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DIE LOGEN¬
Kassel, Jul
i 1934
7. Jahrg.
Nr. 7
SCHWESTER
Mitteilungsblatt des Schwesternverbandes der U.O.B.B. Logen
Erscheint am 15. jeden Monats, Redaktionsschluß am 1. jeden Monats. — Bezug nur durch die Post, einschließlich Bestellgeld
46 Reichspfennig vierteljährl. — Verantwortlich für die Schriftleitung: Dr. Dora Edinger, Frankfurt a.M., Gärtnerweg 55.
ADRESSEN DES VORSTANDES:
Anna Lewy, Stettin, Elisabethstraße 10, I. Vorsitzende
Dr. Frieda Sichel-Gotthelft, Kassel, Malsburgstr. 12, II.Vorsitz.
MargareteWachsmann, Breslau, Goethestr. 24/26, stellvertretende
II. Vorsitzende und korresp. Schriftführerin
Cilly Neuhaus, Frankfurt a. M. Klettenbergstr. 6, Protokoll. Schriftführ.
Bertha Fa I ke n berg , Berlin N54, Lottumstraße 22, stellvertr. Protokoll,
und korresp. Schriftführerin
Die Adressen der Kommissionen stehen am !
Johanna Baer, Frankfurt a. M., Finkenhofstraße 40, Leiterin des Ver¬
bandsbüros, Kassiererin (für Geldsendungen: „Frankfurter Sparkasse
von 1822, Postscheckkonto Frankfurt a. M. 1511 für Konto 8213/X
Johanna Baer, Schwesternverband UOBB")
Adele Rieser, Karlsruhe, Friedensstraße 8, II. Kassiererin
Else Zedner, Geschäftsführerin (Verbandsbüro: Frankfurt a. M., Melem-
straße 22)
luß des redaktionellen Teiles
Ernestine Eschelbacher-Stiftung
Die 6. Jahressilzung des Kuratoriums, wie immer ein Tag des Gedächtnisses an die Gründerin der Stiftung,
fand am 12. Juni 1934 unter dem Vorsitz von Frau Anna Lewy und mit der Zuwahl des Herrn Schoyer an Stelle
des ausgeschiedenen Herrn Dr. Kollensdier statt.
Zeigte das Vorjahr noch Unsicherheiten in der beginnenden Veränderung der beruflichen Ziele, so zieht der
diesmalige Ausschnitt aus dem Berufsleben der weiblichen Jugend, den die 35 Bewerbungen darstellen, die
deutliche Folgerung aus dem schon geschichtlich gewordenen Gebot der Notwendigkeit für jeden jungen jü¬
dischen Menschen in Deutschland. Die Auswahl hat sich verengert und liegt innerhalb der Linien, die Berufs-
Schichtung und darauf eingestellte Berufsberatung erkannt und vorgezeichnet haben.
Die wenigen Akademikerinnen, sämtlich Medizinerinnen, sind entweder Ausländerinnen oder sie stehen in der
Abschlußprüfung und können mit bestimmten Aussichten im Auslande rechnen. Zu dieser Gruppe ist die Schü¬
lerin der Hebammenschule in Breslau zu zählen. Eine offenbar hochbegabte junge Sängerin konnte in ihrem
Studium aus Stiftungsmitteln gefördert werden.
Die Mehrzahl der Bewerberinnen steht in der seminaristischen Ausbildung zur Volksschul- und Religions¬
lehrerin oder lernt ein Handwerk — vorzugsweise Schneiderei und Hauswirtschaft. Wollen diese letzten Be¬
rufe eine Gewähr für Bleiben oder Fortgehen, Deutschland oder Ausland, geben, so bereiten sich drei der
Mädchen in der Hachscharah auf Palästina vor.
Mit der gegen früher erheblich zurückgegangenen Verteilungssumme von 1200 RM konnte in etwa zwei Drittel
der Fälle mehr oder weniger geholfen werden, auch des blinden Mädchens nicht zu vergessen, das in der
Anstalt in Steglitz ein Blindenhandwerk erlernen soll.
Es ist kaum zu erwarten, daß angesichts der Lage das Vermögen der Stiftung sich in absehbarer Zeit vergrö¬
ßern werde.
Ihre Bestimmung im Sinne der Stifterin zu erfüllen, durch die Gabe zu ermutigen, durch die Beihilfe zu för¬
dern, dazu muß treues Gedenken und Verpflichtung für die Jugend nach Können spenden und das Werk
der Zukunftsgestaltung gegenwärtig erhalten. Martha Ollendorff.
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Zum dritten Jahrzeitstage, dem 20. Tammus 5694,
dem 3. Juli 1934.
Von Max Eschelbacher.
Der Sohn ist im Grunde nicht berufen, in der Oeffentlich-
keit von dem äußeren und inneren Leben seiner Mutter
zu reden. Aber Frau Dora Edinger schreibt mir, es werde
für die Schwestern ein Trost sein, von meiner Mutter zu
hören. Trost ist in unserer Mitte selten geworden, und
wer ihn spenden kann, soll ihn nicht zurückhallten. So mag
die Not der Zeit es rechtfertigen, wenn ich die innere
Scheu überwinde, die mich schweigen heißt, und in Er¬
innerung an unsere gute Mutter den Fernerstehenden ein
Bild von ihr zu geben versuche.
Vor ein paar Jahren fuhr ich mit ihr in Berlin in der
Untergrundbahn. Wir saßen nicht lange allein, Mitfahrende
kamen herbei, nahmen neben ihr Platz oder standen um
sie herum, um ein wenig mit ihr zu sprechen. Eine Vier¬
telstunde später wiederholte sich das gleiche Schauspiel
ein Stockwerk höher in der Elektrischen. Und als wir zum
Schluß auf dem Dachgarten des Hauses Karstadt in Neu¬
kölln den Rundblick auf die gewaltige Stadt zu unseren
Füßen genossen, fanden sich auch bald ein paar Be-
Logenschwestern! Beachtet die in Eurer Zeitung 'erscheinenden Anzeigen!
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