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Prag, am 10. Rmicmbcr 1864.
prannmernlion mit
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• VHffijfiitria: , ff.80ft.cb.' : , . ^ . , r _
des Ilidcilthmiics.
i loi. c Sgl.
ffiantjiibriij: 7 fl. — fr. ob.
4 Thl. !VSzr.
paldjahrig: 3 fl. 77 , f t . ob.
2 Thl. IvSzr.
ettrljiilirig : 1 fl. 95 fr. ob.
*' 1 Thl.I«> 2gt.
Erscheint jeden Sonnerßag. — l?cöakHoiiölnircau: Jleifrijmntkt ) 1 r. Lonsc. 702 — 1 , l. Stadl.
Agentunen: ^ In Wien bei fjerjfelb und Bauer; in Brunn bei B. Epstein.
ZkOK.chsel im österreichischen 'Ministerium des Auswärtigem
Kaum, dfß unser Blatt den ersten schüchternen
Schi 4 ,c;uf i u schlüpfrigen Boden der Publieisrik
r tho r, und chon fühlen wir lebhaft, welch'enge
waugsjacke :h im Grunde ein bloßes Wochenblatt
r . wenn ma in ihm nur einigermaßen frei auf dem
täglich sich e wetternden Gebiete bedeutsamer Staats-
ottonc sich bewegen — auch nur von einem gewissen
C- cfi ;. i Ite cm* der hochgehcuden Strömung der
-'% agese ,niste achtend und reflektirend folgen möchte.
L 'n.' ... wir amen uns vor wie ein lahmer Fuß-
£ -?r dl chttsa.'fte. P'eötentiou'chatte, einen im
HZr in v 'ende! Eisenbahntraü einzüholen. —
-vierzehn T ge sind nun nahezu seit dem jüngsten
x Min'üerwea jel verflossen, und heute erst gestatten uns
' die allzu eng. räumlich wtLzeitlich, umschriebenen Grärr-
ze unseres ,'lattto auf das bedentsarr.e Ereigniß. von
ui ttrer^besoiwern.. Stellung aus einige Streiflichter
fa .er: zu lassen. Denn allerdings -- so seltsam es auf
den ersten Anblick hin scheinen mag — haben auch wir
Juden manches bei diesem Anlässe auszusprechen,
was uns nicht eben leicht aus dem Herzen liegt, manche
besonderen Wünsche und Hoffnungen darzulegen —
eben gemäß unserer, leider noch immer gesonderten
Stellung im -österreichischen Staate. Daß wir
thatsüchlich eine solche einnehmen, ist eben so unzweifel-
hasl und gewiß, als daß dieses grade kein Zeichen eines
gesunden Sr atslebens ist, und daß am wenigsten
den Juseu selbst die Schuld trifft, wenn cm
solcher L tatul der Dinge — trotz Februarpatent und
Eonstituuonalismus — sich noch immer im direkten
Widerspruche gegen alle Ideen und Tendenzen der Zeit
behauptet. . - -
Denn ist es nicht ein wahrhaft erhebender Beweis
von urwüchsiger Volkstraft, von eminenter Bildungs-
und Gestaltnngsfähigkeit, wenn der Jude in der ver-
hältnißmäßig so kurzen Zeit seines Eintrittes in die
europäische Gesellschaft von den meisten Fehlern und
Gebrecken, die seinem Wesen vormals angchaftet, oder
bester, ihm gewaltsam durch die düstern Fackeln mit¬
telalterlicher Verfolgnngswuth eingebrannt wurden,
wenn er—■ lagen wir — so schnell von all' den hä߬
lichen Eigenheiten, die ihn als wahres Zerrbild der
Menschheit zur Zielscheibe des Spottes gemacht, sich
zu emancipiren, und die Umwandlung aus dem blind¬
gläubigen Orientalen, dem starrsinnigen Nachbeter
der Autorität, der ans Schritt und Tritt mit dem
Fluche engherziger Separationsgelüste behaftet, nichts
ängstlicher von sich abwehren zu müssen glaubte, als
was der Zeit >unv des Landes, in dem.er wohnte,
wirklich gemäß war/, wenn er die Umwandlung, in
den gebildeten Abendländer so rasch und . energisch an
'ttch zu vott;i«h<:n vermochte —. -in deu gebildeten Abend¬
länder, der mit würdevollem Sclbstbewußtsein, mit
dem Siegel der Geiftesfrciheit auf der Stirne sein
Haupt enworgerichtet trägt, nnd rüstig mit eingreifend
in das Getriebe jeder ehrenvollen bürgerlichen Thätig-
keit in Wahrheit jenem Manne gleicht, von dem es
so schön heißt in den Sprüchen Salomonis: „Siehst
du den Mann gewandt in seinem Werke, vor Könige
kann er hintreten!" — — In der Thal,, wer., erkennt',
in dem Juden von 1864 noch den Sonderling < ans
dem Beginn des Jahrhundertes, in traurigster .Weise
ausgezeichnet unter, und ausgeschiedcn aus . den
Völkern? — Der Jude, wie sein Begriff im ^Geiste
seiner hämischen Ansechter sich gestaltet, ist glücklich
abgestrcift, gehört in die Rumpelkammer unerquick¬
licher, historischer Curiositüten; der Jude aber, wie
sein Bild von dem Spiegel höherer weltgeschichtlicher
Auffassung sich reflektin, ist geblieb,. der Jude, der
uicht in sklavisch ängstlicher Befolgung jeder sinn-
und bedeutungslosen .Observanz sein ausschließliches
Heil und Gedeihen sucht, sondern im Jndenthumc einen
edlern und liefern Kern ahnt, als leidige Prohibitiv-
gesetze gegen jeden unschuldigen Genuß, als Zwangs¬
maßregeln für Speisekammer und Küche, als ein
soldatenmäßigcs Reglement, wie man sich am Sabbath
in und außer demHause zu drehen und zu kehren hat,
um so ungeschickt, linkisch uns lächerlich als möglich
zu erscheinen.
Nochmals a'.so : :i es, hervorgeholen: Nicht
' ".«nr»—. f—,v, vu Ofu^u, IHHCU,.«»* ;i vtVyuua ... Vl „ lviavil ..