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Mitteilungen des Israel. Lehrervereins für Bayern
Nr. 6/7
der vielseitigen Tätigkeit für jüdische Angelegen¬
heiten fand Strauß noch Zeit, sein tiefes Wissen
in den Dienst des öffentlichen Lebens der Stadt
und des Bezirkes zu stellen. So betätigte er sich
hervorragend bei der Errichtung des Heimatmu¬
seums in Uffenheim, wozu seine ausgezeichnete
Sachkenntnis ihn ganz besonders befähigte. Seine
Verdienste fanden stets entsprechende Würdigung,
was unter anderem in der Verleihung des Titels
Hauptlehrer seitens der Regierung wie der Er¬
nennung zum Ehrenmitgliede des Heimatmuseums
zum Ausdruck kam.
Kollege Strauß gehört seit 1893 unserem Ver¬
ein an und ist seit 1903 ununterbrochen Mitglied
der Verwaltung. Einer der eifrigsten Mitarbeiter,
hat er stets opferfreudig seine ganze Kraft in
den Dienst unseres Vereins gestellt. Mit besonde¬
rem Danke sei seiner wertvollen Mitarbeit an
unseren „Mitteilungen" gedacht. Strauß hatte auch
das Glück, einen Teil der Ziele unserer Bestre¬
bungen verwirklicht zu sehen. Die Verwaltung
sendet ihm und seiner treuen Lebensgefährtin die
herzlichsten Glückwünsche zum bevorstehenden
Ehren- und Jubeltag und wünscht, daß dem Ju¬
bilar an der Seite seiner Gattin ein langer, glück¬
gesegneter Ruhestand beschieden sein möge.
Wir hoffen, uns noch recht lange seiner Mit¬
arbeit an den Zielen und Aufgaben des Lehrer¬
vereins erfreuen zu können.
Aus vergilbten Schulakten
Von A. Strauß (Uffenheim)
(Schluß.)
2. Die unter öffentlicher Versammlung dem Leh¬
rer vorgelegten Schikane, worüber viel Lächer¬
liches und Auffallendes angeführt werden könnte.
Bemerkenswert ist aber folgendes:
Nachdem vor 2 Monate die hiesige Vorsänger¬
stelle eine Zeit lang vakant blieb, ließen mich
aufrührerische Leute auf die Gemeindestube ho¬
len, um mir den Dienst aufzubürden. Ausgehend
von dem Gedanken, dadurch wird der Mensch
vertrieben, weil der Vorsänger nur eingeführte
beliebte Töne zu machen hat; welches ich aber
nicht tun würde, denn der Staat will nur vorgebe¬
tet nach Silben, Wort und Ton haben, das gäbe
in der Synagoge öffentlichen Spektakel und
brächte die noch allenfalls unbestimmten Mei¬
nungen über einen Leist, nämlich auf die Seite
des Empörers. Der Zweck der Regierung ist es,
zur Erleichterung der Gemeinde und dem Wohle
des Lehrers, wenn Lehrer und Vorsänger sich in
eine Person vereinigen. Hier wäre die Last der
Gemeinde erschwert, da sie einen besonderen
Schächter mit theuerem Gelde ernähren müßten;
dem Lehrer hingegen würde man schlechterdings
keine Zulage billigen. Kurz, die gehässigsten
Stimmen hörte man in alphabethischer Ordnung.
Bald darauf hieß es; Wenn er auch einen Sab¬
bat die Stelle in der Synagoge versiehet und in
der göttlichen Verehrung keine Störung körnt;
so legen wir ihm eine Prüfung vor. Welcher
schiefer Gedanke! Ein Vorsänger bedarf einer
Prüfung!
Gründe dafür und dagegen: 1. Eine durch die
k. Regierung des Obermainkreises veranstaltete
Kommission prüfte mich nach dem Austritte aus
dem Seminar, als Lehrer und Vorsänger;
2. Braucht der Kirchner auch nicht vom Staate
erprobt sein; Nicht lange stand es an, bis eine
kränkelnde Stimme lautbar wurde: wir tragen
an auf eine besondere Schulkommission. Welcher
alberner Vorschlag! Als wolle der eine oder der
andere christliche Bürger zu W. die Schulbe¬
hörden dieses Landgerichts für den Lehrer selbst
verneinen und einen aus Marokko beschreiben.
Sogar soll der Lehrer selbst unter vorher genom¬
mener Erlaubnis sich keinen Sommertag zum
Vergnügen wählen dürfen, ja schief aufgeweckte
Köpfe bemühten sich schon sehr, dem Jugend¬
bildner Vorschriften zur Anwendung der Zeit außer
der Schule zu geben. Alle weltlichen Zerstreu¬
ungen würde man wohl billigen, nur nicht das
Studieren in den langen Winterabenden, weil der
Lehrer weiter und die Kinder zurückkämen!?
Man denke ja nicht, daß die dadurch bezweckende
Fortschritte des Lehrers, die man ohnehin mit
schiefen Augen ansiehet, allein Ursache dieser
aufrührerischen Äußerung sey; sondernder Eigen¬
nutz im Abkargen der Beheitzung den Winter
über und also hinsichtlich des Holzmaaßes ob
mehr oder weniger zu gebrauchen, ist, bestehet;
um nun für die Folge dergleichen Hindernisse
beseitigt haben zu wissen, bittet der Suplikand
die Königl. Lokalschulkommission dahin zu ar¬
beiten, daß das nach allerhöchster Vorschrift
dem Lehrer zukommende Holzbedürfniß (der
auch mit freibeheitztem Zimmer dekrediert ist)
genau und zwar in Geld bestimmt werden.
Aus folgenden Beweggründen: l.Da bey her-
anschreitung des Winters aus der Gemeinde sich
niemand für das Holzanschaffen vorfinden will,
der Barnaß, dessen Sache es eigentlich nicht ist
und doch schon oft lange in dieser Hinsicht an
der Gemeinde ausgelegtes Geld zu fordern hatte,
will es auf die Gemeindepfleger verschieben, diese
aber wollen sich durch verschiedene Ränke da¬
von entledigen, oder wenigstens die Sache lange
in Zögerung bringen, so könnte leicht durch
Mangel an Beheitzungsmittel Störung des Unter¬
richts bewirkt werden; 2. Geschiehet es auch,
daß man Holz anschafft; so wird in der Regel nur
für die höchste Not gesorgt, abgesehen von dem
irrigen Wahn, nur die Schule bedürfe der Be¬
heitzung, der Lehrer aber außer der Schule nicht,
welchem doch von einer K. Regierung laut Dekret
freie Wohnung nebst Beheitzung zugetheilt ist.
Hierzu kommt noch: 3. Die Herabwürdigung
des Lehrers in Wirthshäusern, wo der Schule
abgeneigte Subjekte, die öfters Anträge des Leh¬
rers in dieser Beziehung ausposaunen und dazu
gleich öffentlich ihre Urtheile fällen, ohne Berück¬
sichtigung der zugegen seyenten Personen.
Die über des Holzgebrauches zu bestimmende
Geldsumme, sey der weit umfaßenden Einsicht
der königl. Schulbehörde, die gewiß alle Verhält¬
nisse in Erwägung bringt, überlassen.
Zum Schlüsse möchte ich noch gebeten haben,
die Rülpen und ausgearteten Zöglinge (folgen 6
Namen von Schülern) und deren Verübten Feh¬
ler ins Auge zu fassen, auf daß diese andere in
der Folge zur Strafwarnungslehre dienen. Aber
auch die zur Aufrechterhaltung der Schule und
zum Wohle des Lehrers (als einwirkende Person
auf eine ganze Generation) dienenden Beförde¬
rungsmittel, wovon einige angedeutet sind, mö¬
gen in Erfüllung gebracht; hingegen die dem
Lehrer und der Schule entgegengesetzten ver¬
giftenden Einschreitungen, wo möglich aus dem
Wege geschafft werden.
Hochachtungsvoll verharret
Einer Königl. Schulkommission ganz gehorsamer
N. N.
Religionslehrer.
Welchen Erfolg diese Beschwerde hatte, ist aus
den Akten nicht ersichtlich.