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DIE LOGEN¬
SCHWESTER
Mitteilungsblatt des Schwesternverbandes der U.O.B.B.Loger
'^<Pü r die Redaktion verantwortlich: DR. DORA EDINGER, Frankfurt am Main, Gärtnerweg i
Manuskripte sind an die Redaktion zu senden • Redaktionsschluß am l. Jeden Monats • Erscheinungstag am 15. jeden Monr
Bestellungen nehmen alle Postämter entgegen • Bezugspreis und Bestellgeld 46 Reichspfennig für das Vierteljf
Kassel, 15. Januar 1933
6. Jahrgang Nr. 1
ADRESSEN D E S VORSTANDES:
Anna Lewy, Stettin, Elisabethstraße 10, I. Vorsitzende
Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Kassel, Malsburgstr. 12, II. Vorsitz.
MargareteWachsmann, Breslau, Carmerstraße 19, stellvertretende
II. Vorsitzende und korresp. Schriftführerin
Cilly Neuhaus, Mülheim (Ruhr), Leibnizstr. 10, Protokoll. Schriftführ.
Bertha Falken berg, Berlin N 54, Lottumstraße 22, stellvertr. Protokoll,
und korresp. Schriftführerin
Die Adressen der Kommissionen stehen am
Johanna Baer, Frankfurt a. M., Finkenhofstraße 40, Leiterin des V .
bandsbüros, Kassiererin (für Geldsendungen: „Frankfurter Sparke
von 1822, Postscheckkonto Frankfurt a. M. 1511 für Kohto 8213
Johanna Baer, Schwesternverband UOBB")
Adele Rieser, Karlsruhe, Friedensstraße 8, II. Kassiererin
Else Z e d n e r, Geschäftsführerin (VerbandsbüroFrankfurt a. M., Meie .
straße 22)
uß des redaktionellen Teiles
Jhiebe Schwestern!
Unser Brief an alle hat erfreulicherweise das Interesse bei Ihnen gefunden, das wir erhoff! hallen. Es
sind zahlreiche schöne sehr verschiedenartige Antworten eingetroffen, die wir in dieser Nummer — des Raumes hal¬
ber leider nur auszugsweise — zur allgemeinen Kenntnis bringen.
Ohne der Lektüre im einzelnen vorgreifen zu wollen, sei doch zusair.menfassend ein bedeutsames Moment hervor¬
gehoben: bei aller Verschiedenartigkeit der Antworten, bedingt durch das Temperament der einzelnen Schwester und
ihre Wirksamkeit innerhalb einer größeren oder kleineren Vereinigung, ist doch ein grundsätzliches allen gemeinsam:
über den als notwendig erkannten Organisationsfragen wird das persönliche Wirken von Mensch zu
Mensch als das Gebot der Stunde erkannt, wird eine Atmosphäre des Vertrauens als das Wünschenswerte her¬
vorgehoben.
Sollten somit die Antworten, die auf unseren Brief gegeben worden sind, Anregung dafür bringen, wie diese mensch¬
liche Aufgabe zu verwirklichen, zu gestalten sei, so wollen wir diesen Gedankenaustausch als fruchtbaren Anfang zu
gemeinsamer vertiefter Arbeit begrüßen.
I. A. des engeren Vorstandes: Frieda Sichel-Gotthelft.
Meine lieben Schwestern! „Vertiefung unserer Arbeit.“
Viele Betrachtungen, Vorschläge, Grundsäße lassen sich
um dieses Stichwort ranken. Viele Rezepte wurden schon
niedergeschrieben. Man griff sie mit Eifer auf. Der Er¬
folg aber blieb oft aus. Man hatte vergessen, daß jeder
Organismus seine eigenen Geseße und Bindungen hat.
Daß jeder Ort andere Temperatur, andere Landschaft,
anderen Pulsschlag zeigt. So sind es nicht Ratschläge,
nicht Rezepte, die uns helfen. Helfen kann uns nur das
Anschauen und Erleben, nur das Vertiefen in eine Wirk¬
lichkeit, die uns wach und klar werden läßt. Wie wäre
es, liebe Schwestern, wenn wir reisen könnten, — zu vie¬
len Schwesternfamilien im ganzen Reich! Nicht, damit man
uns feierlich begrüßt und sich in Positur seßt, um dem
fernen Gast nun etwas Besonderes und Stolzes zu zei¬
gen. Sondern als stille, nicht beachtete Zuschauer, die
hören und mitleben wollen. Und nicht, um dann sklavisch
nachzuahmen und schematisch zu übertragen. Aber: ein-
schlagen lassen den elektrischen Funken, aufnehmen die
Strahlen und Ströme, uns laden mit neuen Energien — das
müssen wir wieder und wieder; dann wird die verwandte
Schöpferkraft verwandte Ideen erzeugen, das Gehörte
überseßen in die Sprache der Heimat, das Alte umschmie-
den an neuer Glut. — Darum kommen Sie zu den andern!
Beispielsweise zu uns. Und wenn Sie nicht leiblich reisen
können zur Zeit, so lassen Sie sich von mir erzählend
andeuten, wie es ungefähr zuging an jenem schlichten,
aber denkwürdigen Schwesternabend in der Berliner
Akiba-Eger-Loge, dessen Bericht für Sie mir aufgetragen.
„Vertiefung unserer Arbeit“. Unseres Schwesternstaates
erste Dienerin begreift unter „Arbeit“ die tätige Liebe, die
Verinnerlichung des Schwesterngedankens. Enger als in
manch anderen Logen sind in unserer Gemeinschaft der
früheren Posener die Bande von Mensch zum Menschen
geknüpft. Nun kamen die kritischen Zeiten hinzu. See¬
lische wie berufliche Stärkung (so viele Schwestern arbei¬
ten beruflich!) tut vielen heute besonders not. Hier greift
unsere erste Dienerin ein. Sie ordnet die Arbeit nach die¬
sem Prinzip. Nun blicken Sie in ihre Werkstatt hinein!
Belauschen Sie eines Abends Gewinn! „Schwestern-
Arbeitssitzung“ ist angesagt. Man sitzt an freundlich ge¬
deckten Tischen, die hufeisenförmig zusammengefaßt. Und
an den Wänden drei andere Tische, bedeckt in Fülle mit
vielerlei Waren, entzückend geordnet, zum Kauf ausge¬
legt. Und unser Programm weist nun Dreierlei auf.
Erst Arbeitssißung bei Kaffee und Kuchen. Das Laufend-
Akute wird vorgetragen. Es spricht eine Schwester auf
Gerhart Hauptmann und stattet dem Dichter den schul¬
digen Dank. Die Leiterin spricht von der Schwester, dem
Bruder, die kürzlich die Loge für immer verlassen, uns
Grüße gesendet vom Heiligen Land. Es folgen die „ein¬
gelaufenen“ Dinge; sie klingen wie immer, doch hört man
sie anders; geschärft von der Freude die horchenden
Ohren; in festlicher Stimmung, erhoben, voll Glück.
Eine Ansprache leitet zum zweiten Teil über: dem Jahr¬
märkte für die kaufmännischen Schwestern, die sich in
dem Daseinskampf sorgen und mühn. — Man hat uns be¬
deutet: „Nichts Unnüßes kaufen! Doch gibt es so viel,
was Ihr wirklich benötigt, was Ihr sonst von gleichgült’gen
Kaufleuten holt. Hier siüßet die Schwester, die Euer be-
LogenschWestern! Beachtet die in Eurer Zeitung erscheinenden Anzeigen
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