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DIE LOGEN- IX ".>*1
SCHWESTER
Mitteilungsblatt des Schwesternverbandes der U.O.B.B.Logen
Für die Redaktion verantwortlich: DR. DORA EDINGER, Frankfurt am Main, Gärtnerweg 55
Manuskripte sind an die Redaktion zu senden • Redaktionsschluß am 1. jeden Monats • Erscheinungstag am 15. jeden Monats
Bestellungen nehmen alle Postämter entgegen • Bezugspreis und Bestellgeld 46 Reichspfennig für das Vierteljahr
ADRESSEN DES VORSTANDES:
Anna Lewy, Stettin, Elisabethstraße 10, I. Vorsitzende
Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Kassel, Malsburgstr. 12, II.Vorsitz.
MargareteWachsmann, Breslau, Carmerstraße 19, stellvertretende
II. Vorsitzende und korresp. Schriftführerin
Cilly Neuhaus, Mülheim (Ruhr), Leibnizstr. 10, Protokoll. Schriftführ.
Bertha Falkenberg, Berlin N 54, Lottumstraße 22, stellvertr. Protokoll,
und korresp. Schriftführerin
Die Adressen der Kommissionen stehen am
Johanna Baer, Frankfurt a. M., Finkenhofstraße 40, Leiterin des Ver¬
bandsbüros, Kassiererin (für Geldsendungen: „Frankfurter Sparkasse
von 1822, Postscheckkonto Frankfurt a. M. 1511 für Konto 8213/X
Johanna Baer, Schwesternverband UOBB")
Adele Rieser, Karlsruhe, Friedensstraße 8, II. Kassiererin
Else Zedner, Geschäftsführerin (Verbandsbüro: Frankfurt a. M., Melem-
straße 22)
luß des redaktionellen Teiles
Unserer ß/iartlia Schlesinger
zu ihrem siebzigsten Geburtstage.
Keine Zeit ist’s heute, Feste zu feiern. Zu tief sind wir alle ins Herz getroffen, zu dunkel umschattet Sorge unser Leben. Und
wir wissen es, auch der Frau, deren wir heute an ihrem Ehrentage mit inniger schivesterlicher Verbundenheit gedenken,
liegt es fern, sich laut feiern zu lassen. Und doch ist es uns unmöglich, diesen Tag der Ernte eines reichen ausgefüllten
Lebens vorüber gehen zu lassen, ohne daß der Schwesternverband seiner Mitbegründerin ein Wort des Dankes sagt
für alles, was sie seit dem Tage der Gründung des Verbandes an unermüdlicher Arbeit, an beispielloser Energie und seltener
Pflichttreue geleistet hat.
Nur wenige unter uns wissen es noch, was es hieß, all die Widerstände, all die unendlichen Schwierigkeiten zu überwinden,
die sich dieser Neuschöpfung in den Weg stellten. Alles Neue erfordert schöpferische Initiative und Willenskraft, die sich
von keinem Neinsagen abschrecken läßt. Wie schwer war es, selbst nach Ueberwindung dieser ersten Hemmnisse, unsere
Frauenvereinigungen daran zu gewöhnen, sich an die von Schwester Schlesinger vorbildlich geleitete Zentral- und Auskunfts¬
stelle zu wenden. Wie schwer, stets befriedigende Auskunft zu erteilen. Wie schwer, nicht in die Kompetenzen der einzelnen
Frauenvereinigungen einzugreifen und doch den Versuch zu machen, alles einheitlich zu gestalten. Wie dann später diese
Zentral- und Auskunftsstelle von Schwester Schlesinger und ihren Helferinnen zur Stellenvermittlung für unsere Schwestern,
zur Austausch- und Berufsberatungsstelle ausgebaut wurde, das braucht in diesen Blättern wahrlich nicht ausgeführt zu
werden.
Kaum eine Tagung unseres Verbandsvorstandes, kaum eine Distriktstagung gab es, der Schwester Schlesinger nicht als wert¬
volle, kluge Beraterin beigewohnt hätte. Keine Reise war ihr zu weit, keine Stunde zu spät. Sie war immer zur Stelle, sie
war immer bereit, sich ganz einzusetzen. Sie kannte keine Müdigkeit, wenn es galt, eine übernommene Pflicht zu erfüllen.
Und heute noch, an ihrem Ehrentage, trotz allem, was an Schwerem das Leben auch ihr gebracht, ist sie jung und ungebeugt
geblieben in ihrer Arbeitsfreudigkeit und Tatkraft. Und wenn auch die Krone des Alters sie heute schmückt, so auch die
Krone der reifen Lebenserfahrung, mit der sie unermüdlich allen, die zu ihr kommen und ihren Rat begehren, zur Seite
steht.
Aber nicht nur unserem Schwesternkreis und dem engeren Kreis der Schwesternvereinigung der Frankfurt - Loge ist sie
bewährte Helferin und Beraterin. Auch in der Frankfurter allgemeinen städtischen Fürsorge war sie unermüdlich tätig. In
den 'städtischen Mutterschutzheimen, die sie mitbegründen half, verdanken ihr hunderte von Müttern Zuflucht und Betreu¬
ung. Hingebungsvoll war sie in den furchtbaren Notjahren des Weltkriegs in der Kriegsfürsorge tätig. Die Lazarettzüge der
Großloge half sie ausrüsten, den Flüchtlingsheimen, dem Kriegskindergarten galt ihre mütterliche treue Sorge. — Das zu im¬
mer größerer Bedeutung herangewachsene israelitische Mädchenheim zu Frankfurt verdankt in erster Linie Schwester Schle¬
singers starker Initiative und zäher Energie ihr Entstehen. Aus dem Leben unseres Ordens, mit dessen führenden Persön¬
lichkeiten, insbesondere auch durch die herzlichen Beziehungen ihres Mannes, sie eng verbunden war, ist ihr Wirken und ihre
Persönlichkeit nicht hinwegzudenken.
Eine rastlos schaffende, in ihrer starken Tatkraft und Arbeitsfreudigkeit vorbildliche Frau, so wirkt sie noch heute in unse¬
rer Mitte. Und so ist das Psalmwort an ihr zur Wahrheit geworden: „und ist das Menschenleben köstlich gewesen, so ist
es Mühe und Arbeit gewesen.“ Köstlich aber nicht nur durch Mühe und Arbeit, sondern auch durch die hohe Wertschätzung
und Anerkennung aller, die mit ihr arbeiten durften, und köstlich durch die Liebe ihres Mannes, ihrer Kinder und Enkel
und ihrer Freunde, die alle von dem innigen Wunsch erfüllt sind, daß sie noch viele Jahre in ungebrochener Kraft zum
Segen unserer Gemeinschaft wirken möge. Ella Selig mann.
Logenschwestern! Beachtet die in Eurer Zeitung erscheinenden Anzeigen!
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