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Nr. 3
Mitteilungen des Israel. Lehrervereins für Bayern
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Zur Beamtenordnung
Aul der Augsburger Tagung wurde die Beamten¬
ordnung nach eingehender Beratung von R;d und
Tagung einstimmig angenommen. Dieselbe regell
nun dir Pflichten und das Diensteinkommen sowie
die Versetzung der Beamten in den Ruhestand, die
Fürsorge für die Hinterbliebenen und die Unfall¬
fürsorge in gesetzlicher Form. Da auch Dienstauf-
siclit und Dienststrafrechl nach dem Muster des
Staatsbeamtengesetzes geregelt sind, hal der Staal
die Anerkennung der jüdischen Beamten als öffent¬
liche Beamte ausdrücklich gebilligt.
Von den einzelnen Bestimmungen, die abwei¬
chend von der ersten Fassung angenommen wur¬
den, liehen w ir den vielumstrittenen $ Absatz 4,
der von der Vorbildung der Religionslehrer handelt,
und nunmehr folgenden Wortlaut hal. hervor: ..Als
Religionslehrer kann nur angestellt werden, wer die
Abschlußprüfung an einem staatlich anerkannten
israelitischen Lehrerseminar oder einer staatlichen
Lehrerbildungsanstall einschließlich der Prüfung in
den Religionsfächern nachweist. Dem Rate bleibt
es vorbehalten, in Notfällen die Besetzung von Leh¬
rerstellen durch Beamte, welche den Anforderun¬
gen des Absatz I nicht entsprechen, durch allge¬
meine Anordnung zu regeln.
Neu wurde in § 7 bestimmt, dal.» im halle der
Auflösung einer Gemeinde der Beamte Anspruch auf
Wartegeld gegenüber dem Verband Bayer, israeli¬
tischer Gemeinden habe, doch sei der Verband be¬
fugt, ihn in einer seiner Vorbildung entsprechenden
Weise in einer anderen Gemeinde zu verwenden.
Gleichzeitig erfolg! eine Neuregelung der Leitsätze
über die Besoldung der Beamten, worüber in der
nächsten Nummer nähere 1 Mitteilung erfolgen wird.
Auch ;ni dieser Stelle wollen wir nicht versäumen,
den Organen des Verbandes für die gerechte und
wohlwollende Ordnung der Rechtsverhältnisse der
jüdischen Beamten Bayerns den wärmsten Dank
a uszusprechen.
Gefährdeten-Fürsorge
Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden
in Berlin teilt uns mit. dal.» der Kollege Georg Sa-
wady, Lehrer an (Um- ersten Schule für Schwer¬
hörige der Stadl Berlin, vom Verband der jüdischen
Lehrervereine im Deutschen Reiche zur Mitarbeil in
der Zentralwohlfahrtsstelle delegiert worden sei. Durch
diese Delegation wird eine Verbindung zwischen
der Lehrerschaft und der Zentralwohlfahrtsstelle
geschaffen, die zur Förderung der Bestrebungen der
Wohlfahrtspflege beitragen soll. Insbesondere wird
von der Mitarbeit der jüdischen Lehrer Rat und
Hille in den Fragen der modernen Jugendwohlfahrt
erhofft, da so manche Schwierigkeit nur mit Hilfe
der Pädagogen aus der Well geschafft werden
könne.
Im Anschluß an das Schreiben des Zentralwohl¬
fahrtsstelle erbittet Kollege Sawady noch eigens die
Mitarbeit aller jüdischen Lehrer Deutschlands. Jeder
möge sein Scherflein an werktätiger Fürsorge beitra¬
gen, denn gerade die Gefährdetenfürsorge sollte zu
des Lehrers edelster Pflicht gehören.
Da es sich zunächst darum handelt. Pflegestellen für
Kinder und Jugendliche ausfindig zu machen, so er¬
suchen auch wir unsere Mitglieder, besonders die
Kollegen auf dem Lande und in Kleinstädten, um
Angabe von Adressen solcher jüdischen Familien,
die hereil wären, gefährdete jüdische jüdische Ju¬
gend, natürlich gegen Entgelt, hei sich aufzunehmen.
Indem wir dieses Ersuchen bekanntgeben, möch¬
ten wir zugleich unserer Genugtuung darüber Aus¬
druck verleihen, daß die Zentralwohlfahrtsstelle den
Weg zur Lehrerschaft gefunden hat. Möge das hier¬
mit gegebene Beispiel auch anderwärts und auf den
übrigen Gebieten der Wohlfahrtspflege Nachahmung
linden zum Segen der jüdischen Jugend!
Personalia
Marktbreit. (G o Idene Hochzeit). Herr Leh¬
rer a. D. Leopohl Adler, Marktbreit, der vor 4 Jah¬
ren sein goldenes Dienstjubiläum begehen konnte
— 50 Jahre unterichtete er an der dortigen Real¬
schule — feierte mit seiner Gattin in voller Rüstig¬
keil am 7. März seine goldene Hochzeit. Adler ge¬
hört zu den ältesten Mitgliedern unseres Vereins
und hal sich insbesondere um unsere Unterstüt¬
zungskasse große Verdienste erworben. Auch von
dieser Steife aus unser herzlichstes Massel tof!
Von der Bezirkskonferenz
Ansbach
Einem Bericht des stellvertretenden Schriftführers
Schmid (Ansbach) über die letzte Sitzung der Be¬
zirkskonterenz, entnehmen wir: Der neugewählte
Vorsitzende. Hauptlehrer Levite (Günzenhausen)
dankt nach Begrüßung der Erschienenen dem bis-
herigen langjährigen Leiter der Konferenz, Haupt-
lehrer Strauß (Uffenheim), für seine energische und
segensreiche Arbeit innerhalb des Konferenzbezirks
und bittet, dal.» derselbe auch weiterhin seinen
klugen Rat. wie seine bewährte Mitarbeit dem Bezirk
widmen wolle. Nach Erledigung persönlicher Dissi-
dien zweier Mitglieder, referiert Strauß (Uffenheim)
über die' Beamtenordnung des Verbandes, zu wel¬
cher die Konferenz in einer Entschließung Stellung
nimmt. Hofmann (Rothenburg) dankt noch für die
ihm anläßlich seines Jubiläums erwiesene Aufmerk¬
samkeit, worauf der Termin für die nächste Zusam¬
menkunft bestimmt wird.
Berichtigung.
Die Mitteilung, daß Lehrer Lehmann (Eschau)
aus dem Vereine ausgetreten sei. beruhte auf einem
Mißverständnis. Kollege Lehmann ist weiter Vereins¬
mitglied.
Einzahlungen im Februar 1926
Von: Goldstein, Würzburg 10.—, Brückheimer,
Marktbreit 15.—. Pollack. Marktbreit 7.—, Wahler,
Hörstein 20.—, Adler, Marktbreit 7.—, Steinhäuser.
Höchberg 15.—, Dr. Bamberger, Nürnberg 20.—,
Baracker, Sulzburg 5.—, Herz, Altenmuhr 15.—,
Schmid. Ansbach 15.—, Weichselbaum, Adelsberg
25. —. Regenshurger. Kriegshaber 15.—, Geßner.
Rostock 5.—, Nußbaum, Dahn 5.—, Reut,», Hofheim
Durch: Goldstein, Würzburg 46.20, Hellmann.
Würzburg 100.—, Gutmann, Burgpreppach 14.—,
Rosenstein, Schopfloch 23.30, Mannheimer, Dettel-
bach 15.—, Mandelbaum, Würzburg 20.—, Fuchs,
Grönheim 37.15, Dingfelder, München 100.—.
Würzburg, 28. Februar 1926. M. Hellmann.