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IV. Zabrgang. Ansbacb-Ltrntzburg, 3. Zanuar 1913, 24. Tewes 5673. Nr. 1.
Inhalt.
Leitartikel: Das Alte. — Generalversammlung der Vereinigung
traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. — Delegiertentag
des Verbandes der Sabbatfreunde in Berlin. — Von der Agudas
Israel. - Deutschland. — Aus aller Welt. — Kleine Notizen. —
Hilfe für die infolge des Krieges in den Balkanländern notleidenden
Juden. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Rätsel-Ecke. — Bd.cs
kästen. — Familiennachrichten. — Haß und Liebe. Geschäftliche
Mitteilungen. — Inserate.
■ Aas
von Dr. D. Anselme.
„Als des Volkes Heiligtum noch stand, da wandte man sich,
wenn man Aufklärung brauchte, an die Alten; denn so r.nßt es
in unserer heiligen Lehre: Frage deinen Vater, und er wird es
dir künden, deine Alten, und sie werden es dir sagen."
Hast du die neuen Heiligtümer gesehen? Dort herrscht um¬
gekehrte Sitte:
„Welcher Weg, glaubst du, führt zum Erfolg, mein Sohn?
Bist du der Ansicht, daß man heutzutage auf Koscher und
Trephe nicht mehr achten kann? Meinst du, ein Mensch, der auf
kaufmännischen Geist Anspruch niacht, muß den Schabbos beiseite
werfen? Wir wollen deinem Glück, mein liebes Kind, um alles
in der Welt nicht im Wege stehen."
„Du meinst, meine liebe Tochter, daß heute die Frau nicht
mehr ins Haus gebannt werden darf? Daß Abrahams Antwort:
„Sie (Sarah) ist im Zelt!" unmodern? Die Frau muß so gut wie
der Mann am politischen und geistigen Leben teilnehmen, glaubst
du? Du weißt zwar, daß sich wohl bald mehr wie ein Mann
finden dürfte, der sich freuen würde, zusammen mit dir einen
jüdischen Haushalt zu gründen. Aber du bist überzeugt, du
würdest dein „Ideal" doch nicht finden? Du willst studieren? —
Gut, meine liebe Tochter."
Hörst du die zitternden Fragen, die ungeduldigen schneidigen
Antworten? Du stehst vor neuen Heiligtümern, die die Aufschrift
tragen: Geld, Einfluß, Macht. In diesen Heiligtümern, siehst du,
da fragen die Alten die Jungen.
Wende dein Auge vom Getümmel des Lebens zur Stätte, wo
man Weisheit lehrt. Du weißt doch, an allen diesen Anstalten
gibt es ein „Katzenbänkchen"? Darf ich dir die armen Platz¬
inhaber desselben vorstellen? Raschi, Ramban, Raschbo! Bei.
solchen Schülern scheint besondere Zartheit schlecht angebracht.
Hast du gehört? „Alte Schmöker"! wirft man ihnen eben an
den Kopf. Doch was entdeckst du da? Namen, die an die Lehrer
des Talmud erinnern! „Rowo, was willst du?" Die ängstlich ge¬
hobene Hand sinkt. Der Schüler beginnt zu reden. Aber seine
Summe erstick! mckcr dem Schelten des Lehrers. Wir hören
nur ein undeutliches i'.murmel: „Suchet den Ewigen, da ihr ihn
findet." Weithin aber küngt vom Katheder das Wort: „Wa^
wißt ihr Allen von wisse-ischastücher Kritik. Ja, wenn ihr von
Gesetzen redet, dann seid ihr die berufenen Erklärer. Aber was
ihr sonst zusammenphantasiert, ist im besten Fall — Symbol,
Poesie. Verlassen wir diesen eigentümlichen Lehrsaal, wo zur
Hälfte der Zeit die Schüler, Lehrer, und zur andern Hälfte die
Lehrer Schüler sind.
Ich hätte dich noch in andere Heiligtümer führen können.
In jenes Gebäude dort z. B., wo vom hohen Portal das Wort
„Richtlinien" weit hinaus ins Land blinkt. Aber jenen Heilig¬
tümern geht das jüdische Gepräge gar zu sehr ab. Und sie
haben mit den vorerwähnten nur das eine gemein, daß auch dort
die Jungen Lehrer der Alten.
Als des Volkes Heiligtum noch stand, da wandte man sich,
wenn man Rat brauchte, an die Alten; denn es heißt in unserer
heiligen Lehre: Frage deinen Vater, er wird es dir künden, deine
Alten, und sie werden es dir sagen.
Komm mit ins alte Heiligtum.
Dort lauschen noch die Kinder den Worten der Eltern, hören
Worte alter Weisheit, wenn es gilt, für den Lebensberuf sich
zu entscheiden: „Die Fülle des Goldes" ist nicht allein das
Erstrebenswerte. Wißt ihr, wie Gott einst Israel mit Gold
überschüttete, bis sogar sie sagen mußten: Genug!, und wie dann
anhob der Tanz ums goldene Kalb? Nein, es ist eine Lüge, daß
Gold ruhig und glücklich macht. Nehmt das Vertrauen mit ins
Leben, daß, der den Tag schuf, auch für seine Speise sorgt;
daun wird nie die Stunde kommen, wo ihr sagt: Man kann
heutzutage nicht mehr alles „halten".
Dort legt der Vater seine Hand aufs Haupt der Tochter und
erzählt ihr von Sarah, Rebekka, Rahel und Leah, wie dieses
Mütter glaubten: Kol Kevoudoli bas Melecli Penimoli,
Daß das Ideal der jüdischen Frau innerhalb ihres Hauses
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