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Neiw-bestrebt ist, ihre frühere. Herrschaft über die ׳״Geists: und
das Leben der Menschen wieder zu gewinnen, wobei selbst-(
redend von Gewissensfreiheit.und Gleichberechtigung Widers-:
denkender nicht mehr-die'Rede sein konnte. -Und da Mte eK^
nicht nöthig sein, das Chanukafest zu feiern und zur fortwäh-
renden Kampfbereitschaft Israel, die alte Kämpferschaar für
Recht und Wahrheit, zu ermahnen?
In hohen wie niederen Kreisen verhält man sich anti-
pathisch gegen Juden- wie Judenthum. Renan unter dem
fast seit einem Jahrhundert judenfreundlichen Regime Frank-
reichs spricht den Juden insgesammt den bösartigsten und
gefährlichsten Character zu und läßt ״den braven Juden"
höchstens als Ausnahme gelten. Der ultramontane Franz
spricht von einer Juden-Macht und -Herrschaft über die
christliche Welt durch Presse und Börse und fordert ge-
radeaus den Pöbel zu einer neuen Judenhetze aus. Tages-
blätter, welche diese Aufforderung absichtlich unter das Volk
verbreiteten, sind dafür rechtlich verurtheilt worden. Wagner
m großen-, MffenthateN gesucht tvuch^ in Aer Be-
dechung. des GeffclHs und des Leibös mit Wunden Md Nar-
ben, in der Benetzung der Hände ׳ mit dem HerKute des
Feindes: so ist es heute noch Sei den germanischen und r-Ma-
nischen Völkerstämmen. Wir acceptiren recht gern das-! Ve-
kenntniß, daß die Juden mehr zur Friedfertigkeit, als zum
Kriege geneigt sind, obwohl sie von den Zeiten der Makka-
Säer bis heute nicht weniger - Beweise der Tapferkeit und des
Heldenmuths gegeben haben als Andere. Wir haben die
Freude, darin alle Vernünftigen auf unserer Seite zu sehen,
und wissen, daß, selbst wenn die Staaten zum Kriege rüsten,
ihnen doch der Friede erwünscht ist, wenn sie aber zur Ver-
theidigung des-Vaterlandes Krieg -führen müssen, auch die
Juden bereitwillig und opferfreudig diesem Rufe folgen.׳ Die-
fer characteristische Unterschied ist zum Theil durch die Religion
erzeugt oder doch genährt worden, denn das Judenthum strebt
den Frieden an zwischen einzelnen Menschen und ganzen
Völkern und gründet seine Propaganda auf friedliche Ge-
spricht wegen der musikalischen Größen unter den Juden ; winnung und geistige Ueberzeugung, während Ehristenthum
von einer gefahrdrohenden Beherrschung der Musik durch dis und Islam sich mit Feuer und Schwerdt verbreitet und An-
Juden, die er Verjudung der Musik nennt, wie andere christ-. erkennung verschafft haben. Ist es da nicht nothwendig, dem
liche Judenfeinde auch die jüdische Geldmacht eine Verjudung! Judenthum Einfluß zu verschaffen und seine Grundsätze zur
des Capitals genannt haben. Der Versuch einer Verchrist-> Anerkennung zu bringen? Das Christenthum hat zu wenig
lichung des Capitals ging von Betrug aus und hat mit be-, Einfluß auf die׳ religiöse Bildung und Gestaltung der Erden-
trügerischen Bankerot und strafrechtlicher Verurtheilung der! Verhältnisse gesucht, denn es versetzt den Mittelpunkt des
Betheiligten gar bald geendet. Ketteler schreibt den Cultur-! Erdenlebens in den Himmel und eine abstracte Idealität,
kampf der Gegenwart, die offenbare Zersetzung des Christen-! Selbst die viel gerühmte christliche Liebe ist nur darum an-
thums und die Entchristlichung der Welt ebenfalls den Juden i ders geartet, als die jüdische und findet nur darin eine Recht-
zu, also auch eine Verjudung der christlichen Kirche und Re-^ fertigung ihres Namens, weil sie, ohne Rücksicht auf die ir-
ligion. Die Zersetzung des Christenthums ist zunächst eine ן dischen Verhältnisse und das weltliche Recht der Menschen,
Folge seiner unzähligen Sectenspaltung, und diese wieder eine! anräht, dem Räuber den Rock zum Mantel zu/geben und
Folge davon, daß keine Secte, und darum auch nicht das! dem Beleidiger außer der rechten auch noch die linke Wange
Christenthum die reine und volle Wahrheit lehrt. Die Wahrheit j hjnzureichen. Nicht daß das Judenthum das strenge, formale
ist nur eine; darum ist auch dasJudenthum, als deren Träger, stets ^ Recht als den Maßstab des gesellschaftlichen Lebens hinstellte,
einig und nie sectirisch gespalten gewesen. Die Juden zersetzen das im Gegentheil, es fordert Gerechtigkeit, die das Recht mit
Christenthum und etttchristlichen die Welt nicht; aber die Wahrheit! Liebe paart, ja selbst zur aufopfernden That verpflichtet und
des Judenthums drängt ück, rmrft dfmMtcfien Denkern auf i auck» diese nocl! redaka ..Gerecbtiakeit" nennt, aber es für diese
auch christlichen Denkern auf
1 auch diese noch zedaka ״Gerechtigkeit" nennt, aber es für diese
nicht blos auf eine Anregung des Gefühls ankommen läßt
srachamim ״Barmherzigkeit"), sondern gebietet, daß sie chesed
d. h. ein -Ausfluß des Selbstbewußtseins und des freien
Willens sei. Das Judenthum verdient also allgemeine und öffent-
liche. Anerkennung,- und man gewährt sie ihm nicht. Und
Ihr Juden selbst seid gleichgültig dagegen. Denn man . ge-
und macht sich in ihrem Leben geltend. Glaubt man jüdischer-
seits angesichts solcher judenfeindlichen Erscheinungen und Be-
strebungen die politischen und socialen Eroberungen der Reu-
zeit noch für sich und die Zukunft gesichert? Oder ruft
ein solcher Kampf zum Gegenkampfe auf? Ist es die Zeit
auszuruhen? Hat da die Feier des Ehanukafeftes, die Er-
innerung an den Kampf Israels für Recht und Wahrheit in währt Euch auch die-bürgerlichen und- gesellschaftlichen Rechte
der Vorzeit keine Bedeutung mehr? Bedarf es in unserer ^ nicht weil, sondern obgleich Ihr Juden seid. Ihr tragt also
Zeit nicht der Mahnung mehr, den Kampf fortzuführen? : damit selbst eine Gleichgültigkert gegen das Judenthum, ja eine
Wäre indeß Antipathie alias Risches gegen die. Juden Verhöhnung desselben zur Schau. Und doch verlangt Ihr
Nicht mehr zu fürchten, das Doch nur schläft und bei dem wiederum Eure. Rechte als Juden und׳ verweigert die. christ-
leisesten Geräusch wieder geweckt wird, selbst in seinen Krei-! liche Taufe, u-m mit dieser der staatlichen und socialen GLeichbe-
sen; wären die .Eroberungm der Neuzeit zu Gunsten der ; rechtigung theilhastig zu werden. Ihr thut vielleicht so, nicht
Juden alle gesichert, die jedoch vielfach, nur aus Rechtsgefühl! aus- Interesse- für -das Judonthum,- sondern׳ aus Gleichgültig-
oder als eine Forderung des Rechtsprincips zugestqnden und keit gegen alle Religion, auch die christliche? Dann kämpft
nur aus moralischem Schamgefühl nicht zurückgezogen werden,! wenigstens gegen die öffentliche Bevorzugung der chrrstlrchen
keineswegs aber aus Sympathie, so fehlt doch überall dem: Kirche.- - Dadurch würde das Judenthum von . selbst zw Aner-
und des׳ Judenthums zu. rechtfertigen, neuerdings characte-
ristische Unterschiede zwischen Arier und Semiten, den indo-
germanischen. Völkern , und den Juden, ausgesucht; auch Renan
.ist darin nicht zurückgeblieben. Cr findet, einen .Grund für ^enn alle sind Priester in Israel, Die messianische Idee des
I. ...j.! *nof( Wo feinen . melöbe die Nollkommenbeit . aller menschlichen
die anti-jüdische Stimmung auch darin, weil die Juden keinen
kriegerischen, sondern einen mehr friedlichen Sinn haben. Wie
Lei den. alten Römern-der Hauptruhm des Mannes die Voll-
#י,
seitens des Staats zu Theil- wird, denr Judenthrmr ebenfalls
-zugesprocherr werde. Dafür genügt aber nicht, daß blos. die
Lehrer und Priester des Judenthums in den Kampf eintreten,
Judenthums,, welche die Vollkommenheit .. aller menschlichen
Zustände- ins Auge faßt, soll ihre dereinstige Verwirklichung
ja auch, nw durch die Menschen selbst finden können .( כלם מנאי ).