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Für die Redaktion verantwortlich: Dr. DoraEdinger, Frankfurt a. M., Gärtnerweg 55.
Manuskripte sind an die Redaktion zu senden. — Redaktioiuschluß am 1. jeden Monats. — Erscheint am 15. eines jeden Monats.
Bestellungen nehmen alle Postämter an. — Bezugspreis und Bestellgeld 46 Reichspfennig für das Vierteljahr.
Nr.?
Kassel, 15. Juli 1930
3. Jahrgang
Adressen des Vorstandes:
Ernestine Eschelbacher, Berlin NW, Klopstockstraße 47,
Ehren-Vorsitzende
Anna Lewy, Stettin, Elisabethstraße 10, 1. Vorsitzende
Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Kassel, Malsburgstraße 12,
2. Vorsitzende
Lilly Spanjer-Herford, Braunschweig, Wolfenbüttler Str. 2
stellvertr. 2. Vorsitzende und Protokoll. Schriftführerin
Margarete Waohsmann, Breslau, Carmerstraße 19, korresp.
Schriftführerin
Zentrale der Kommissionen für Schwesternberatung: 1. Vorsitzende: Martha Schlesinger, Frankflirt a. M., Brentanostr. 6
Kommission für Erholungsfürsorge für Kinder: 1. Vorsitzende: Charlotte Hirsch, Berlin W 50, Augsburger Straße 40
Kommission für Auslandsarbeit: 1. Vorsitzende: Ernestine Eschelbacher, Berlin NW 87, Klopstockstraße 47.
Kommission für Erholungsfürsorge: 1. Vorsitzende: Erna Merzbach, Magdeburg, Logenhaus, Breiter Weg 139/140
Kommission für Geistige Arbeit: 1. Vorsitzende: Dr. Else Rabin Breslau, Wallstraße 14.
Cilly Neuhaus, Mülheim (Ruhr), Leibnizstraße 10, stellvertr.
Protokoll, und korresp. Schriftführerin
Bertha Kochmann, Berlin SW 19, Seydelstr. 19 a, Kassiererin,
Postscheckkonto: Berlin 109 777
JohannaBaer, Frankfurt a. M., Finkenhofstraße 40, Leiterin des
Verbandsbüros
(Verbandsbüro: Frankfurt a. M., Melemstraße 22, Else Zedner,
G eschäf tsf ührerin)
VORSTUFEN
UNSERER AUSLANDSARBEIT
Die Delegiertenversammlung des Schwesternverbandes,
die im November des verflossenen Jahres in Hannover
stattfand, hat ihre volle und ungeteilte Zustimmung ge¬
geben zur Schaffung einer Schwesternverbindung mit dem
Auslande. Sie erfüllte hiermit einen Lieblingswunsch
unserer verehrten Verbandvorsitzenden. Die vorzüglichen
Ergebnisse unseres gemeinsamen, durch gleiches Streben,
gleiches Wollen, dem Sinn
und Geist des Ordens ange¬
paßt und ihm entsprechenden
Ärbeitens geben den deut¬
schen Schwestern ein An¬
recht, auch in die Ferne wir¬
ken zu wollen. Zumal eine
festgefügte Tradition uns
Weg und Richtung gelehrt,
ein heiliger, warmer Wille
uns stets geleitet hat. Wir
erwarten von einer Aus¬
lands - Verbindung unserer
Auslands- und Schvcestern-
welt Austausch von Wesen
und wirken, Erweiterung von Anschauungen der verschie¬
denen Welten, die geeint sind durch das Schöpferischste,
den jüdischen Geist, verkörpert im Ideal der Logen.
Die Kommission, der das neue Arbeitsfeld übergeben
wurde, besteht aus den Schwestern: Martha Schlesinger
(Frankfurt a. M.), Dr. Spanjer-Herford (Braunschweig),
Ruth Margolinsky (Magdeburg), Ida Blumenstein (München),
Dr. Edinger (Frankfurt a. M.), Aenne Grünthal (Düsseldorf),
Ernestine Eschelbacher (Berlin), der der Vorsitz übertragen
wurde.
Wir konnten außer den eisten grundlegenden Arbeiten
noch nichts Geschlossenes und Positives tun. Wir haben,
eleu Weg über die hochwTirclige Groß löge einschlagend, durch
deren gütige Übermittlung Fragebogen, entworfen von
unserer Verbandsvorsitzenden, abgesandt. Sie gingen an
die von der Loge uns gegebenen Großlogenadressen, die
ihrerseits wieder die Bogen weiterleiteten an die Einzel¬
logen. Wir haben ein freundliches Echo gefunden. Es ist
in hohem Grade kulturhistorisch interessant, was über die
Einzelnen berichtet wird. Die Voraussetzungen der
Schwesternarbeiten sind im Auslande verschieden, immer
aber dienen sie den Erfüllungen der Logenaufgaben der
Brüder. Sie sind, was wohl als der Ausfluß des modernen
Lebens zu werten ist, freie und selbständige Vereine. Sie
nennen sich in A m e r i k a und auch im Orient „1 filfs-
vereine der Logen“, stehen jedoch, durch den Beamtenkreis
ihrer Großloge in engem Zusammenhänge mit cler Männer¬
loge. Sie üben bei der Aufnahme ihrer Mitglieder Ballotage.
sind rein jüdisch orientiert, auch in bezug auf Mitglied¬
schaft. Im Distrikt der Orientlogen sind fünf Schwestern¬
vereine: in Konstantin o p e 1, A d r i a n o p e 1 (1 iirkei).
Beyruth (Syrien), Sofia (Bulgarien), R u s t s c h u k
und Sa loniki (Griechenland). Einen Zusammenschluß als
Verband lehnen sie vorläufig ab.
Von Amerika besitzen wir bis jetzt drei Antworten.
Auch dort nennen sich die Schwesternvereine „Hilfsvereine
der Bruderlogen“. Im Di¬
strikt Großlogc Nr. 6 Ghi-
kago sind zehn llilfsvereiue
cler Logen, die zu einem ge¬
meinsamen Rat zusammen¬
geschlossen sind. Sie arbeiten
getrennt von den Männer¬
logen, tagen aber zu gleicher
Zeit wie diese. Bei der voll¬
kommenen Wahlfreiheit ihrer
Hilfe widmen sie sich vor
allem örtlicher Not. Sie haben
jeden Monat eine gemein¬
same Logensitzung vollkom¬
mener Gleichberechtigung,
sprechen in diesen Sitzungen mit 15 Minuten Redeclauer, und
ihr Rat und ihr Wort werden gewertet und gewünscht. Die
außerorts lebnclen Schwestern haben keinen eigenen Hilfs¬
verein cler Männerlogen, sondern üben die notwendigen
sozialen Arbeiten aus freien Entschlüssen und sind fest ver¬
bunden mit dem llilfsverein cler Großloge, cler sie zunächst
sind. Die Verhältnisse in Philadelphia sind ähnlich.
Die Interessenkreise der Schwostern sind w r eit und unvor¬
eingenommen und beschäftigen sich außer mit den uns
durch Notwendigkeit geläufigen und stets geübten, mit
innerpolitisch jüdischen Angelegenheiten. Sie arbeiten offi¬
ziell mit an den Palästinaaufgaben. Sie stützen und unter¬
halten die Talmud-Thoraschulen. Sie festigen die jüdischen
Schulinteressen. Sie stärken und beleben die Mütter, daß
sie den Schulbesuch ihrer Kinder fördern und das jüdische
Wissen in ihnen befestigen. Sie beeinflussen, mit echt ame¬
rikanischer Eindringlichkeit, das Leben der erziehungs-
bediirftigen jüdischen Massen und bringen sie empor, indem
sie dieselben erfassen, an der Stelle, da sie am wirksamsten
ist: an der Jugend. Einen größeren Zusammenschluß lehnen
sie auch ab. Wir erkennen jedoch mit Bewunderung, wie
vieles und zum 'Peil Großartiges geleistet wird in dieser
cler Umwelt geöffneten Formen, die den Logengedanken
populär gestalten. Aus mehreren amerikanischen Logen
stehen uns die Antworten noch aus.
Brüder und Schwestern, die im Winter in unseren
Schwesternlogen wieder Einzelvorträge oder Kurse
halten wollen, werden gebeten, ihre T h e in e n und
Honoraransprüche so bald wie möglich anzugeben bei
Aenne Grünthal, Düsseldorf
s Lindemannstraße 8
Vorsitzende der Vortragskommission
ür Logenschwestern! Beachtet die in Eurer Zeitung erscheinenden Anzeigen!