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DIE LOGEN¬
SCHWESTER
Mitteilungsblatt des Schwesternverbandes der U.O.B.B.Logen
Für die Redaktion verantwortlich: DR. DORA EDINGER, Frankfurt am Main, Gärtnerweg 55
Manuskripte sind an die Redaktion zu senden • Redaktionsschluß am 1. jeden Monats • Erscheinungstag am 15. jeden Monats
Bestellungen nehmen alle Postämter entgegen • Bezugspreis und Bestellgeld 46 Reichspfennig für das Vierteljahr
Kassel, 15. August 1933
6. Jahrg. Nr. 8
ADRESSEN DES VORSTANDES:
Anna Lewy, Stettin, Elisabethstraße 10, I. Vorsitzende
Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Kassel, Malsburgstr. 12, II. Vorsitz.
MargareteWachsmann, Breslau, Carmerstraße 19, stellvertretende
II. Vorsitzende und korresp. Schriftführerin
Cilly Neuhaus, Mülheim (Ruhr), Leibnizstr. 10, Protokoll. Schriftführ.
Bertha Falkenberg, Berlin N54, Lottumstraße 22, stellvertr. Protokoll,
und korresp. Schriftführerin
Die Adressen der Kommissionen stehen am
Johanna Baer, Frankfurt a. M., Finkenhofsfraße 40, Leiterin des Ver¬
bandsbüros, Kassiererin (für Geldsendungen: „Frankfurter Sparkasse
von 1822, Postscheckkonto Frankfurt a. M. 1511 für Konto 8213/X
Johanna Baer, Schwesternverband UOBB")
Adele Rieser, Karlsruhe, Friedensstraße 8, II. Kassiererin
Else Zedner, Geschäftsführerin (Verbandsbüro: Frankfurt a. M., Melem-
straße 22)
Schluß des redaktionellen Teiles
Jüdische Großeltern
Von Dr. Else Rabin, Breslau
I.
Ein biologisches Faktum wird zum Anlafe einschneidender
gesetzlicher Maßnahmen für Beruf und Lebensstellung
einer Gemeinschaft von Menschen. Was ist das Ergebnis?
Wir können mit tiefer Befriedigung sagen: Ein grofeer
Teil der Betroffenen erfaßt in dem Erlebnis der Tage den
ewigen Sinn. Spielerische Zeiten, eingeschlossen ins enge
ich, die Kraft erschöpfend in der „Nippesfigurenreinigung“
der eigenen Person, mochten in Terzinen über die Ver¬
gänglichkeit alles Werden und Vergehen als sinnlos ge-
ängstigt umfassen. Unsere Zeit verneint die innere Halt¬
losigkeit der Verse:
„Das ist ein Ding, das keiner voll aussinnt
und viel zu grauenvoll, als daß man klage:
Daß alles gleitet und vorüberrinnt.
Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,
herüberglitt aus einem kleinen Kind,
mir wie ein Hund unheimlich still und fremd.
Dann, daß auch ich vor hundert Jahren war,
und meine Ahnen, die im Totenhemd
mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar.“
„So eins mit mir, als wie mein eignes Haar.“ Unsere Zeit
erfährt, daß Geschlechterfolge mehr ist als nur biologische
Bindung! Der Jude weife dies seit den fernsten Tagen
der Vorzeit. Mit dem Begriff der Urväter verknüpft er
seit Jahrtausenden die Ewigkeit ihres heiligsten Geistes¬
besitzes. Wenn er von Gott spricht, nennt er ihn den
„Gott der Väter Abraham, Isaak und Jakob“. Eins und
unzertrennlich erscheint in solcher Begriffssetzung der
durch die Natur gegebene Zusammenhang mit der Ste¬
tigkeit geistiger Bindung und seelischer Aufgaben.
Das Auge des Juden blickt zurück in die Zeiten der Ver¬
gangenheit, sieht die Grofeeltern in kraftvoller Klein¬
bürgerlichkeit, stillem arbeitsreichem Leben, fester Gläu¬
bigkeit, pflichtfroh gebunden an die durch das Gesetz ge¬
botene Heiligung aller irdischen Handlungen, deren Tra¬
dition dem Enkel mit der Aufklärung des „Fortschritts“
vielfach verloren gegangen ist. Sieht die Ahnen des Mit-
Es sind mir anläßlich meines 70. Geburtstages von
der hw. Großloge, unserer so verehrten Verbands¬
vorsitzenden, dem Vorstand, den Vereins- und Di¬
striktsvorsitzenden und unzähligen Schwestern so
viele Beweise der Ehrung und Liebe zugegangen,
daß ich nur auf diesem Wege, herzlichst danken
kann. Die tiefempfundenen W'orte von Schw. Ella
Seligmann haben mir die Ziele, die wir gemeinsam
vor langen, langen Jahren erstrebten und die heute
zeitgemäßer denn je sind, wieder näher gerückt.
Hilfsbereitschaft für einander, Vertrauen z u ein¬
ander, denken, fühlen und leben m i t einander. Nur
so werden uns, die wir diese Einstellung für unsere
Arbeitsgebiete notwendig brauchen, wirkliche Er¬
folge beschieden sein.
Martha Schlesinger
Logenschwestern! Beachtet die in Eurer Zeitung erscheinenden Anzeigen!
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