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Verhältnisse der deutschen Geistlichkeit zu den Zuden im Wittelatter
. ^ . von Ur. Rauschmk.
2» den früheren Zeite.: des Mittelalters wurden die Juden j
von den strengen Geistlichen als die Nachkommen der Mör- >
d.r des Weltheilandes und als Perächter und Lästerer des Cbri- '
sienglaubens uilversöhnlich gehaßt und bei verkommenden Gelegen- ;
Leiten auch wohl verfolgt. Die Juden wußten sich aber durch ihre *
Gewaudheit in Geschälten, und viele unter ibuen durch ihre für ^
jenes Zeitalter ausgebreiteten gelehrten Kenntnisse bei den Königen -
und Fürsten beliebt zu machen und den Schutz derselben für ihr !
Volk zu erlangen. Die Deutschen hatten in den ersten Jahrhun- l
decken des Mittelalters ein unüberwindliches Vorurtbeil gegen den i
Handel, den sie für ein, einen freien Mann erniedrigendes Ge- !
schüft hielreri. Der mit dem Handel ziemlich genau "verbundene 1
Wucher und das Geldleihen auf Zinsen war sogar durch kirch- !
liche, Gesetze verboten. Bei der zunehmenden Kulrur konnten aber
die Deutschen ohne Handel und Geldverkebr nicht bestehen und
so mußten sie den Juden wohl Duldung gewahren; überdem
waren es die Juden allein, die medizinische Kenntnisse besaßen,
daher denn auch an jedem Fürsteuhofe gewöhnlich ein jüdischer
Leibarzt war. Endlich besaßen die Juden Kenntnisse von ,den. Sit¬
ten, Verhältnisseu und der Sprache des Orients, und wenn eine
Gesandtschaft dahin gesandt werden sollte, so mußten sie dieselbe als
Führer und Dolruetscher begleiten. Durch dieses alles verschaff¬
ten sie sich Duldung und Schutz bei den Großen, und wie sehr *
auch fromme Priester gegen den Verkehr der Christen mir den :
Juden eiferten, wie strenge die Verfügungen auch waren, die auf
mehreren Kirchen-Versammlungen gegen sie erlassen wurden, so
änderte das in^ihrem Verhältnisse dock nichts, welches von der
Nvthwendigkeit geboten wurde. Sobald das Geld bei zunehmen¬
dem Wohlleben unentbehrlich geworden war, und nachdem die Er¬
zeugnisse des fernen Auslandes nicht rnehr entbehrt werden konn¬
ten, waren Geistliche die ersten, die mit den Juden/allen päpst¬
lichen Verboten zu:u Trotz, in Verkehr traten und ihnen sogar
Meßgewänder, Kelche, Reliauien und Meßbücher verpfändeten. ;
Viele strenge Gesetze wurden dagegen gegeben, aber niemals be- !
folgt. Durch widersinnige Gesetze wurde den Ehristen das j
Ausleihen des Geldes auf Zinsen untersagt, den Juden aber er¬
laubt; dagegen wurde den Juden, verboten, Laudwirthschaft und
Handwerke zu treiben und so waren sie denn durch eine mangel¬
hafte Gesetzgebung auf den Handel und Wuck gewiesen. DaS
kirchliche Gesetz, "daß kein Christ sich eines st .schen Arztes be¬
dienen sollte, übertraten die Könige und Bischöfe zuerst; aber
selbst die Päpste zogen bei gefährlichen Krankbeiren jüdische Aerzte
zu Rathe. Ein Gesetz verbot, den Juden ein öffentliches Amt
zu errheilen, dennoch aber waren in der Regel Juden Finanz¬
pächter der Könige, Fürsten und Bischöfe. Ferner sollte kein Christ
bei einem Inden dienen, doch harten in der Regel die Juden christliche
Dienstboten, die der guten Bezahlung wegen den Kirchenbann
nicht achteten, mit dem sie belegt wurden. Bei dem steten Be-
dürfniß der Fürsten und Prälaten, Geld zu borgen, waren ihnen
die Juden unentbehrlich und deshalb gewährten sie ihnen auch
ihren Schutz. Da aber die Juden weder Handwerke treiben, noch,
mit wenigen Ausnahmen, ländliche Grundstücke besitzen durften,
so gaben sie keine Zehnten und andere Abgaben an sie Geist¬
lichkeit; da sie indessen von ihren! Handel und Wucher einen gro¬
ßen Gewinn machten, so mußten sie wie reckt und billig. Ab¬
gaben davon zahlen, und diese sielen, weil sie als Fremde oder
Heimatlose angesehen wurden/ dem Obeilanoesherrn zu, der sie
in seinen besonderen Schutz nabin, weßbalb sie denn auch die
kaiserlichen Kammerkneckte genannt wurden. In allen Städten,
die Bischofssitze waren, befanden sich die Inden in großer Menge.
Tie Ursachen davon waren einmal, weil die bischöflichen Haupt¬
städte in der 9Cegef auch große Handelsstädte waren, dann aber
bestand ailck ein päpstliches und kaiserliches Gesetz, nach welchem
den Inden ihre Wohnsitze vorzugsweise in den bischösiichen Haupt¬
städten angewiesen werden sollten, damit den Bischöfen die Ge¬
legenheit erleichtert würde, sie zu bekehren.
Der Schutz der Kaiser und Bischöfe konnte die Inden aber
nicht vor dem Hasse des Volkes schützen, welches ihren Reichthnm
beneidete, sie als Berückter des Ebiisienthnmo verabscheute und
ibuen alle möglichen Fleveltbalen Schuld gab. Diesem Hasse