Seite
— 48 -
* Unsere Leser erinnern sich noch einer Notiz von dein Er-
scheinen eines Journals Bik ore Ifaitim. Wir ließen die bizarre
«', Erscheinung eines Witzblattes in hebr. Sprache ohne jede Be-
''Merkung, doch können wir heute, wo wir dem humoristisch sein
' wollenden Journale eine unverdiente Beachtung nnd Auf¬
merksamkeit znwendetcn, nicht'umhin, Herrn Rabbiner I)r. Fischer
den woblgemeinren Oiatb zu geben, die Sprache, in der die heilig¬
sten Schriften unserer Religion, unsere Gebete und kurz all das,
woran das gläubige Gemüth mit jener 'prickwörclich geworde¬
nen Pietät hängt, welche die B kcnner des IudenthumS so sehr
vor Andersgläubigen auszeichner, nicht zu den Bocksprüngen sei¬
nes gewöhnlichen Geistes herabzun urdigen, der mit wenig Witz
''und viel Bebagen ohne -ede Rücksicht, Dinge in den Kreis sei¬
ner Betrachtungen zieht, die selbst großen Philosophen ein un-
cnthüllbares Rärhscl geblieben.
Wem muß eS nicht anffallcn, wenn Herr Dr. Fischer im
grobkörnigen Stile des Kikeriki die LachmuskUn vines Publikuius
'mit blöden Witzen über den Glauben kitzele wall — wenn er
w't lächerlicher Imitation oder saphirischer Manier eitle Kritik
i er unsere Zustände übt, die, wenri sie nicht so verteufelt
naiv wäre, uns ärgern könnte? — Muß eS nicht unangenehm
'wirken — wenn man sieht, wie Herr Dr. Fischer oder seine
geistesebenbürtigen Herren Mitarbeiter ringen und ringen um
einen Witz zu erhaschen und zu erjagen, der dann so kläglich
ausfällt', daß wir seiner Schrift gram fein könnten —' wenn wir
ihn nicht bedauern würden?
Nicht der gedrechselte Einfall, sollte Herr Fischer bedenken,
'nicht die gekünstelte Betrachtung, nicht das Untereinandcrwerfen
von Stoffen und Beziehungen, die aus allen Weltgegenden her¬
geholt werden, nicht kränkelnder Humor, nicht Stimmungen des
Neberreizes vermögen der Kritik unserer Zustände Werth zu ver¬
bleiben — sondern eine gesunde Auffassung unseres reichen, in
stetem Wechsel der Formen begriffenen Lebens. —
;j:' ;; * Abermals hat sich Jemand und zwar dießmal ein Dr.
: Dickson tu Amerika die Glühe genommen die Worte u.rd Buch¬
staben der Bibel zu zählen. Er zählte daran drei Iabre lang,
täglich acht Stunden und brachte heraus, daß die Bibel 31173
Verse, 773693 Worte und 3566480 Buchstaben enthalte. -
Der Name. Jehova findet sich darin 6855mal, das Bin¬
dewort und "15227mal vor.!. Die Milte der Bibel bildet der
117. Psalm. — Das heißt doch seine Zeit gut angewendet. '
*Der vonDr.I. Rosenauer erfundene Apparat „Hemerarion"
findet immer mehr Anklang in wiffenschaftlichen Kreisen. — Der
Erfinder ist mehrfach ansgcsordert worden, über den Apparat einen
Vortrag zu halten, nnd wird auch im nächster Frist in einem
größeren Saale einer hiesigen öffentlichen Lehranstalt diesen An-
- finnen entsprechen. — Bedenkt man, daß durch diese Vorrichtung
in der That die Lehrsätze der mathematischen Geographie iit einer
Weise veranschaulicht werden, >vie bjsher kaum noch der Fall ge¬
wesen, so begreift man die allgemein dieser Erfindtliig zngewcn-
dete Theilnabme. Auf was wird die Aufmerksamkeit eines Kindes
früher hingelenkt als auf Sonne und Mond, den Wechsel der !
Tages- und Jahreszeiten? Um so gerechtere Verwunderung erregt |
cs daher, wenn die Jugend in der Schule über alles Mögliche j
anfg.klärt und belehrt wird, nur nicht über diese wichtigsten aller |
Naturerscheinungen. — Man hat dem Apparat den Vorwurf
gemacht, daß er zu komplicirt sei!— Allerdings, ein Lehrmittel,
das vch die Aufgabe gestellt, jeden Lehrsatz zu veranschaulichen,
konnte nicht ko einfach sein. — Für Lrhrcr, die an dem Scklen- !
drian hängen, und auch das kleinste Srndiiim scheuen, ist freilich ,
das Imtrnment nicht erdacht worden. Übrigens hat der Etfindcr
das Möglichste getban, um die Sache zu verdeutlichen und so
klar und faßlich als möglich zu machen. — ES ist eine beson¬
dere Broschüre zu dem Apparate erschienen; der Stoff wurde
derart in Lektionen eingetbeilt, daß dem Lehrer nur die kleine
Aufgabe znfällt, jedesmal vor Beginn seines Vortrages wenige
Zeilen zu dnrchlefen, um vollkommen befähigt zu sein, den Ap-
. parat zu Handbaben.
jSprechhalle.)
Herr Redakteur! Ans dem fernen Ungarn sendet Ihnen ein
aufrichtiger Theilnehmer, und zwar ein Lehrer der ' ebr. Coracke
seine frommsten Wünsche zu Ihrem Unternehmen. Bir Hallen cs
für unsere Pflicht, diesem neuen Unternehmen bcizii.reteu, wenn
wir auch nicht aufgefordcrt worden, denn dieses Blatt hat zurr
zweiten Losungswort „Schule" sich gewählt und einem solche.!
Vorhaben ist es Pflicht, unsere Muße und Zeit zu widmen.
Die isr. Journalistik der Gegenwart, obzwar sie ' den,
heilsamsten Institute der Schule ein bescheidenes Plätzchen anweist,
hat aber den Mangel, daß hierdurch ein Blatt zu gelehrt
erscheint, wodurch der Laie sich nicht angcwgen fühlt, weßhalb
sie ihre Aufmerksamkeit von der Schule me.st ablenkt. Die Parole
dieses Blattes zog nnS aber so mächtig an, daß wir demselben
unsere Arbeitzuznwenden für unsere Lebensaufgabe halten. Eine
Eardinalttage der isr. Schule bildet wohl der Heer. Unterricht.
Ueocr dieses Thema nun wollen wir nnsereAnsiär..- am einanderfttzen.
Unser Grundsatz lautet: „Wer die Schule isvlirt, ist ihr Fculd,"
demnach erscheinen uns Fachblätter nicht praktisch.
Vor Allem also ein Wort über den Bibelnuterrrickt.
Wenn das Kind bis zu einem gewiffen Grade Len Inhalt
der h. Spracke kennt, ist es rarhsam, dasselbe mir dem Inhalt
' er heiligen Schrift bekannt zu machen. Der Inhalt ist für die
^ugend wichtiger als die Form, daher muß der Unterricht in
der Volksschule der Zweck haben, das Verständniß der Bibel zu er¬
leichtern. Alles, was nicht unmittelbar nützt, ist zwecklos und Zeit
vergeudend. Die Grammatik ist daher bloßes Mittel,, nicht Zweck.
.Diese Devise war dem Iudenthnme. stets heilig: „Aller Weis¬
heit Anfang ist Gottesfurcht.", U'ft ,« . ^
Schon die lallenden Kindlein lernten frühzeitig im älterlichen
Hanse die Sprache, von der unsere Weisen sagen: „Sobald
das Kind zu sprechen beginnt, ist die Pflicht, der Aeltern, ihm
die Lehre beizubringen. Die Thora befahl uns Gott zu halten
durch Moses! Dieß sei der Anfang der Gespräche, die die Aeltern
zu beginnet, haben, und zwar soll, so lange daS Kindlein noch
zart ist, der hebräische Bibelunterricht vorgenommen werden
Die Talmud-Gelehrten, die sich int Talmud checiell ar-
über äußern, stimmen darin'vollkommen überein, daß der Gr d-
satz „doeendo discimus“ beim Bibelumerricht nickt zweckma.ig
ist, nft'j'jb )ri'ßb'< hernach Ferner heißt es: „W ar.:
dich der Schüler etwas fragt, so' st su nicht selbst zwe'.feR, son¬
dern mit Entschiedenheit sollst du die Erklärung eil! '
• C. Poll f . "
'' ' " '• ' . ttig'.onrlkhrrr in ilacifaln:
Correspondcn; der Rrdaktiou.
Herrn M K. in G. bei Königinhof. Sie meinen, wir
hätten Ihnen die Nummern unseres „Abendland" quasi aufge-
drängt. — Heißt das „ausdrängen," wenn man einer a.s acht¬
bar bekannten Adresse eine Zcitum, zugehen läßt un) dreimal
die Bitte wiederholt, falls man nicht zu o omin cn wünscht
das Blatt znrückznweisen? — Dies ran», e I neu cheinen
Pfennig Auslagen zu verursachen, sondern ein . .nfach,öMort an
den Briefträger:^ „Ich nehme nicht an" hätte genügst. — S o
viel Rücksicht sind wir denn doch berechtigt von unseren Glau¬
bensgenossen gegen ein Journal zu erwarten, das sich die V> -
tretung jüd. Interessen zur,Aufgabe gestellt, um so mehr,
jedes neue journalistische Unternehmen solche Wege einrusch...-
gen in die unausweichliche Nothwendigkcil 'st.h verset ' stehr.
Nicht nach strengem Recht, sondern auch nach Billigkeit müssen
wir im Leben Iinsere Nebenmenschen behandeln. — Und gibt
cs eine billigere Bitte als die: Weisen Sie das Blatt gefälligst
zurück, wenn Sie nicht zu abonnircn wünschen, — und sparen Sie
nicht vier Worte, wenn Sie hiedurch ein jedenfalls gemein¬
nütziges Unternehmen vor Schaden bewahren können? Daß wir
nicht ans die Anschicknng des Abonnementsbetrages dringen,
bevor wir ras Blatt znsenden, ist gewiß mir ein Beweis unse¬
res Vertrauens. Es freut nnS übrigens anssprechen zu können,
daß Sie bisher der erste nnd einzige sind, der diesen Vorwurf
gegen nnS erhebt.
Eigemhiimer, veraulm. Redakteur u. Herausgeber: Dr. I. Rosciiaucr. — Druck v. S. Freuud's Löstwc u. Comp, in Prag.