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Nro. 3.
Prünnmrrarioa für Prag
-Ser fciirdi Luchtianöct
ifs 3n- nnö Auslandes:
€i-C!t 5 jdhri£i: 6 fl- 5® ft. oc.
faibioiiria: 3 fl- 50 fr. cd.
2 Th!- 6 Ejt.
»Ufttiiüirig: 1 fl.80fr.ofc.
I Thi. 6 £jr.
Prag, am 17. November 1864,
Ccntralorgan fiir alle zcitgciiiäßcn Interessen
- des Jndtnlhnmcs.
pränumrralion mit
pollvcrscndimg:
flC'artjjahrig: 7 fl. — fr. cb.
4 Thl. lO Lzk.
HaldjLhtig: Z fl. 75 kr. ob..
2 Thl.IOLzr.
viertrljährig: I fl.srkr. cd-
' Thl.IOSzr
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C- chnnt je en Donnerstag. — Kcöaktionsbnmiu: Fleischmarkt Nr. Lonsc. 702—1, 4.-Stock.
^ Agenturen: In Wien bei Hcrzfeld und Bauer; in Brünn bei G- 'Epstein. '
Die «Stellung des Zudenlhumes im 19. Zahrhüuderle insbesondere in
Hesterreich. ' -
Schon l egt des Jahrhunderts größere Hälfte !
hinter uns, des Jahrhunderts der Aufklärung und der !
Menschlichkeit.— Welche Zeit haben wir durchleot!-- !
Werde es die späten Enkel glauben, was wir gelir- !
tcn, welchen blutigen Kamps wir durchzukämpfen hat¬
ten, bis wir sie in den ungetrübten Besitz jener Gü¬
ter ;u setzen vermocht, die eben so gut des Menschen
natürliche Mitgift sind, wie der aufrechte Gang, das
Vermögen der artikulirten Sprache und das .Recht in
Gottes klarer Luft sich frisch zu bewegen und. frei zu.»;
alhmen? — E.ner der größten Meister des historischen ;<
Stiles im "lten Rom, Sallust, stellt für die GeschichtS- ^
schreibung .m Grundsatz auf, daß „die Darstellung ^
die Thatlach ..n zu erreichen habe." — Aber nicht blos ;
er, sondern selbst sein noch größerer Rivale in der
erhabenen Priest rschaft Clios hätte wohl znrückbebcn !
müssen vor der Mission, auch nur ein blasses Bild *
von dem titanenhaften, geistigen Ringkampse unserer
Zeiten vor die ungläubige Seele desjenigen zu stellen,
der nicht selbst mitgelebt und mitgerungen. Welche
noch so bewegte Epoche der Menschengeschichte in der
Vergangenheit hält in der That mit der unseren auch
nur den entferntesten Vergleich aus? —
Seit dem Ende des dreißigjährigen Krieges, also
durch volle zwei Jahrhunderte bot die Weltgeschichte
Clos das Interesse eines Archives dar, in welchem die
Akten schmö chicher Familicnzänkereien, blutiger 9sauft
händelder Dynastien in erdrückender Masse ausgespMert ,
lagen — und das Leben der Völker das bcjammcrns- j
wcrthe Schauspiel, wie Menschen, wilden Thieren gleich, !
gegen einander gehetzt werden konnten, um lediglich !
l er Laune ihrer, alles Glaubens, aller Treue und alles j
(4,Wissens baren Tyrannen zu Liebe, Hab und Gut, j
ihre Gesundheit, inr Familicnglück und endlich ihr j
Leben — allerdings unter solchen Verhältnissen kein >
sonderlich bcneidenswerther Besitz — zu opfern! — !
Quod peccant principes plectuntur Achivi! ■— :
Tas war der vielgepriesene christliche Staat Stahl und !
Gerlachs, — für welchen noch heute der wüthige höl¬
lische Löwe (Prof. Leo) die Lanze des Ritters von
der Mancha aller ihn verhöhnenden Welt gegenüber
einzulegen sich nicht cntblödet.— Erst seit dem Beginn
des 19. Jahrhunderts gibt es wieder eine Geschichte
der Menschheit. — Wir sahen in dem nunmehr über
6 Dezennien alten Verlause desselben alle Zustände aus
ihren Fugen gehoben, die tiefst gewurzelten Verhält¬
nisse wanken in dem von neuen Ideen durchwühlten
.Leistig.cn Erdreich ;. alles. gewohnheitsmäßige Kwrkom-
• men, all' die bequemen, traditionell von Geschlecht zu
Geschlecht fortgepflanzten Anschauungen in Frage ge¬
stellt. — Wir sabcn die ganze menschliche Gesellschaft
einem Gährungsvrozcsse verfallen, der, gleichwie in
einer siedenden Wassermasfe geschieht, alle Schichten
derselben „heillos' unter einander mengte, ja nicht
selten selbst die unterste zu oberst brachte, und endlich
die Menschheit einen kühneren und größeren Schritt
mit imponirender Entschlossenheit nach vorwärts thun,
als in allen früheren Jahrhunderten zusammen. Es
war, als ob plötzlich die Binde von Aller Augen ge¬
fallen; die Trugbilder des Wahnes und des Vorur-
theils, die so lange sinnberückend, sinnbethörend das
erhabene Urbild der Menschheit verschleiert, wie es die
Größern und Edlern des Geschlechtes zu allen Zeiten
in ihren Gesichten erschaut, zerstoßen vor dem schar¬
fen, unbefangenen Blicke der Kritik, und man er¬
kannte schaudernd, wie im Hader über thörichte und
eitle Chimären unsere eigentlichen und heiligsten Gü¬
ter verkümmert, die Namen „Bruder und Rüchsten-
liebe" ein bohler bedeutungsloser Schall geworden,
„Humanität," „Freiheit" und „Recht" zur bloßen schön-
rednerischen Phrase herabgesunken.
Roch zwar ist der Kampf lange nicht zu Ende —
wer ist thöricht genug sich solcher Täuschung hinzuge-
bcn? — noch umbraust uns von allen Seiten der Helle
Schlachtendonncr — noch bebt jede Fiber der Zeit
von der maßlosen Aufregung des Streites, — aber
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ijitjauung oer mucham errungenen polfti^cyeii Frely-nt, doren, uns. 1 dLl.zuchuug oevcn.uuÄvri V 1