Oktober
erfolgte die landesherrliche Erlaubniß zur Annahme der
uns gewordenen Zuwendungen. Inzwischen hat sich das
Kuratorium der Kasse konsiituirt und in mehreren Sitzungen
über die von vielen Seiten gewünschte Herabsetzung der
Mitglieder-Beiträge berathen. Nach eingehender Vorprüfung
durch eine Kommission (Dr. Adler, Hanfs und
Steinhardt) wurde in der Sitzung des Kuratoriums
am 24. v. M. beschlossen, an der prozentualen Besteuerung
der Mitglieder festzuhalten, die in § 7 der Satzungen fest-
gesetzten Beträge jedoch auf die Hälfte herabznsetzen. Ferner
wurde ein Antrag des Lehrervereins״Mendelssohn-Hamburg"
zu Z 2 der Satzungen, nach welchem fortan alle Mitglieder
der dem Verbände angehörenden Einzelvereine der Kasse
beizutreten berechtigt sind, angenommen; das Kuratorium
erklärte sich aber nicht für kompetent, noch weitergehende
Anträge des Kollegen P e r i tz - Königsberg, deren Durch-
führung eine gänzliche Umgestaltung der Ziele der Kasse
zur Folge haben würde, in Berathung zu ziehen, und über-
wies diese Anträge dem Berbandsvorstande mit der Maß-
gäbe, zunächst sie den.Einzelvereinen zur Berathung zu
übergeben. Die Eröffnung der Kasse soll erfolgen, sobald
die erwähnten Aenderungen der Satzungen die Genehmi-
gung der staatlichen Aufsichtsbehörde erhalten haben werden.
In vollster Harmonie hat der Vorstand auch im ver-
stoffenen Jahre Hand in Hand mit der Leitung des Deutsch-
Israelitischen Gemeindebundes die gemeinsamen Aufgaben
erledigt; mit herzlichem Danke erkennt der Vorstand an
dieser Stelle an, daß der Ausschuß des D. I G. B.
unseren berechtigten Wünschen und Bestrebungen jederzeit
gern entgegengekommen ist und auch in materieller Be-
ziehung den Verband kräftig unterstützt hat. Der Ge-
meindebund hat u. A. die Verwaltung der Pensionskasse
übernommen und den nach 8 12 der Verbandssatzungen zu
leistenden Beitrag von 1500 Mk., aus welchem die Ver-
waltungskosten und Subventionen des Verbandes bestritten
werden, auf 1600 Mk. erhöht, auch das Defizit des Ver-
bandstages im Betrage von 180 Mk. gedeckt.
Ein arbeitsreiches Jahr, an mancherlei Erfolgen reich,
zu weiteren Erfolgen Aussicht bietend, liegt hinter uns.
Noch sind bei Weitem nicht alle Hoffnungen und Wünsche
der jüdischen Lehrer erfüllt; sie werden erfüllt werden,
wenn alle' jüdischen Lehrer sich bestreben, jeder in seiner
Weife und in feinem Kreise mit thätig zu fein, mitzuschaffen
und mitzuwirken!
Der Vorstand des ״Verbandes der jüdischen
Lehrervereine im Deutschen Reiche".
U»rstanvs-Sitzrmg des ״Verbände- der Indischen
Kehrernereine im Deutschen Reiche".
ZU der Sitzung, welche am 25. Dezember Ln Berlin staltfand,
waren sämtliche Vorstands-Mitglieder anwesend u. zw. Rekior Dr.
Adle r-Belin, B l u m e n f e l d-Adelebsen, Bernhar d-Tarnowitz,
Prof. Dr. B l a s ch k e - Berlin, Feiner- Hamburg, Graf-
Essen, Gutkind-Cassel, Steinhardt-Magdeburg, Stur-
m a n n. Osterode, w e r t h e i rn e r - Heldenbergen sowie auf Lin-
ladung des Vorstandes Dr. Spanier- Magdeburg. Der Vorsitzende,
Dr. Adler, eröffnet die Sitzung, indem er die Mitglieder des Vorstandes
begrübt und den heutigen Berathungen einen gedeihlichen Erfolg
wünscht. Ueber die Pensionskasse des Verbandes theilt
der Vorsitzende mit. daß die landesherrliche Genehmigung zur Annahme
der Schenkungen eingetroffen sei, daß zwei Anträge aus Abänderung
der Satzungen ihre Erledigung gefunden, und daß die Rasse in's Leben
treten soll, nachdem diese Abänderungen die polizeiliche Genehmigung
erhalten haben werden. Lin weitgehender Antrag auf Abänderung
der Satzungen, der noch oorliege, solle zunächst den Einzelvereinen
zur vorberathung und Stellungnahme überwiesen werden. Infolge
der Uebersiedelung des Vorsitzenden nach Frankfurt a. M. ist der
Vorsitz im Ruratorium der Raffe einstweilen dem Rollegen Hanfs-
Berlin übertragen worden; die endgiltige Wahl eines neuen Vorsitz-
enden soll in der nächsten Sitzung des Ruratoriums erfolgen. Sodann
erfolgt eine eingehende Besprechung des den Vorstandsmitgliedern scbon
früher unterbreiteten Jahresberichts, dessen Drucklegung beschlossen
wird. Aus Anlaß eines Spezialfalles bittet der Vorsitzende, alle Fälle,
Ln denen Rultusbeamten von den Aufsichtsbehörden das Tragen
eines Talars verboten worden sei, zur Renntnis des Vorstandes
zu bringen. Bezüglich der den Zöglingen der jüdischen
Seminare verweigerten Berechtigung zum ein-
jährig-freiwilligen Dienste wird beschlossen, dem Reichs-
tage eine Petition zugehen zu lassen, in welcher mit einer historischen
Darlegung der Angelegenheit das Ersuchen verknüpft wird, den gegen-
wärtig bestehenden Seminaren die Berechtigung zur Ausstellung von
Zeugnissen über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-
freiwilligen Dienst zu ertheilen. Der Vorsitzende giebt sodann noch
einen Ueberblick über seine Th ätigkeit imverflos-
senen Jahre. Es sind in demselben von ihm befördert worden
5<*7, bei ihm eingegangenen 442 Schriftstücke; durch den Schriftführer
haben ihre Erledigung gefunden 26* Schriftstücke, und eine etwa gleich
große Anzahl ist bei demselben eingegangen. Der Schatzmeister,
Rollege Gutkind-Cassel, erstattete den Rassen bericht. Ls
betrugen im verflossenen Jahre die Einnahmen 36 */*, 50 Mk. (Zu-
Wendung der Berliner jüdischen Gemeinde *000 Mk., Subvention vom
V. I. G. B. *780 Mk., Freiwillige Beiträge 5,55 Mk.. Iahresbei-
träge 568 Mk., Raffenbestand vom vorig. Jahre <* 62,95 Mk.), die Aus-
gaben 3655,63 Mk. (Subventionen an die Vereine *300 Mk., Druck-
kosten 6,50 Mk., verwaltungskosten *67,32 Mk., Rosten des Verbands-
tages und der vorstandssihung 2179 , 8 * Mk.), sodaß sich ein Defizit
von 38,*3 Mk. ergiebt. Die Raffe wird von den Revisoren Prof.
B a d t - Breslau, Feiner Hamburg und Wertheimer - Melden-
bergen revidiert werden. Die Mitgliederlisten der Linzelvereine sollen
durch den Druck veröffentlicht werden, und zwar soll der Bestand
der Vereine vom *. April *899 maßgebend sein. Lin Antrag, .den
Vorstandsmitgliedern auf ihren Wunsch Reisekosten 2. Rlasse
zu vergüten, wird abgelehnt; desgleichen auch ein Antrag, /solchen
Mitgliedern Reisekosten 2. Rlasse zu vergüten, die mehr als 500 Rm.
weit zu fahren haben", doch soll dieser Antrag dem nächsten Deligierten-
tage zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Die Subventionen
an die Linzelvereine für das Jahr ;900 werden festgesetzt.
Mit Rücksicht auf das abermalige Defizit sollen in diesem Jahre nicht
mehr als *200 Mk. zur vertheilung gelangen; dementsprechend werden
die Zuschüsse der meisten Vereine um kleinere Beträge gekürzt. Der
Vorsitzende der Rommisflon zur Abfassung einer Denkschrift über
die Verhältnisse der jüdischen Volksschulen, Blu-
m e n f e l d - Adelebsen, legt eine Denkschrift vor, die nach einem Ent-
würfe des Rollegen Spatz. Affaltrach verfaßt worden ist. Ls wird
beschlossen, den Rollegen Bernhard mit der nochmaligen Durchsicht
der Denkschrift zu betrauen, diese in dem zu begründenden Verbands-
organ abzudrucken, sowie an den Gsmsindebund das Ersuchen zu
richten, einen Sonderabdruck Herstellen zu lassen und demselben die
nöthige Verbreitung zu geben. Rollege w e r t h e i m e r - Melden-
bergen erstattet Bericht über die Lage der jüdischen Lehrer
im Großherzogthum Hessen. Derselbe führt etwa folgendes
aus: ״wenn ich Ihnen ein Bild über die Lage der hessischen Lehrer
geben soll, so kann ich Ihnen nichts Erfreuliches berichten. Der über-
wiegend große Theil unserer Lehrer fins Religionslehrer, Lantocen etc.;
nur verhältnismäßig wenige sind an öffentlichen Schulen angestellt.
Wenn auch schon durch das Schuledict von *852 jüdische Volksschulen
gegründet wurden und werden konnten, so wurden dieselben im Laufe
der Zeit, so blühend sie auch theilweise waren, durch die Verkettung
verschiedener ungünstiger Verhältnisse wieder aufgehoben. Bis jetzt
existiert im ganzen Lande nur noch eine einzige jüdische Volksschule,
deren Aufhebung aber auch bevorsteht. Diejenigen jüdischen Lehrer,
die von der Staatsregierung im öffentlichen Schuldienste verwendet
werden, wirken entweder an Rommunalschulen, oder an den Vorschulen
der Gymnasien und Realschulen. Diese Herren haben genau dieselbe
Stellung wie die christlichen Lehrer; nebenbei gestattet die Regierung
ohne weiteres die Versetzung des Lantorats. Diese Lehrer sind ver-
pflichtet, den gesetzlich verlangten Religionsunterricht von <* Stunden
wöchentlich zu ertheilen; bezüglich der Lrtheilung des Unterrichts im
Hebräischen treffen in der Regel die Gemeinden Vereinbarungen mit