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Zweck des Unterrichts im hebräischen hält der Verein an seinem
Beschlüsse vom 22. April 4696 fest: *Der Unterricht im hebräischen
hat vor allem die Aufgabe, die Schüler znr verständnißvollen Theil-
nähme am Gottesdienste zu befähigen". 2) Der Stoff des Uebersetzungs-
Unterrichts ist dem Gebetbuch und der Bibel zu entnehmen. 2) Der
Unterricht im hebräischen hat zu beginnen, wenn die mechanische
Lesefertigkeit im Deutschen erreicht ist. %) Als Vorbereitung für den
Ueberjetzungs-Unterricht sind bereits während der Leseübungen Vokabeln
aus dem späteren Uebersetzungsstoff und aus der Praxis des religiösen
Lebens mit ihrer Uebersehung einzuüben. 5) Der Unterricht im Ueber-
setzen beginnt mit leichten Sätzen aus dem späteren Uebersetzungsstoff.
6) von Anfang an ist auf eine möglichst treue Uebersetzung in ein-
wandfreiem, gewählten Deutsch zu halten. 7) Die gebräuchlichsten
grammatischen Formen sind aus dem durchgenommenen Uebersetzungs-
stoff herzuleiten und dann im Zusammenhang einzuxrLgen."
Fvvtt»» Dezember. (Gig. Mitth.) Am $. v. ITC. wurde unter
Theilnahme der ganzen jüdischen Gemeinde und zahlreicher christlicher
Freunde in Nürnberg Herr Oberkantor Moritz Rosenhaupt
zu Grabe getragen, der 'ein ehrenvolles Gedenken in diesem Blatte
wohlverdient. Der Verblichene war der Sohn des i. I. * 89 * in
Aschaffenburg verstorbenen ehemaligen Lehrers und Predigers in
Saarlouis und Offenbach Jakob R. Der Absicht des Vaters, seinen
ältesten Sohn studiren zu lassen, machte das *tolle Jahr" *8^8 ein
Ende. Der Vater mußte die Elementarstelle im Aurfürstenthum Hessen
aufgeben, die geringer dotirte Stelle in Saarlouis annehmsn, und der
hoffnungsvolle Sohn wurde nach der Barmizwah Lehrling in einer
Papierhandlung zu Frankfurt a. M. Bei einem Besuche im Eltern-
hause an den hohen Feiertagen vertrat der sangeskundige 15 jährige
Jüngling am Jomkixxur seinen Vater. Der begeisterte Beifall der
Gemeinde wurde für seine Zukunft entscheidend. Auf Veranlassung
und durch die Hilfe des Vorstandes in Saarlouis, wurde er dem
Obercantor Löwe in Straßburg i. E. zur Ausbildung übergeben.
Nachdem er noch einige Zeit bei seinem Vater hebräische Studien
gemacht, nahm er, kaum $ Jahre alt, seine erste Stelle in Lochern
a. M. an. von hier wurde er als Obercantor nach Apeler berufen,
wo er *7 Jahre bliebe um dann i. I. *88* in Nürenberg Nach-
folger des an Stelle Sulze'r's nach Wien gewählten Obercantors
Singer zu werden. Dies der äußere Lebensgaug des Entschlafenen.
Er war einer der wenigen noch lebenden deutschen Lantoren, d. h.
jener W2M, die das Lhasonus nach Mmhag Aschkenas noch ganz und
voll beherrschten und ausführten. Noch vor 30 Jahren fand man in
fast allen größeren Gemeinden Süddeutschland's, selbst in Frankreich
und Holland, Lantoren, die nach dieser originalen Liturgie den Gottes-
dienst leiteten, und nirgends habe ich eine regere, allgemeinere Theil-
nähme an dem Unisono-Gemeindegesang gefunden, wie in den asch-
kenafischen Gemeinden. Diese Lantoren sind bis auf wenige ver-
schwanden; an ihre Stelle traten fast überall die Lantoren slavischen
Ursprungs, die nicht weniger würdevoll, besonders durch ihre dramatischen
Recitative, sich auszeichnen, däs älteste Lhasonus aber in vergeffenheit
bringen. Und eben das war das besondere Verdienst Rosenhaupt's,
daß er diese altehrwürdigen Melodien vor Vergeffenheit bewahrt hat.
Ueber diese Lomposttionen, ״Schire ohel Jaakob“ urtheilt der bekannte
Professor der Musik I. Hess in Heidelberg: *Außer den eigenen
originellen, dem jüdischen Charakter entsprechenden Lomposttionen
wurden unsere alten National-Melodien in Recitativen und Lhören
korrekt in der Harmonie und Modulation von dem Lomponisten be-
arbeitet, veredelt und zu Ehren gebracht. Selbst das unscheinbarste
Recitativ seiner Werkes begeistert und stimmt zur Andacht". Außer
diesen drei Werken liegen mir noch zwanzig größere und kleinere Lom-
Positionen -es verstorbenen im Manuscnpt vor, die hoffentlich vyn den
Hinterbliebenen der Oeffentlichkeit übergeben werden. יחרמן näprr
Der liederreiche Mund ist geschloffen, die Stimme, die fast ein halber
Jahrhundert zum Lobe Gottes ertönte, ist verstummt! Das Andenken
des Verblichenen wird weit über die Stätte feines unmittelbaren wir-
kungskreises hinaus reichgesegnet fortleben. חג*כ*ח . L. W.
Ktrrttgnrr, 4. Dezember. (Eig. Mitth.) Der israelitische
Lehrern nterstützuugS-Verein veröffentlicht seinen Rechen-
schaftSbericht pro 1899/1600. Die Verträge aus den Gemeinden
sind im Rückgänge begriffen; nur die hiesige, auf welche von de» Gesamt-
Emnahmen (2602,36 Mk.)1503,43 Mk. entfallen, macht eine rühmliche
Ausnahme. Die übrigen geben einen geringe» Beitrag aus der Ge-
meindekaffe, geringe oder kleine Spenden. Und doch steigen die An-
spräche an den Verein von Jahr zu Jahr. Im letzten Jahre wurden IS-
Witwen mit 3005 Mk. unterstützt. DaS Vereins-Vermögen beträgt 52992
Mk. An Spenden gingen ein 1592 Mk., an Legalen 595 Mk. Ihre
Majestät die Königin erfreute de» Verein mit einer Gabe.
Wladistomo, im November. (Vig. Mitth.) Auf Anregung unseres-
verehrten Rabbiners Herrn I. Eh. DaicheS und seiner Söhne, der'
Herren cand. phil. Samuel und Sally D., hat sich in dem Schulwesen
unserer Gemeinde in wenigen Wochen eine bedeutsame Umwandlung,
vollzogen: Alle bisherigen *Ehedärim" find zu einer einzige» Schule
vereinigt worden, welche die Kinder vom 6. bis zum 13. Lebensjahre
besuchen und nach deren Absolvirung sie auch ei» Zeugniß erhalten, daß
das Pensum der hiefigenrusfischen KreiSschule sich augeeiguet haben.
Die Lehrer, welche bisher in jedem Semester neu Schüler für ihre
Existenz sich schaffen mußten, wurden jetzt von de« neu gewählte»
Vorstand an der Schule angestellt und bekomme» von dieser ihr mo-
natliches Gehalt. ׳ Für den profanen Unterricht ist ber Direktor der
russischen Schute engagiert worden, und derselbe hat sich verpflichtet^
die Schüler programmmäßig so zu unterrichten, daß sie zum Schluß,
für das AbgangSexamen seiner Schule reif find. Die Einweihung,
der jüdischen Schule wurde in erhebender Feier nnter reger Be-
theiliguug vollzogen. Nachdem unser Herr Rabbiner in zu Herze»
gehenden Worten die Bedeutung de- Tages gefeiert und Kineer
wie Lehrer an ihre Pflichten gemahnt, hob Herr eauä. phil. Sa*
mrrel DaicheS in vortrefflicher Rede die Segen-Wirkungen hervor,
welche von der Schule erhofft werden dürfen. AlS Richtschnur möge»
ihr die Worte dienen, die ein Großer in Israel, den Redner mit
Stolz seinen Meister nennen dürfe, Rabbi Israel Hildesheimer
ypm gesprochen: «Unser Streben und Wirken loll hauptsächlich die
Verbreitung der jüdischen Wissenschaft unter den Juden zum Ziele
haben. Wir wollen das Studium der Thora um ihrer selbst Wille»
und die Freude an ihrer Bethätigung nach Möglichkeit fördern, der
neu Heranwachsenden Generation die kostbaren Schätze, die seii Lau-
senden von Jahren in unserer umfangreichen heiligen Litteratur ver-
graben liegen und für die unsere Väter mit beispielloser Opferwilligkeit
sv oft ihr Leben hingegeben, wieder eröffnen Und das Verständnis fftr
sie ermöglichen. Bolle Betheiligung am Culturleben der Gegenwart
und rückhaltlose-Förderung desselben, verbuüden mit treuem Glauben
und innigem Festhalten an der heilige» Lehre J-rael'-, sowohl in
Bezug auf die praktische Erfüllung ihrer Gebote als auf die Anneig-
nung der in ihr enthaltenen hohen-unschätzbaren, moralischen Güier,
dies mögen die dem Glauben ihrer Väter treuen Jude» auf ihre
Fahne schreiben." Reicher Beifall lohnte dem Redner. Nachdem so-
dann noch die Herren Lehrer SidelSky, Feldman», Balber-
schischky und der russische Oberlehrer Kosiz gesprochen, schloß die
von dem Schülerchor gesungene russische Volk-Hymne die erhebende Feier.
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Berantwortlich für die Redaktion: Dr. Hirsch Hildesheimer in Berlin. — Berantwortlich für Inserate.: Bnstav HildeSjheimer, Berlin.
- Expedition der ,Jüdischen Presse* Friedrichstr. 130. — Druck von H. JtzkowSki in Berlin. GipSstr. S.