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DIE LOGEN¬
SCHWESTER
Mitteilungsblatt des Schwesternverbandes der U.O.B.B.Logen
Für die Redaktion verantwortlich: DR. DORA EDINGER, Frankfurt am Main, Gärtnerweg 55
Manuskripte sind an die Redaktion zu senden • Redaktionsschluß am 1. jeden Monats • Erscheinungstag am 15. jeden Monats
Bestellungen nehmen alle Postämter entgegen • Bezugspreis und Bestellgeld 46 Reichspfennig für das Vierteljahr
Kassel, 15. Oktober 1933
6. Jahrg. Nr. 10
ADRESSEN DES VORSTANDES:
AnnaLewy, Stettin, Elisabethstraße 10, I. Vorsitzende
Dr. Frieda Sichel-Gotthel ft, Kassel, Malsburgstr. 12, II. Vorsitz.
MargareteWachsmann, Breslau, Goethestr. 24/26, stellvertretende
II. Vorsitzende und korresp. Schriftführerin
Cilly Neuhaus, Mülheim (Ruhr), Leibnizstr. 10, Protokoll. Schriftführ.
Bertha Falken berg, Berlin N54, Lottumstraße 22, stellvertr. Protokoll,
und korresp. Schriftführerin
Die Adressen der Kommissionen stehen am J
Johanna Baer, Frankfurt a. M., Finkenhofstraße 40, Leiterin des Ver¬
bandsbüros, Kassiererin (für Geldsendungen: „Frankfurter Sparkasse
von 1822, Postscheckkonto Frankfurt a. M. 1511 für Konto 8213 /X
Johanna Baer, Schwesternverband UOBB")
Adele Rieser, Karlsruhe, Friedensstraße 8, II. Kassiererin
Else Zedner, Geschäftsführerin (Verbandsbüro :.Frankfurt a. M., Melem-
straße 22)
luß des redaktionellen Teiles
. . . Ich sehe immer deutlicher unseren rechten Weg darin,
dajj an die Stelle des „Glaubens” an die Menschen das Ver¬
trauen trete. Wir brauchen Führer. Aber wir brauchen Führer,
denen wir nicht um ihretwillen folgen, sondern um ihrer Dienst¬
herrin, um ihres Dienstherrn willen - wie immer sie ihn nennen:
an ihrer Dienstart erkennen wir, dalj es der rechte ist. Und
geht ihnen die Fähigkeit ab, mit aufrührendem oder anord¬
nendem Wort sicher und sicherheitsweckend die Menge zu
bewegen, sie vermögen das Unscheinbare und Wichtigste: das
Raten, das Mahnen, das Weisen. Sie stellen uns immer wieder
vor die strengen Strahlen der Wahrheit. Sie führen, indem sie
lehren.
Martin Buber (in „Ein Kampf um Israel”).
ScUofav.
Die Feiertage sind verklungen.
Aber in Zeiten, :'n denen der Mensch ein Schicksal erlebt,
ist seine Seele gelöst und erschlossen, sein Ohr nimmt
Töne auf, die es früher nur vernahm, und Klänge, die sonst
an ihm vorüberrausditen und ihn nur flüchtig berührten,
werden jetzt zu einer Musik, die sein Inneres erschüttert
und vertieft.
Unsere Feiertage sind verklungen; aber sie haben in die¬
sem Jahre in jedem von uns ihre Melodie zurückgelassen.
Und so mannigfaltig wie das Schicksal eines jeden Einzel¬
nen von uns, so vielstimmig wird der Nachhall sein, den
das Erlebnis dieser Tage in uns aufgerufen hat. Aber wie
das Vorzeichen zu einer Sinfonie ihre Klangfarbe be¬
stimmt, so ist auch die Polyphonie unserer Seelen durch
ein einziges, gemeinsames Schicksal harmonisch gewor¬
den. Wir wissen auf einmal umeinander, unser Gehör hat
sich geschärft für die leisesten Töne des Herzens und für
jede Nuance des Klanges; wir fühlen ein Echo in uns und
kennen die Saite, die milschwingt.
Wir wissen umeinander. Wir wissen, daß in diesem Jahre
unsere Feiertage nicht wie sonst durch die Fülle ihrer
Symbole zu uns sprachen, sondern daß sie selber uns
Symbol geworden sind, verheiBungs - hoffnungsvolles
Symbol in ihrer Folge aus Schofar - Tönen zu dem Tage
der Rückkehr, und durch die Rückkehr zur Hütte des Frie¬
dens und zum Tage der Freude.
Wer von uns hätte dieses Mal den Schofarton nicht ge¬
hört? Wer hätte nicht zutiefst verstanden, daB er in die¬
sem Jahr wahrhaft ein neues weckte? So deutlich war
noch nie, seit wir leben, seine Sprache! Und ist es uns
nicht allen zum Bewußtsein gelangt und dort nun tief ein¬
geschrieben, wie merkwürdig nahe, fast verschmolzen die
„Erneuerung“ der „Rückkehr“ ist, die er predigt? Aber
weist denn nicht Erneuerung vorwärts, in die Zukunft,
Rückkehr in etwas, das hinter uns liegt, von dem Erneue¬
rung sich wendet? In vielen Predigten und Schriften ist
dieser Scheingegensatz schon als solcher behandelt und
beleuchtet und geklärt worden. Aber noch nie ist uns der
unmittelbare Zusammenhang so körperlich nahe gewesen,
wie in diesem Jahr.
Erneuerung und Rückkehr.
Es hat eines mächtigen Schofartons bedurft, um uns dazu
zu wecken. Der Tag des Gerichts, er hat uns diesmal
alle gerufen, neu zu werden und zurückzukehren. Und
dieses Neuwerden, es fordert nicht nur ein neues Kleid.
Nicht nur die Form, den Lebensstil, die Umgebung, nicht
die „Umstellung“ zu andern Bildungswegen und -zielen
gilt es, es gilt ein „neues Herz“. Es gilt eine andere
Logenschwestern! Beachtet die in Eurer Zeitung erscheinenden Anzeigen!
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