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DIE LOGEN¬
SCHWESTER
Mitteilungsblatt des Schwesternverbandes der U.O.B.B.Logen
Für die Redaktion verantwortlich: DR. DORA EDINGER, Frankfurt am Main, Gärtnerweg 55
Manuskripte sind an die Redaktion zu senden • Redaktionsschluß am 1. jeden Monats • Erscheinungstag am 15. jeden Monats
Bestellungen nehmen alle Postämter entgegen • Bezugspreis und Bestellgeld 46 Reichspfennig für das Vierteljahr
Kassel, 15. September 1933
6. Jahrg. Nr. 9
ADRESSEN DES VORSTANDES:
AnnaLewy, Stettin, Elisabethstraße 10, I. Vorsitzende
Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Kassel, Malsburgstr. 12, II. Vorsitz.
MargareteWachsmann, Breslau, Carmerstraße 19, stellvertretende
II. Vorsitzende und korresp. Schriftführerin
Cilly Neuhaus, Mülheim (Ruhr), Leibnizstr. 10, Protokoll. Schriftführ.
Bertha Falken berg , Berlin N54, Lottumstraße 22, stellvertr. Protokoll,
und korresp. Schriftführerin
Die Adressen der Kommissionen stehen am I
Johanna Baer, Frankfurt a. M., Finkenhofstraße 40, Leiterin des Ver¬
bandsbüros, Kassiererin (für Geldsendungen: „Frankfurter Sparkasse
von 1822, Postscheckkonto Frankfurt a. M. 1511 für Konto 8213 /X
Johanna Baer, Schwesternverband UOBB")
Adele Rieser, Karlsruhe, Friedensstraße 8, II. Kassiererin
Else Zedner, Geschäftsführerin (Verbandsbüro: Frankfurt a. M., Melem-
straße 22)
luß des redaktionellen Teiles
‘CrosttDorte der Altert
übersetzt von Max Dienemann
Zu Beginn eines neuen Jahres, und in unseren Tagen besonders, tun uns Worte der Aufrichtung und Ermun¬
terung not. Hier sind solche wiedergegeben; das eine ein kurzer, inhaltschwerer Ausspruch, Zeugnis der
Weite jüdischen Denkens und wie es Israel und sein Geschick ins allgemeine Erleben einbaut, das andere
eine Legende. Sie sind hierhergestellt ohne Erklärung, nur in der Schlichtheit und Sonderart ihrer Sprache
so müssen sie aufgenommen werden und in uns fortwirken.
I.
Es sagte Rabbi Jochanan im Namen von Rabbi Akiba: Jede Not, die über einen Einzelnen kommt, ist echte
Not; Not aber, die nicht einen allein, sondern alle trifft, ist keine Not. Not, an der Israel und d e Völker ge¬
meinsam leiden, ist echte Not; aber Not, die nur über Israel allein kommt, ist keine Not.
(Midrasch rabbah zum 5. B. M., Abschnitt II, Nr. 22.)
II.
Rabban Gamliel, Rabbi Elieser ben Asarjah, Rabbi Josua und Rabbi Akiba begaben sich nach Rom. Schon
von 120 Mil. Entfernung hörten sie das Getöse der Weltstadt. Da fingen sie an zu weinen; Rabbi Akiba aber
lachte. Die drei sprachen zu Akiba: Akiba, wir weinen und du kannst lachen? Er antwortete ihnen: Warum
weint ihr denn? Sie sagten: Sollen wir nicht weinen? Diese Götzendiener sitzen in Sicherheit und friedlicher
Ruhe, und das Haus, das der Schemel der Fü£e unseres Gottes war, ist verbrannt und eine Wohnstätte für
die Tiere des Feldes; soll man da nicht weinen? Darauf Akiba: Eben deswegen lache ich und freue ich mich.
Wenn Gott denen, die ihn durch seine Taten erzürnen und seinen Willen übertreten, solch ein Los zuteil wer¬
den lägt, was wird er erst uns, die wir nach seinem Willen tun, für ein Los erblühen lassen!
Ein ander Mal gingen die Vier gemeinsam nach Jerusalem hinauf. Als sie an den Skopus - Berg kamen, zer¬
rissen sie ihre Kleider. Und als sie an den Tempelberg kamen, sahen sie, wie ein Fuchs hervorbrach, gerad
von der Stelle her, an der das Allerheiligste gestanden hatte. Die anderen weinten, und Rabbi Akiba lachte.
Da sprachen sie zu ihm: Akiba, immer bist du uns ein Gegenstand der Verwunderung; wir weinen und du
kannst lachen? Er erwiderte: Und ihr, warum weinet ihr? Darauf sie: Wie sollen wir nicht weinen? wenn
ein Jude, der nicht Priester war, diesen Ort betrat, so sollte er des Todes schuldig sein, und jetzt läuft ein
Fuchs über ihn hin, und in Erfüllung ging das Wort: „O über den Berg Zion, wie Ist er verödet, Füchse laufen
über ihn hin“ (Klagelieder 5, 18)! Sagte Rabbi Akiba: Eben darüber freue ich mich und lache. Ich denke an
Jesajas Wort: „Ich rufe mir als Zeugen zwei vertrauenswürdige Zeugen, Uria den Priester und Secharjah ben
Jeberechjah“ (8, 2). Was hat Uria mit Secharjah zu tun? Uria ist aus der Zeit des ersten Tempels, Secharjah
aus der Zeit des zweiten Tempels? Aber so ist’s: des einen Aussage hängt von der des andern ab. Uria
hatte gekündet: „Zion wird als Feld gepflügt werden und Jerusalem eine Ruinstatt sein“ (Jeremia 26, 18).
Und Secharjah hatte gekündet: „Wieder werden Greise und Greisinnen in den Strafen Jerusalems weilen, je¬
der den Stab in der Hand ob der Fülle der Jahre. Und die Stra&en der Stadt werden voll sein von Knaben
und Mädchen, die in den StraBen spielen.“ Solange Urias Voraussage nicht eingetroffen war, hatte ich
Furcht, es könnte auch Secharjahs Schau nicht Wirklichkeit werden. Nun, da Urias Wort Wahrheit geworden
ist, bin ich sicher, daB auch Secharjahs Wort sich verwirklichen wird. Da sagten sie alle drei zu Akiba:
Akiba, du hast uns getröstet, mögest du auch getröstet werden durch den Hall der Schritte des Freudeboten!!
(Midrasch rabbah zu Esrah V 18.)
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