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gewesen wäre. Nkoses sie sofort hätte entlarven können und
müssen. Vielmehr ist es gewiß, daß auch sie durch ein un-
sichtbares Wesen müssen unterstützt worden sein. Hätten sic
durch Taschenspielern allein gewirkt, warum haben sie nicht
ebesogut das Ungeziefer u. s. w. hervorbringen können ? Gicbt
man dagegen zu, daß ein göttlicher Einfluß mit im Spiele
ist, so wird man es erklärlich finden, daß Gott ihnen dem
selben endlich entziehen mußte; denn würden die Magier in
ihren Wundern nicht behindert worden sein, wie leicht hätte
man argwöhnen können, daß auch Moses Taschenspielern
treibe. So weit hat cs Gott nicht kommen lassen, — MoseS
widerlegt offenbar, daß seine Kunst eine trügerische, und be¬
weist unzweideutig, daß sie eine höhere sei, als die der Magier.
Wir wissen, daß Gott einerseits sich in Träumen, Gesichtern
und Erscheinungen offenbarte und andererseits Engel als seine
Boten ausschicktc, — das kam den Magiern gar sehr zu
Statten: die Absicht Gottes aber war, den Menschen den
Glauben an ihnt beizubringen: darum fand er cs für gut,
den Menschen irgend ein Wunder Hervorbringen zu lassen,
um dann den wahren Propheten desto gewisseren Sieg zu
vcrschaffeu: „wenn auftritt in deiner Mitte ein Prophet und
giebt ein Mcrkinal oder Zeichen u. s. w." — Die egyptischen
Magier müssen nun den Sieg Moses selber verkünden, indem
sie endlich zu der Ucberzeugung kommen, „daß das ein Finger
Gottes sei." —
So lange ein Prophetenthum in Israel, so lange eine
Mag'e bei den Heiden, — das lag in der Bestimmung
Gottes; als Gott den Kindern Israels den prophetischen
Gei>l entzog, geräth auch die Magie in Verfall: nunquam,
sagt Cicero, illud oraculum Delphis tarn celebre et tarn
darum iuisset, neque tantum donis refertuin omnium
populorum atque regum, nisi omnis aetas oraculorum
illorum veritatem esset experta Jam diu idem non facit 1 )
Dieselbe Bemerkung macht Plutarch in seiner Abhandlung
„De defectu Oraculorum;" als Grund für das Aufhören
der Orakel führt er das Ausbleiben eines Geistes an, der,
nach seiner Philosophie, „seinen Wohnort gewechselt."
Welches auch die Ursache gewesen sein möge, die Heiden
selber bezeugen, daß der prophetische Geist der Orakel zu
einer Zeit aushört, wo auch das Prophctenthum rn Israel
seinem Ende zugcht. So lange Gott mit dem Propheten-
thume eine Gegenmacht bestehen ließ, und zwar derart, daß
nur in ihr „der Finger Gottes" erkennbar war: war es
mit der Weisheit und Güte Gottes durchaus nicht unver¬
einbar, zu gewissen Zeiten und unter gewissen Umständen
den Magiern also auch denen Egyptens, beizustehen in ihren
Künsten und Zaubereien.
Die Rabbinerwahl in Zappelsdorf in Ungarn
mitgctheilt von vr. F. L. Friedländer.
Als Schreiber dieser Szene vor wenigen Jahren im
Monate August den famosen Ort Zappelsdorf in Ungarn
paßirte, fand gerade in der dortigen isr. Gemeinde, welche
aus heterogenen Elementen, die aus allen Windrosen dahin¬
strömten besteht, die Rabbinerwahl statt. Da dieselbe nicht
ganz uninteressant ist, daher finde ich es für angemessen das
Resultat dieser famosen Rabbinerwahl den geschätzten Lesern
dieser weitverbreiteten Blätter mitzutheilen.
Es war gerade an einem Sonntag des Monats August
als die löblichen Repräsentanten der isr. Gemeinde zu Zappels¬
dorf sich gegen 2 Uhr Nachmittags auf Anordnung des viel¬
gepriesenen Präses Ignatz Hocker behufs Besprechung der zu
stattfindcndcn Rabbinerwahl im Gemeindelocale sich eingefun-
dcn hatten.
Der Präses Ignatz Hokcr cröffnete die Sitzung mit
folgenden geistreichen gehaltvollen Worten r Meine Herren,
ich habe Sie heute behufs Besprechung eines sehr wichtigen, ja
eines hochwichtigen Gegenstandes hieher beschicden. Bekanntlich
zählt doch unsere neu im Werden begriffene Gemeinde un¬
gefähr 40 Mitglieder. Wohl sind sie nicht alle von einem
Geiste beseelt und durchdrungen, worüber sich auch niemand
wundern darf, wenn man bedenkt, daß sie aus verschiedenen
Gemeinden verschiedener Länder, wie z. B. der Eine aus
Lemberg, der andere aus Tartokov, der dritte aus Helischau
und der vierte aus Hotzenplotz, zusammengestoppelt sind,
nichtsdestoweniger sind unter ihnen sehr achtbare intelligente
Männer, Männer die fähig sind dem Domestiken am Rüst-
tagc des Versöhnungstages wie am Purim einen ganzen
»Zwanziger" als „Rezclgeld" zu schicken. Eine solche Ge¬
meinde, die überdies einer glorreichen Zukunft entgegengeht,
kann und darf meines Dafürhaltens nicht länger einen Leh¬
rer entbehren. Da nun unser Lehrer und Prediger zufolge
eines ehrenvollen Rufes nach D. seinem hiesigen Posten, den
er volle 3 Monate inne hatte, zur Freude Aller verläßt,
was man ihm übrigens nicht verargen darf, da man doch
nicht ewig auf einen Posten verbleiben kann und überdies sich
doch jeder Mensch stets bestreben soll seine Lage zu verbessern
so glaube ich meiner unmaßgeblichen Meinung nach, daß wir
ungesäumt einen „Lehrerkonkurs" ausschreiben sollen.
Herr mann Arnstein. Was verstehen sie Herr Präses
unter dem Worte Lchrerconcurs?
Ignatz Hoker. Ich meine nämlich, daß wir in der
Zeitung bekannt geben sollen, daß bei unfern sehr würdigen
Gemeinde die Stelle eines Lehrers für unsere zarte Jugend
mit dem Gehalte von 12 Rcinisch pro Quartal sofort zu
besetzen sei.
(Fortsetzung folgt:)
Concnrs.
In der israelitischen Eultusgemeinde in Saaz werden
zum Wintersemester 1867
Itens ein geprüfter Hauptschullehrer,
2 „ ein geprüfter Lehrer, der zugleich die Funktionen
des Cantors und Kores zu übernehmen, befähigt ist, aus¬
genommen.
Mit jedem dieser Posten ist ein fixer Gehalt von 600
fl. pr. anno nebst freier Wohnung, mit letztern auch die üb¬
lichen Emolumente verbunden.
Bewerber wollen ihre eigenhändig geschriebenen, mit
Befähigungszeugnissen belegten Gesuche bis längstens 15.
Juli d. I. dem Cultusvorstande einsenden.
Prag am 1. Juni 1867.
Der Cultusvorsteher
S.
*) De divin. I,
Druck von Senders ö- Brandeis in Prag.