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-as בית המדרש war, sind ebenfalls noch zwei Steine anzu-
treffen. Der älteste enthält folgende Aufschrift:
ויצב יעקב מצבה
לראש ווגתו הגונה
הנאדדת שנל בת ר׳ שמואל
שהלכה לעולמה מר ימים
לחדש שבט שנת מה' לפרט 7
ת׳נ׳צ׳ב׳ה' א׳ם/
Dieser Stein zeigt also das Jahr 1295 der gew. Z.
Der andere Grabstein im vorerwähnten Hause befindet
fich am Eingänge des Hauses mit der Aufschrift:
פה טמונה נערה הנונה
שרה דל' בת הר׳ר' ברוך
הכהן ביום א' מ׳ כסליו
שנת הכד לפ׳ה אלף הששי
ת׳נ׳צ׳ב׳ה'
Dieser Stein zeigt das Jahr 1449 der g. Z.
Auf allen diesen Steinen nur wenige Spuren irgend
einer besseren Begabung in der hebräischen guten Schreibweise.
Daraus ist übrigens kein Schluß zu ziehen, wenn man be-
denkt, daß heute noch die am wenigsten befugtesten Individuen
mit der Abfassung dergleichen Epitaphien betraut werden, ein
Umstand, der bei der allgemeinen minutiösen Beobachtung des
Todtencultus bei Israeliten auffallend erscheint.
Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach.
Historisch-romantische Erzählung von I.
(Fortsetzung.)
״Ruschka, Ihr lebt?" brachte endlich Frank mühsam her-
vor; ״Ihr seid nicht das Opfer jenes wüthenden Sturmes
geworden, wie ich befürchtete."
״Wie Du siehst, Frank, ja, wir leben, und wir sind
glücklich!"
״Glücklich, und ich wußte es nicht, erhielt kein Lebens-
zeichen?!"
״Wozu auch? Wir wußten, wo und wie Du lebtest.
Wir rechneten auf Deine Dankbarkeit und vertrauten Dir,
nachdem wir erfuhren, wie sehr Du Dich bestrebtest, jene
schwere Aufgabe zu erfüllen, die Du von ״Hoheit" übernom-
men hattest. Du suchtest nach Sibirien 'zu dringen, dort
den Aufenthalt eines Mannes zu erforschen, von dem Du
nicht einmal wußtest, in welchen Beziehungen er zu der Dame
stand, die auch Deinem Herzen nahe stand, wie allen den-
jenigen, die sie damals auch nur einmal sahen. Der Mann
— ist wiedergekommen aus Sibirien, seit mehreren Wochen;
wahrscheinlich glaubten die Feinde, Elisabeth habe ihn ver-
gessen im Rausche der Genüsse, denen sie sich seit jener Zeit
der Trennung, ohne Maß und Bedenken, hingab. Freust Du
Dich dessen?"
Ein tiefer Schatten flog über das Antlitz Frank's. Dann
sprach er:
״Ich habe hohe Aufgabe erhalten von meinem Herrn.
Du hast es eben mit angehört, wie alle diese auf mich ver-
trauen. Nun denn, ich kann sie nur erfüllen durch die reichen
Mittel, die mir ״Hoheit" zur Verfügung gestellt. Ihr gehört
mein Leben; ich thue, was sie von mir verlangt und grüble nicht/
״Recht so, das erwarteten wir auch", antwortete Ruschka.
״Deine hohe Aufgabe" — ein spöttisches Lächeln glitt bei
diesen Worten über die Züge der Alten — ״wird uns nur
unterstützen, nicht schaden. Nun denn, ich habe einen Auftrag
von Hoheit für Dich. Willst Du mich anhören?"
״Ich höre und werde thun, was Hoheit befiehlt."-
Es war fast Mitternacht, als Ruschka das Zimmer Frank's
verließ. Als sie sich erhob, sagte sie, indem sie den Finger
auf ihre Lippen legte:
״Du wirst also schweigen?"
״Ich werde schweigen, wie der Tod."
״Und Du wirst morgen nach dem Orte reisen, den ich
Dir angegeben habe?"
״Ich werde morgen abreisen."
״Und wirst dort auftauchen mit einem jungen ״ge-
fügigen" Weibe?"
״Ich werde thun, wie Hoheit wünscht, so schwer mir es
auch wird . . ."
״Nun denn, ich werde es Hoheit sagen. Du kannst auf
ihre Dankbarkeit zählen. Sie wird Dir die Mittel zu einem
fürstlichen Leben bieten und Dir auch ferner in Gnaden ge-
wogen bleiben. Sie gedenket Deiner oft. Wenn ich nicht
mehr zu Dir kommen sollte, so vergiß nicht ihres Erkennungs-
Zeichens, des halb gebrochenen Ringes, den sie Dir damals gab."
״Ich vergesse nicht."
Als Ruschka vor der Thüre des Hauses sich von Frank
verabschiedete, glaubte er ganz in der Nähe seines Hauses
eine einsam kauernde Gestalt im Dunkel der Nacht wahrzu-
nehmen. Aber — der muthige Heilige fürchtete sich, näher
hinzutreten. Er tröstete sich mit seiner Phantasie, die ihm
stets unheimliche Bilder vorgaukelte — und trat ins Haus
zurück, das er sorgsam abschloß. Jetzt trat auch die Gestalt
aus der verbergenden Nische deutlich hervor und auf Ruschka zu.
״Er hat eingewilligt", sagte die stolze Frauengestalt, die
Frank gekannt hätte, wenn er nur etwas näher hinzugetreten
wäre. Sie war nicht zu verkennen. Es war die ״Hoheit",
״Elisabeth", wie Ruschka auch sagte. Ihre Stimme war wohl
rauh, hart geworden und nicht mehr wie dazumal, als sie
auf dem Schiffe Frank gegenüber stand.
״Er steht zu Deiner Verfügung, Hoheit."
״Gut denn, so wollen wir wieder in unsere Heimath
zurückkehren und dort leben und — genießen, mit vollen
Zügen. Fort mit allen Schwächen und Träumereien...."
(Fortsetzung folgt.)