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derselben mit einem Nasinnesscr die Kehle ab, und bemächtigten
sich deS Geldes und der Schmuckgegenstäudc, die sie bei ihr
fanden. ES ist der Polizei gelungen, der beiden Thatcr habhaft
zu werden. Sie kamen beide aus der Mark Ancona.
Port Elizabeth. (Cap der guten Hoffnung). Unser
Glaubensgenosse, Herr Michael Henry Benjamin, ist zum
Friedensrichter für den Distrikt von Port Elizabeth ernannt
worden.
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- Philadelphia. Bei der Einweihung von Dr. Ein Horn's
Reform - Tempel wirkte der katholische Sängerchor mit; es wurden
keine Psalmen gesungen, wohl aber ein Oratorium von Händel.—
Zn Portsmorith (Ohio) boten die jungen Damen vom Kir¬
chenchor der Presbyterianer ihre Unterstützung beim. Gottesdienste
in der Synagoge an; — ein Anerbieten, das der Rabbiner Wechs¬
ler dankbarlichst annahm. — In 9! e w-D o r k hat die Gemeinde
„Schaar Haschamajim" eine Methodisten-Kircke um 30,000
Dollar angekauft und wird sie, im Allgemeinen unverändert, mit
Orgel, Kirchenstühlen, Alrar oc. als Synagoge benutzen; zum
Chanukah-Feste soll diese Kirchensynagoge zuerst benutzt werden.
Eigentlich sollten diese Leute das Chanukah-Fest nicht feiern;
denn wenrr unsere Voreltern so rrachgiebig gegen fremde Culte
gewesen wären, so hätte es keine Makkabäer - Kämpfe und Siege,
also auch kein Chanukah gegeben. —
' Lima. (Peru.) Als Kolonie hat Peru von seinem Mutter-
lande all diejenigen Eigemchafken empfangen, welche demselben
cigenthümlich sind, so auch die Inquisition mit ihrer Intoleranz
und ihren unmenschlichen Verfolgungen. Lima hat sogar einer
der Straßen den Namen der Inquisition gegeben; hier wurde
das Auto-da-fe an Frau Castro vollzogen, welche, als des
Iudenthums verdächtig, verbrannt wurde. Man findet die Ein-
zelnheiten über die spanischen Juden, welche' nach Südamerika
gekommen sind, in den von der Revista de Lima seit 1860 ver¬
öffentlichen Annalen der Inquisition. Auf 3 Schlachtopfer kom¬
men immer zwei, die des Iudeurhmns verdächtig waren, (judai-
zantes); sonderbarer Weise waren das immer die Reichsten, ihr
Vermögen siel dann dem heiligen Offizium anheim. In den An¬
nalen der Inquisition von Mcriko kommen derlei Thatsachen nicht
vor, weil die Gesetze des spanischen Indiens die Neuchristen von
dieser Gegend, der reichsten Amerika's, ausschloßen. Ueber die¬
jenigen, welche ^ sich nach Peru begaben, berichtet das Werk
Aeosta's „Colonisatiou von Neugranada," daß der Theil dieser
Republik, welche noch heute Antiochia heißt, ganz von Juden kolo-
nisirt worden sei. Die Nachkommen. der ersten Kolonisten dieses
Staates werden noch wn den übrigen Einwohnern scherzweise
Juden genannt. Sie..zeichnen sich durch ihren Reichthuin, durch
intellektuelle Fähigkeiten und durch ihre ausschließliche Beschäfti¬
gung mit Ackerbau und Handel aus; ihreZüge tragen noch heute
die Spuren jüdischer Abkunst. Ich habe im Jahre 1850 in Lima
einen Gesa ochssrsakrache aus Antiochia gekannt, der mir die
Angaben A.oitas wörtlich bestätigt hat; er fügte.hinzu, daß die
Einwohner Antiochiens niemals einen ihrer Söhne Theologie stu-
diren lassen, und daß cs aus diesem Grunde keinen antiochischeu
Priester gebe.
Das sind die wenigen Nachrichten, welche ich über unsere
Glaubensgenossen in Peru während meines zehnjährigen Aufent¬
haltes habe pimmeln können, ungeachtet mir die Bücher der Na>
tivnalbibliothek von ihrcin würdigen Direktor dem tugendhaften
Freunde Israels, Herrn Dr. Vigil, zur Disposition gestellt
worden sind.
Ich kann nicht umhin, hier eines spanischen Werkes zu er¬
wähnen, welches von der Ankunft des Messias handelt. Der Ver¬
fasser desselben, ein Priester, Namens Tacninba, behauptet, daß
allein die Juden ihn sehen werden, weil sie allein dessen würdig
sind. DaS Buch enthält eine Apotheose unseres Volkes. Daß
ein spanischer Priester solchen Ideen Ausdruck gibt, ist uoch we¬
niger ;u verwundern, als daß die Spanier beit Druck dieses Bu¬
ches erlaubt haben. Der erwähnte Priester ist unzweifelhaft von
jüdischer Abkunft.
Seit der Unabhängigkeitserklärung Peru'S im Jahre 1822
dürfen die Juden hier öffentlich ihren Glauben bekennen; feit
15 Jahren wohnen denn auch hier wieder Glaubensgenossen, die'
von New-Pork oder Californien hierher kamen. Die Anzahl der¬
selben beläuft sich höchstens aut 50 Seelen; sie sind sämmtlich
Polen, bis auf 4 oder 5, die Franzosen find.
Seit 1858 wird hier ein Minjan veranstaltet, um die
hohen Feste Rosch Haschana und Jom Hakippurim zu feiern. Seit
dieser Zeit hat man auch eine Wohltbätigkeitsanstalt errichtet, um
unglücklichen Reisenden und armen Kranken zu Hilde zu kommen.
Es gibt noch keinen besonderen jüdischen Friedhof. Die Verstor¬
benen werden aus dem protestantischen Begräbnißplatz begraben.
Namentlich zeichnen sich die hiesigen polnischen Israeliten
durch ihre Wohlthätigkoir aus; niemals wird hier Mitleid ver¬
gebens in Anspruch genommen; bei außergewöhnlichen Anlässen
veranstaltet einer von ihnen eine Privacsammlnng, und das Re¬
sultat ist immer ein befriedigendes.
DaS. Klima von Peru ist im allgemeinen sehr gcfnnd, die
Einwohner sind sanften Charakter's, die Hilfsquellen des Landes
sind eben so nnerschöpsiich wie diejenigen von Meriko; durch Zu¬
fluß von Kolonisten und Kapitalien würde das Land sehr bald
zu großem Wohlstände gelangen. Das wird sich durch die voll¬
ständige Gewissensfreiheit und durch die allmähliche Einwanderung
unserer europäischen Glaubensgenossen realisiren.
Maurice Eapla n.
. (Arch. isr.)
Eoncnrs.
An der hiesigen Mciselsynagoge ist die Stelle eines Cantors, mit wel¬
cher ein Salair von 600 fl. jährlich nebst freie Wohnung und den üblichen
Emolumenten verbunden ist, zu besetzen. Geeignete Bewerber, die den be¬
reits Angeführten Chor zn unterrichten und zu leiten vcrsichcn, wollen sich
unter Beibringung ihrer Zeugnisse über Befähigung und bisherige Verwen¬
dung in diesem Fache unter der Angabe, wann sie zu einem Probevortrag
hier cintreffen könnten,-bis zum 31. Seiner 1865 an den gefertigten Vorstand
wenden. Reisekosten werden nur dem Angestellten vergütet. -
Prag, 18. Dezember 1864.
Dcr Vorstand der Mciselsynagoge.
Cigemhümer, vcrantiv. Redakteur u. Herausgeber ^
Corrcspondcn; der Redaktion.
Herrn D. K. in'Skälsko. — Gegenüber der Rücksichtslosigkeit, mit der
von vielen Seiten gegen Ms verfahren wird, hat Ihre HaiwuuigSweise bei¬
nahe einen rührenden Endrnck auf uns gemacht. Ivi io alniMi Israel. Sie
glauben als alter Abonnettt der „Zeitsiimme" uns für die seit dem Beginne
deS „Abendland" gemachten gr'ößern Auslagen einen Ersatz bitten zu müssen.—>
Wir danken herzlichft, haben unS aber erlaubt, Ihnen den zu diesem Zwecke
kingesendeicn Bewag gut zu schreiben; denn wenn sie generös siitd, sind
wir gerecht. —' Ihre Arbeit für die nächste Nummer sehr wiltlommen.
Herr R. in stöniginhof. Ihr Abonnement geht diesen Monat ;n Ende.—
> Sonst nach Wunsch. g . ,
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L>r. I. Rostiuiucr. — Druck v. S. Frenitd's Wnwc n. Contp. in Prag.