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Nro. 5. Prlliz,dcil8.Dc;cinlicr1864. I. Jahrgang.
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Hcyftld und Sauer. des Jlldtttthückls. ü. Lpsteiu.
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Ccntralvrgan für alle zeitgemäßen Interessen
Agentur in Wien
Agentur in Brünn
Preis mit Zustellung ins Haus: Ganzjährig 7 fl., halbjährig 3 fl. 75 kr., vierteljährlich 1 fl. 95 kr.
(rschcr.rt jeden Donnerstag. — jirdaktionsburenn: Fleischmarkt tlr. Eonsc. 702—1, 1. Llock.
Mit großer Befriedigung und Genugthuung theilen wir unseren Freunden und Gönnern, besonders aber den sehr
geehrten Her' ; Abonnenten dieses Blattes, die trotz der überaus schwierigen und kritischen Zeit uns ihre Unterstützung gewährten,
mit, daß uuse. Unternehmen in seinem Bestände bereits mehr als hinlänglich gesichert ist. Daß dieser Erfolg für uns. ein Sporn
sein wird, unser Blatt immer würdiger zu gestalten, immer mehr nach der Zufriedenheit unserer Leser zu ringen, werden
wir schon in den nächsten Nummern beweisen. Denn wir verhehlen es nicht, wir haben den Ehrgeiz, unsere Wochenschrift den
besten und gediegendsten in diesem Fache anzureihen. Man gönne uns nur Zeit, den guten Willen auch zur That sich gestalten
zu lassen.— Wir sir/ nn bewußt, nichts gespart zu haben, was im Bereiche unserer Kraft und unserer Mit.el lag; — um die Mit¬
wirkung der tüchtig-;/ raste zu g winnen, haben wir keine Mühe gescheut. -7- Von nun an wird unser Blatt in vergrößertem
Formale, auf besserem Papier, und von Neujahr an stets auch in der. Stärke d sn mindestens IV* Druckbogen wöchentlich
erscheinen/ was die weite Tendenz desselben, die Reichhaltigkeit des bereits vorliegenden Stoffes un. zur drängenden Pflicht
machen. — Auch werden wir wohl von da an in der Lage fein, die literarische Beilage: „Blätter für Geist und Gemüth', die
bereits so vielen Anklang gefunden, zweir al des Monates' erscheinen lassen zu kmrnen.— So ausgerüstet wird cs sich hoffentlich
bald Herausstellen, daß ein Blatt, welches die Interessen des JudencknmeS nach allen Richtungen vertritt, in der That eine
Notwendigkeit, fpecü.l für unser engeres-Vaterland ist— eine Nothwendigkeit vielfach gefühlt und ausgesprochen; dennoch aber
nicht stark genug, um die Zaghaftigkeit in literärischen Kre:sen zu überwinden, die in den traurigen Zeitverhältnisscn leider ihre
nur zu gute Begründung gefunden.— Solchen Thatsachen und Wahrheiten haben wir uns keineswegs verschlossen; um so mehr
fühlen wir uns zu Dank gegen unsere Freunde verpflichtet, die uns über die ersten und steilsten Klippen auf den Pfaden, eines
journalistischen Unternehmens weggcholfen haben, das für einen ebenso intelligenten, wie überaus schwierig zu tractirenden, wie
überaus schwer zu befriedigenden Theil des Lesepublikumö begründet w .den.
Auf vielseitiges Verl< :rgen wird von Verfahr an unserBlatt rrch ausführliche nnd
grüttl irche Geschäftsberichte bringen, wozu bereits Vorkehrungen getrogen werden.
:' ' . '-f . ~ Die Kcdaction des „Abendland."
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per Aational'iürtmkampf in Alöhmeii und das Iudenlljnm.
.- ; •;j , c Ein geschichtlicher Rückblick. ' . ;■ ...
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Ein ähnliches, wenn auch ir mancher Beziehung divergen-
t's L^erhältniß gab sich in uns -ern engeren.,Vaterlande Böhmen
lund. Hier träte.', sich die Parteien nicht minder schross entge-
-gen wie in Ungarn, nur daß hier ihr-wechselseitiger Gegensatz
mehr den nationalen als den politischen,Character. zur Schau
trug. Die Eeck n, gewohnt sich als Herren der Land/), zu betracht
t-n, sahen mi scheelen Blicken, wie die Regierustg offen oder
versteckt das'deutsche Element in Böhmen begünstigte und wie
dieses allmälig zwar, aber sicher immer mehr an Terrain ge¬
wann. So lange die strengen Bande des absolutisti'chen Negis
mentes jede srine Regung gefesselt hielten, so lange wurde auch,
trotz des im Jnuern. gen thrtcu Grolck's, das äußerliche gute Ein¬
vernehmen zwischen beiden Nationalitäten nicht gestört. Als aber
das Jahr 1848 mit seinen erschü ternden und zersetzenden Er¬
eignissen eintrat und den so lange geistig und materiell geknech¬
teten Völkern ein neues Feld policiscker Tb itigkeit erst? oß, da
trat der so lang, verhaltene Zwiespalt offen zu Tage, und „Krieg
den Deutschen" wurde die Losung der damaligen Zeit. Bei jeder
Gelegenheit manifcstirte sich der Racenhaß in seiner abschreckend¬
sten Gestalt, und statt eines einträchtigen Zusammenwirkens zur
Erhaltung der mühsam errungenen politischen Freiheit, boten, uns
die Parteien in Böhmen das Schauspieleines erbitterten Bru-
derkampfeS, der nicht eher als mit der völligen Besiegung des
einen oder des anderen zu enden drohte. Die Folgen eines sol¬
chen, aller politischen Klugheit Hohn sprechenden Beginnens konnten
nicht lange ausbleiben. Svatopluks Glcichniß mir den durch ein
gemeinsames Band starken, vereinzelt aber schwachen Stäben sollte
sich auch hier bewahrheiten. Nach zwei blutigen und cr.'ignißrei-
chen Jahren, während welcher die Völker sich gegenseitig zei>
fleischten, trat bald wieder, durch die allgemeine Erschöpfung be¬
günstiget, die alte Ordnung der Dinge ein. Die Reaction erhob
triumphirend ihr Haupt, t er alte Polizeistaat trat wieder in seine
"Rechte, die Bach'sche Periode begann. Was während dieser letz¬
teren Epoche in Böhmen geschah, lebt noch zu frisch in aller An¬
denken,, als daß wir es hier zu wiederholen nöthig hätten,. Ein
System der politischen Abtödtung und geistigen Verdummung trat
an die Stelle der constitutionellen Einrichtungen, die Presse wurde
mundtodt und was von liberalen Elementen vorhanden war, durch
Einkerkerungen. Juterniruugeu und Landesverweisungen unschäd¬
lich gemacktt. Das ganze Werk wurde daun durch den Abschluß des
Concordares gekrönt, und durch die auf diese Weise bewirkte Her¬
beiziehung der devitalen Partei das. sicherste Bollwerk gegen jede