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S. D. fimato
gtbor. am 22. August 1SOO
gest. am 29. September
Ein Stern in Israel ist erloschen, der beim Beginne
-es Säknlnms der Welt aufging, und „ba£ Auge des Jahr¬
hunderts wird sich schließen" che ein zweiter von solcher
Größe am Horizonte der jüdischen Wissenschaft scheinen wird.
Das Indcnthnm und mit ihm seine Wissenschaft baden einen
schweren unersetzlichen Verlust erlitten. Samuel David Luz-
zato, Professor am rabbinischcn Eollegiuin zu Padua ist am
Vorabende bc^ diesjährigen Versöhnungsfcstcs eines plötz¬
lichen Todes gestorben. Es gibt keinen Zweig der jüdischen
Literatur, in dem er nicht Großes und Gediegenes leistete,
in dem er nicht 'einen glänzenden Geist als Schöpfer und
Begründer neuer Anschauungen bcwübrtc. Schon in jugend¬
lichen' Alker literarisch lhäkig, bol er uüt jcdcin Jahre neue
schmackhafte Früchte seines immensen Wissens und seines
Scharfsinns für die Dcsscntlichkcit. Von seinen großartigen
Leistungen in der hebräischen Sprachforschung und der Bi-
bclexcgcsc geben seine vielen Schriften in hebräischer, italie¬
nischer und französischer Sprache Zcugniß und seine unzäh¬
ligen Aussätze in jüdischen Zeitschriften, Jahrbüchern und
Sammelwerken sind zerstreute Perlen von großem Wcrthe,
die gesammelt und zu einer Schnur gefaßt, ein Werk bieten
würden, das als Monument der menschlichen Geistesgröße
unsere Bewunderung wie unsere Verehrung erregen müßte.
Eine gründliche und genaue Bekanntschaft mit den jüd. Litc-
raturwcrkcn aller Zeilen, die ihin ein seltener Fleiß und der
Besitz der seltensten Manuscriptc und Druckwerke vcrsä affte,
der geniale Geist, der mit Leichtigkeit bis in das kleinste Detail
seines Gegenstandes cindrang, der scharfe kritische Blick, der
schuurstraks ohne weite Umschweife das Ziel seiner Forschun¬
gen traf, und diese Vorzüge gepaart mit einer Gediegenheit
und Eleganz der Darstellung, in der wir ihm in der Jetzt¬
zeit nur seinen vicljährigen Freund, den großen Rappoport
an die Leite stellen können, geben jeder seiner Arbeiten einen i
unsterblichen Werth. Eben so ausgezeichnet wie als Forscher !
und Gelehrter war Luzzaro als hebr. Dichter. Südliche Gluth, >
lebhafte Phantasie nach dem Inhalte, herrliche Diktion bei !
einer zuweilen übermäßigen Strenge in der Metrik, nach der j
Form sind die charakteristischen Merkmale seiner poetischen i
Leistungen. - |
Wenn wir seinen großen Geist bewundern und uns an '
seinen herrlichen Schöpfungen laben, so dürfen wir nicht
vergessen, daß wir einen großen Thcil dieser Scclcugeuüssc
seinem reichen edlen Gemüthc verdanken. Jedes Familicn-
crcigniß, ob freudiger oder trauriger Ratur, setzte seinen >
immer regen Geist in Thätigkcit, und das Denkmal, das cr
den Häuptern seiner Lieben setzte, war eine mouumcntalc
Länlc der Wissenschaft, die alle Zeiten überragt und über¬
dauert. Der Geburt seines Erstgebornen wcihcrc cr sein bc-
rühuneS Werk über. Taktlos, und das Kind seiner väterlichen
Liebe trug den Ramcu wie das Kind seines edlen Geistes
Phi loxcnos. Rührend sind die Lichtungen, die cr aus die
Gräber seiner Theuern a s nie verwelkende Blumeu pflanzte.
Herrlich sind die Lchöpfungcn seines Geistes, die cr seinen
vielen Freunden widmete. Seinem Herzen gehört der Ruhm,
daß cr große Lodtc aus dem Staube der Bilüiolhcken her-
vorzog, und deren Geister durch VcröffcnllichunHmircL Werke
das Fest der Auferstehung feiern ließ. Luzzaio ivar cs, der
uns den großen Ichuda Halcvi, diesen edlen Sänger aus
der spanischen Schule neu gegeben, ^er uns vertrag machte
mit jenen herrlichen Klängen, die'das Thr niemals-'vergißt,
das sic einmal gehört. So manches Grab der Vergangen¬
heit hat Luzzato geöffnet, ans dem nun der Luft geistiger.
Lebenskraft uns erfrischend und erquickend anweht.
Luzzato so reich gesegnet mit geistigen Sc: ätzen war
durchaus nicht zurückhaltend mit seinen Gaben, iein lite¬
rarisches Unternehmen auf jüdischem Gebiclhc, t>. nicht an
ihm einen eifrigen Förderer fand, und wer sich unmcr um
Rath und Beistand an ihn wandte, konnte seiner liebevollen
Thcilnahmc gewiß sein.
Die äußern Lcbcnsumständc Luzzaio's waren ganz ge¬
wöhnlicher Ratur, sein Leben gehörte ausschließlich der Wis¬
senschaft, der lchi chie häuslichen Uuglücksfälle nicht entziehen
konnten, der frühzeitige Tod seines ausgezeichneten, auch der
Wissenschaft zu bald entrissenen Sohnes Philoxenos verwundete
tief das edle Vatcrhcrz, doch die innige Gottergebeuheit heilte
auch diesen Schmerz, und die literarische Welt' fand ihn bald
wieder an seinem Platze mit unermüdlicher Thätigkcit wir¬
kend und schaffend.
Die Lehrkanzel, die Luzzaro seit 1S2'.) bis zu seinem
Tode inne hatte, steht nun verwaist, und Italien wird nicht
leicht den Meister finden, der den Verlust vergessen machen
könnte. Der allgemeine Schmerz um den Dahiugcschiedcnen,
der der Welt angchörtc, wird in seinem Varerlande doppelt
gefühlt werden, da der Verstorbene in einem Lebensalter
stand, das noch viele Jahre rüstiger Thäligteil boffen ließ
und der große Geist nicht etwa in einer gebrechlichen .Kör-
pcrhülle, sondern in einem frischen rüstigen stattlichen L ib
seine irdische Herberge hatte. Es war im Juli 18.">f> als
uns ein Freund in Padua bei Luzzato cinfühilc. Den Maun,
der so unermeßliches Wissen in seinem Kopse hatte, konnte
sich die Phantasie nur mit den körvcrlichen Attributen, die
als natürliche Folgen geistiger Anstrengung und Ucbcrbür-
dung das Dasein der Gelehrten trüben, vorstcllcn als da sind:
schwacher Körper,blasscr Teint, hoble Wangen, gefurchte Stirne
u. s. w. Nichts von all' dem! Ein fester gedrängter Körper¬
bau, ein frisches volles Gesicht, aus dein Leutseligkeit strahlte,
kurz eine heitere lebensfrohe Physiognomie, die cs nicht im
Entferntesten ahnen ließ, daß ihr Inhaber zahl-und schlaflose
Rächte über vergilbte Manuscrivtc zubrachtc.
Es schmerz: uns tief, daß wir unsere jonrnalistischc
Earricrc mit der Erfüllung einer so traurigen Pflicht cin-
weihcn, und eine erschütternde Trauerbotschaft den Lesern
dieses Blattes als Angebinde bringen müssen; doch der Tod
großer Männer hat auch riel des Tröstlichen für die Mensch¬
heit. Luzzato ist nicht gestorben! Der Kran; der Liebe und
Verehrung den wir ans sein frisches Grab legen, ist ein
Tribut, den die dankbare Nachwelt dem unsterblichen Geiste
darbringt. Ehrmann.
Die fcirijenfcicvltdjkcifcit im imrfjbiblifrijcit Juöcntljmiic.
Eine archäologische Sludie von k'r. I. Pcrlcö.
(Schluß.)
r^cr kostbar verzierte rrarg des Hcrodcs wurde nach der tragen — wie cs überhaupt allgemeine Sitte war, daß die
-ckilderung bei IostphuS (Ant. II, ; de bcllo jud. i Angehörigen und Freunde des Vervl'chcnen zunächst zu den
I. (») von den Söhnen und nächsten Anverwandten ge- letzten Liebesdiensten zugczogen wurden; — diesen folgten die