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Nr. 18 .
Das jüdische glatt
meine einzige Pflicht und Aufgabe ist, den wahren Mörder des
jungen Mädchens ausfindig zu machen, wer es auch immer fein mag.
So habe ich meine Untersuchung begonnen und schon nach einigen
Stunden meines Aufenthaltes in Atlanta gewußt, daß das Geheimnis
kein Geheimnis ist. . . .
Die Person des Mörders ist mir bereits vollkommen bekannt,
daran ist nicht mehr der allergeringste Zweifel. In dem ganzen Fall
Frank hat es überhaupt kein Geheimnis gegeben. Man hätte bloß
ein wenig die Spuren verfolgen sollen, dann hätte man gleich die
richtige finden müssen. Der Mörder ist ein Mann in Atlanta, der
bereits von sicheren Personen bewacht wird, und der seinem Schicksale
und seiner Verurteilung nicht mehr wird entgehen können. . . .
Ueber die Schuld oder Unschuld Leo Franks will ich kein
Wort sprechen. Ich will eher nicht die Resultate meiner Nachfor¬
schungen veröffentlichen, bevor mein vollständiger Bericht nicht in den
Händen der Polizei ist. Meiner Meinung nach kann Frank am
17. April nicht hingerichtet werden. . . .
Der Mord an Mary Phagan gehört nicht zu den gewöhnlichen
Verbrechen. Die Ursachen dieses Mordes liegen für mich klar zutage,
und darauf basiert auch meine ganze Untersuchung. . . .
Liebe und Haß, Rache oder Wahnsinn haben mit unserem Falle
gar nichts zu tun. Ein Mann begeht einen Mord mit voller Ueber-
legung oder in einem Momente der Leidenschaft. Das sehen wir aber
im vorliegenden Falle nicht. Und so bin ich zu dem Schlüsse ge¬
kommen, daß dieser Mord eine anormale, unnatürliche Ursache
hat. . . . Als das für mich feststand, begab ich mich auf die Suche
nach dem Mörder. . . . Und ich habe ihn gefunden. Ich bin ihm
auf Schritt und Tritt nachgegangen, seit dem Tage, als der Mord
begangen wurde und bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß diese
Person bestimmt der Mörder ist. Meine vorgefaßte Meinung suchte
ich dann durch Tatsachen zu beweisen und jetzt bin ich auch im Besitze
dieser Fakten....
Es war nämlich für mich nicht allzu schwer, jene Personen aus¬
findig zu machen, die anormale Veranlagung haben. Denn sie können
diese nicht verleugnen und verraten sich selbst durch ihr Benehmen,
ohne Unterschied, ob sie Millionäre, Arbeiter, Rechtsgelehrte oder
Kaufleute find.
Nachdem ich über die Klasse des Mörders im klaren war, habe ich
die Person des Mörders selbst gefunden/und meine weitere Unter¬
suchung bestätigt vollständig meine Theorien.
Der Mann kann mir nicht entwischen... Die Bevölkerung Atlantas
wird ihr schreckliches Unrecht einfehen, wenn ich sie mit meinen Be¬
weismitteln von der Unschuld Franks überzeugen werde. Im Polizei-
depardement wird allerdings daraufhin eine große Umwälzung er¬
folgen. ...
Den Fehler, der hier begangen worden ist im Falle Frank, wird
man verzeihen können, weil die Bevölkerung Atlantas die Verurtei¬
lung Franks gefordert hatte. Es wurden ja furchtbare Gerüchte über
seinen Lebenswandel in Umlauf gesetzt. Es war daher meine erste
Pflicht, diese Gerüchte zu widerlegen, zu beweisen, daß er keinen
schlechten Charakter habe.
Die Polizei und der Distriktsattorney haben zwar die Untersuchung
im Anfang richtig geführt, später sind sie aber einen falschen Weg ge¬
gangen. ..."
Burns schloß seine Mitteilungen mit den Worten:
„In dem ganzen Fall besteht kein Geheimnis mehr für mich. Der
Fall liegt hier ganz klar und alles weist auf den wirklichen Mörder hin."
Die Neger über den Fall Frank.
Das Wochenblatt „Independent", das in Atlanta für und von
Negern herausgegeben wird, veröffentlichte am Samstag den 21. März
einen Artikel mit der Ueberschrift: „Fand gegen Frank ein ordnungs¬
gemäßes Verfahren stakt?"
Der Fragesteller verneint dies gleich im Anfänge seines Artikels.
Er meint, daß gegen den armen Frank eine unerhörte Stimmungs¬
macherei inszeniert worden sei und man von der Jury einfach verlangt
habe, den Juden für schuldig zu befinden.
Der Verfasser erklärt es für seine feste Ueberzeugung, daß ein
solcher Prozeß ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, wenn es
sich um einen Christen gehandelt hätte.
„Man konnte zur Zeit der Abwicklung des Frank-Prozesses", so
heißt es in diesem Artikel, „wenn man durch die Stadt ging, sehr
häufig die Worte hören: „Der Jude ist schuldig!" Nicht Frank, der
Jude war schuldig.... Nicht weil er ein Verbrechen begangen habe,
sondern weil er Jude ist: deshalb mußte er verurteilt werden." ...
Die Negerzeitung befaßt sich im weiteren Verlaufe dieses Artikels
auch mit dem des Mordes verdächtigen Neger Jim K o n l e y. Ueber
ihn hat auch diese Zeitung keine gute Meinung, wenn sie rückhaltlos
sagt:
„Unter gewöhnlichen Umständen würden die Geschworenen nie¬
mals einen Weißen nur auf die Aussagen eines Schwarzen hin ver¬
urteilen. Ein Christ würde auch nie auf die Depositionen eines
Schwarzen von der Sorte Konleys verurteilt worden sein. Wir sind
der Meinung, daß man Jim Konley nicht glauben darf. Wir
wollen nicht die Frage aufwerfen, ob Konley in diesem Prozeß die
Wahrheit gesagt hat oder nicht. Der größte Lügner kann auch einmal
die Wahrheit sagen. Aber einen Menschen auf die alleinige Beschul¬
digung eines Jim Konley hängen — das darf nie und nimmer ge¬
schehen. Unter solchen Voraussetzungen ist noch nie ein Weißer ver¬
urteilt worden....
Frank erklärt sich für unschuldig, und wer behauptet seine Schuld?
Ein Mensch, der dreimal einen Meineid geschworen hat, der Aus¬
sagen ablegte, die er später selbst als Lügen bezeichnete — Jim
Konley....
Rassenhaß ist an und für sich ein Verbrechen. Und wo er herrscht,
gibt es eben keine Gerechtigkeit, kann man kein objektives Urteil er¬
warten.
Zur Zeit des Prozesses hörte man immer, daß Mary Phagan
entweder von dem Juden oder von dem Neger ermordet worden
ist. Und ein Jude ist auch nicht mehr als ein Neger, nein, sogar
weniger — wie die Verurteilung manifestiert.... Also, warum
und worin ist Frank schuldig? Darin, daß er ein Jude ist. Wir
schließen uns dem „Atlanta Journal", jenen Geistlichen und anderen
gebildeten Menschen an, die ein neues Strafverfahren für Frank for¬
dern. Wir verlangen dies, weil er ein Amerikaner, und weil er ein
Mensch ist.... Frank war es leider nicht möglich, seine Unschuld zu
beweisen. Die Folge seines Freispruches wäre ein Pogrom ge¬
wesen, denn die Massen, der Mob, war so fanatisiert und aufgehetzt
worden, daß ein anderes Verdikt als „Schuldig" gar nicht möglich
gewesen wäre...."
Die Neger von Atlanta sind also, obwohl doch eigentlich Jim Kon¬
ley zu ihnen gehört, überzeugt, daß e r der Mörder Mary Phagans
ist, und sie stehen auch nicht an, es öffentlich zu erklären....
Vom Hilfsverein der Deutschen Juden.
Berlin. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hielt Sonntag seine
diesjährige stark besuchte Hauptversammlung ab. Nach dem von
Tr. James Simon erstatteten Bericht über die Tätigkeit des Hilfs¬
vereins im Jahre 1913 war der Hilfsverein im weiteren Auf¬
steigen begriffen. Die Mitgliederzahl hat sich erhöht. Die Jahres¬
beiträge beliefen sich mit derr Neuanmeldungen für 1914 bereits
auf 185 000 ctl. Zu diesen regelmäßigen Jahresbeiträgen kamen
eine Reihe von Schenkungen und Zuwendungen, die 1913
200 000 dt betrugen. Die regelmäßige Tätigkeit des Hilfsvereins,
die Unterhaltung und der notwendige Ausbau des Schulwerks
in den Ländern des Balkans und des Orients und das Hilfswerk
für die armen Juden im Osten und für die Auswanderung, er¬
forderte allein eine halbe Million Mark. Im Jahre 1913, wo das
Balkanhilfswerk besondere Anforderungen stellte, erreichten die
Ausgaben die Höhe von rund einer Million Mark. Das Schul¬
werk des Hilfsvereins umfaßt gegenwärtig 44 Anstalten mit ins¬
gesamt rund 7000 Schülern. Gegen Schluß des Jahres sei in
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