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reits domals nicht allein einmal eine der genannten, sondern
auch der ältesten unter den Israeliten war. Schudt in seiner
1714 gedruckten Geschichte der Frankfurter Juden führt aus¬
drücklich ein Haus genannt „Zum Rothschild" (Battou V.
Bd. der örtlichen Beschreibung von Frankfurt: Rothes Schild.
Haus zum roden. Schild in der Nuwengassc anno 1470) an
in der Liste der Häuser, welche vor 1612 existirten. Die
Thatsache, daß die Rothschild'sche Familie in der ersten Hälfte
des letzten Jahrhunderts und später in dem Hause „Zum
Grünschild" wohnte, läßt sich aus dem Umstande erklären,
daß nach der Feuersbrunst sehr viele Familien, nach eigenem
Willen oder nicht, ihre Wohnungen änderten. Das Haus
„Zum Rothschild" war von fünf Familien bewohnt, während
das „Zum Grünschild" t ur eine einzige beherbergte. Nach
alledem erscheint es sehr unwahrscheinlich, daß die Rothschilds
entstammten oder ihren Namen trugen von der dänischen
Stadt Roeskilde; die Bedeutung dieses Namens wäre übrigens
auch nicht „Rothes Schild", sondern „Rothe Quelle." So
viel von den verbindenden Gliedern in der Kette der Roth-
schild'schen Familiengeschichte. Amschel Moses Rothschild muß
um das Jahr 1710 gebaren sein. Sein Sohn Mayer
Amschel Rothschild heirathete in eine angesehene Frankfurter
Familie: Schnapper.
Allerlei für den Familientisch.
Der Fürst von Bulgarien.
In Charkow (Rußland) ist einer der Krösusse das
Opfer eines interessanten Gaunerstreichs geworden. Eintge
Gauner, gewiegte Kerle, verkleideten sich als-Bulgaren
und — trugen dem qu. Krösus 5b. die Krone au. 5b. fragt:
„Wie komme ich zu dieser Ehre?" Gauner: „Sie Huben als
Armen-Lieserant im lussisch-türkischen Kriege die Zuneigung
der Bulgaren erworben." 5b. : „Ich bin ja aber doch Jude!?"
Gauner: „Das schadet nichts; in Bulgarien ist Gewissens¬
freiheit". 5k.: „Ich bin alt; wählt lieber meinen Sohn, der
hat Jura studirt." Gaul'cr: „Nein, wir haben nur Auftrag,
Ihnen die Krone anzubieteu." — Endlich kann 5b. nicht
mehr widerstehen und nimmt die Krone an. „Hurrah, es
lebe unser Fürst", rufen die Gauner, heben den neuen Fürsten
in die Höhe, und-stahlen bei dieser Gelegenheit seine
goldene Uhr und die wohlgespickte Börse. — Jedenfalls gut
erfunden!
Zum Chanuka-Fest 5647*
Ein Jahr verging, und wieder herrschet Freude
Ob unsrer Ahnen ruhmesrcichen Krieg
Der Makkabäerhelden mit dem Syrerkönig,
Der glorreich endete mit ihrem Sieg.
Die Weihe, die man damals hat gefeiert
Durch Freudenlichter nach dem blut'gen Strauß,
Sie ist geblieben, denn von Festesflammen
Strahlt jetzt auch wieder jedes Front-en Haus.
Und das mit Recht. Soll man nicht jubeln dürfen,
Daß unsrer Väter so geringes Heer,
Von Gott nud seinem Glauben ganz begeistert,
Dem starken Syrer sich gestellt zur Wehr?
Daß sie zur Wahrung ihrer heil'gen Lehre
Das Leben muthig setzten auf das Spiel
Und daß sie endlich in dem Heldenkampfe
Freiheit erfochten, ihres Strebens Ziel?
Nicht Freude*- bloß soll jener Sieg erregen,
Nein, Kraft und Muth*) mach' uns der Helden werth,
Daß wir gleich ihnen gen der Feinde Menge
Für Glauben kühn erheben unser Schwert.
Dann werden wir wie jene alten Recken,
So viel der Gegner drohen unfern Reih'n
Im Glaubenskampfe ihre Macht bezwingen,
Gott hilft zum Sieg, wir werden Sieger sein.
Leo Frankel.
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Sechs Chariirlrah Räthsel.
Von 6. in R
I. Deutsches Kogogryph.
In Palästina lag die Stadt,
Die manchen tapfcrn Helden halt';
Sie wurde noch als Gott verehrt,
Nachdem den Kopf sie hat entbehrt.
II. Deutsches Kogogryph.
Ein Priester und ein Held zugleich,
Nur wen'ge sind an Mnth so reich;
Wer richtig combiniren kann,
Der findet in ihm Frau und Mann,
Die erste von uns hochgeehrt,
Der zweite schrift- und gottgelehrt.
III. Deutjch-srauzöstsches Mortrathel.
Wer's halb nur trägt, trägt oft schon schwer;
Doch nach zwei Jahren hinterher
Wird d'raus ein Held, bereit zur Wehr,
Der einst gekämpft für Juda's Ehr'.
IV. Deutsches Homonym.
Ein Vogel ist es und kann fliegen;
Man sah es einst nach grpßeu Siegen.
V. Hrbriihches Kogogryph und Anagramm.
Es war ein böser Feind,
Der unser Volk bedroht;
Doch in ihm selbst erscheint
Der Retter in der Noth.
In Jenen, die gehetzt,
Wenn sie sich umgedreht, —
Steht erst der Kopf zuletzt, —
Ihr Gottes Hülse seht.
VI. Arithu.etliches Unthsel.
(Hebräisch.)
Das Produkt der ersten Zeichen
Muß dem Quadrat des dritten gleichen;
Beide finden in dem vierten
Die Rechenmeister, die studirten.
Nach alter Kunde fand das Ganze
Einstmals statt beim Lichterglanze;
Doch nie steht's für sich allein,
Denn es will begleitet sein.
Wer die Auflösung sämmtlicher 6 Räthsel uns einß<^^^
erhält als Prämie ein hebräisches und ein deutsches Buch; wt
nur die der 4 ersten, erhält ein deutsches, wer nur die der2letzten ein¬
sendet, ein hebräisches Buch als Prämie. Der Einsendung der richtigen
Auflösung muß die Postquittung für das Abonnement auf das erste
Quartal des neuen Jahrgangs unserer Wochenschritt, sowie eine resp.
zwei Zehnpfenigmarken zur Frankatur der Zusendung der Prämie resp.
Prämien. Die Einsendung muß bis zum 3l. December c. erfolgen.
Der richtige Löser hat die Wahl zwischen folgenden hebr. resp. deutschen
Büchern: DTOn Wipb NNLQ matp r6an (Curs. I unb II);
Culturbilder aus dem Leben der Juden in Galizien von Nathan
Samuely; Chajim Prostack, histor. Erzählung aus der Entstehuugs-
zeit des Chassidismus von A. S. Weißmann __
Auflösung der Räthsel in vor. Ur.
I. Antisemit (Anfang, Titus, Segen, Mitte).
II. nai2 (Andacht), nstin «.Lichtweihefest).
in. Sjrn (5 x 10 = 1 20 + 30-.
IV. Oel, Leo (LöweV
Verantwortlicher Redacteur vr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolfs, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.