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Nro. 4.
Prag, mit 28. November 1864.
Pränumeration für pntij
ober durch Lluchlnittdcl
des In- und ^iiblaiidcs:
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finlbinbrio: 3 fl- r>0 ft. ob.
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Viertrljähcia: I fl.80 fr.ob.
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Ccntralorgail für alle zeitgemäßen Jiitcrcffcn
des Zildcnthumes.
pränumrraüoil mit
pogvcrsciidiing:
E Cqh jjahrig: 7 ft. — fr. ob.
4 Thl- lOcgt.
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2 THI.wSgr.
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Der ZIafiouaCi 1 atcttliu w pf in Böhmen und das Zudenthmn'
Ein geschichtlicher Rückblick. :. . . i . /
'> Fünf Jahre stud abermals verflossen, seit das
kaiserlich' Wort nach dem Frieden von Villafranca den
ans den Leistern in Oesterreich haftenden Bann gelöst,
und ihnen zum zweiten Male die Arena einer allerdings
nicht sehr ausgedehnten publicistifchenThätigkeit eröflnete.
Durch eine Periode von nenn schweren bangen Jahren
waren sie in einer Art Halbschlummer gelegen,^ eilige- *
wiegi urch eben nicht sanfte Wiegenlieder, oder besser, !
sie lc <uen still izn Hinterhalte aus den ersten günstigen |
fflJoui l uni die Bach'sche Zwan.'sjacke abzusireisen.fL
Scheinbar herrschte Friede und Ruhe rings umher;— "s
T ank der osficiellen Schönfärberei, die innerlich in hoch- |
stem Grade faulen Zustände waren so sauber übertüncht— •
so geschickt war Alles in Scene gesetzt, was als Ma- i
nifestation des Vollgeistes gelten konnte, daß der Fremd- !
ling in Oesterreich, wenn nur einiges Wohlwollen für j
dessen Geschicke ihn erfüllte, seine rechte, herzliche Freude
daran haben mußte. Besondern Respekt aber mußten ihm
die „superiores“, unsere Behörden einflößen; schien
doch das ganze öffentliche Leben und Treiben nur e ne
fortgesetzte Huldigungs-Adresse von dem Parfüm über-
schwänglicherLoyalitätnmdustet.Wo waren dieMalkonten-
ten aus der Periode von 1848 plötzlich hingerathen ? — Mit
cinemWorte,derBürger schien es endlich begriffen zu haben,
Paß Ruhe seine erste Pflicht sei. Allerdings waren die
Argumente scharf genug gewesen! — Doch, wie dem auch
sei, d Z Ziel war erreicht der Triumph der Reaüion
vollsr dig, alle Opposition verstummt — der maßlo¬
sesten Aufregung — dem wildesten Toben der po¬
litischen Leidenschaften war eine Periode der Ruhe ge¬
folgt. Wollten wir nun in das breite Fahrwasser
abgedroschener Oiedensarten einlenken, so müßten wir
schleunigst beisügen: aber es war die Ruhe des Kirch¬
boke- . Doch nein, diese Phrase hätte in diesem Falle
r .ch! die mindeste Berechtigung für sich, denn es war
Dmes,.ills die Ruhe des Kirchhofes, sondern, wenn
schon einmal ein Gleichniß beliebt ist, es war die Ruhe
des Winters, dessen Schneedecke keineswegs eine Lei¬
chenhülle ist, sondern ein Mantel für das rastlos darunter
webende und keimende organische Leben. Gleich wie nun
der erste Sonnenstrahl im März, vor demEis und Schnee
dahin schmelzen, das reiche-Leben, das sich in der un¬
erquicklich kalten und trüben Zwischenzeit entwickelt, offen¬
bart, also war. es auch in Oesterreich - nach dem be¬
rühmten kaiserlichen Manifeste. Wie von der Berüh¬
rung des mährchcnhasten Zauberstabes aus 1001 Nacht
plötzlich elektrisch durchzü-ckt, stiegen die alten scheintodten
Partheien geharnischt aus ihren Gräbern empörst es
schien, als ob gar kein Interregnum an uns vorüber
gegangen wäre; ein kurzer Moment des Verdutztseins,
während dessen man sich die etwas schlaftrunkenen Augen
rieb, .ein wetterschnelles Sammeln und Rangiren unter
alte oder.neue Partheihäupter, ein flüchtiges Austheilen
der Parole — und wieder lag man sich lustig in den
Haaren, wie in den schönen Tagen der Kravalle und
Barrikaden.
Zieht man die ungemein bittern und herben Leh¬
ren in Betracht, Pie die jüngsten weltgeschichtlichen
Phasen mit großen Zügen in die Seele jedes Denkers
geschrieben, so müßte uns diese Erscheinung wahrhaft
unerklärlich Vorkommen, wenn nicht vom Standpunkte
der Psychologie aus die Lösung des Räthscls um' so
einfacher und leichter wäre. -
Man fragt sich: Wie in aller Welt konnte cs
nur geschehen, daß unmittelbar mit einem Kapirel der
Weltgeschichte, für das der Geschichtsschreiber wohl
keine geeignetere Ueberschrift finden dürste, als den alten
S i ruch eines alten römischen Auroren: „diseordia maxi-
mae res 'dilabuntur-' „Durch Zwietracht werden die
größten Dinge klein," der alte Hader und Streit, der
so eben erst wie ein giftiger Samum über die schönsten
hoffnungsreichsten Saaten hiugeweht hatte, von Neu¬
em in alter maßloser Heftigkeit losbrcchen tonnte?
Die Antwort isr: Nichts verbittert mehr, nichts reizt
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irryauung oer mucham errungenen politlMBFrecheit, doieuuns st deizle^üg^ crrhüJiry;,.
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