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Talmud (Agada).
Moses Tod.
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Die legendarische Darstellung des „Todes Moses“
ist einer der bekanntesten Abschnitte der umfang¬
reichen agadischen Literatur. Die Agada, die, um Sätze
und Worte der Bibel sich rankend, dichterisch phan¬
tasiert, spielend belehrt, reizvoll unterhält, ist bis
auf den heutigen Tag im Osten Volksliteratur für den
Sabbat geblieben, während sie in Westeuropa den
Grundstock der synagogalen Predigt bildet. Früher
in den Urquellen des Talmud und des Midrasch, die
nach ganz anderen Gesichtspunkten geordnet waren,
weit verstreut, wurden die Schätze der Agada in
den letzten Jahren durch Bialik und Raw-
n i t z k i gehoben und in einer modernen Ausgabe
neu geordnet. Die nachstehende wortgetreue Über¬
tragung aiis dem Hebräischen ist auf Grund dieser
Neuausgabe (Sefer ha-Agada, Berlin 1922, S. 88—92)
besorgt worden. Der hebräische Text ist in mehreren
Variationen überliefert, die in der Ursprache im
„Ozar Midraschim“ von Eisenstein (New York 1915 II,
S. 362—385) gesammelt sind. In deutscher Sprache ist
das Motiv im Werke „Die Sagen der Juden“ von
M. J. Bin Gorion ausführlich variiert, und zwar in
dem besonderen Bande „Moses“ (Frankfurt a. M.
1926, S. 338—372), wobei allerdings auch spätere,
mittelalterliche Ausschmückungen hinzukamen, die
nicht zur klassischen Agada gehören. Dasselbe Thema
ist auch einem liturgischen Liede zugrunde gelegt,
das am Simchat Thora vor der Thoravorlesung rezi¬
tiert wird (As bikeschow anaw — „Als der Demütige
[Moses] vernahm“): dieses Lied ist von Moses bar
Samuel verfaßt und im „Jahrbuch mit literarischen
Beiträgen“ von II. Liebermann (Brieg 1852—53)
deutsch übersetzt.
Inhaltlich verrät die Agada über den Tod Moses
die zähe Anhänglichkeit an das Leben, die den jüdi¬
schen Menschen zu allen Zeiten auszeichnete. Bis zum
letzten Atemzug keine Spur von Resignation. In
dieser Hinsicht ist an Moses das menschliche Schicksal
symbolisiert. Hierüber hinaus aber will die Agada
noch dartun: daß auch Moses, der Herr der Pro¬
pheten, nicht an ein persönliches, baldiges Auf¬
erstehen dachte. Eine Auferstehung erwartet der
jüdische Gläubige „am Ende der Zeiten“ und dann
für die ganze Menschheit. Solange dieser Tag nicht
angebrochen ist, muß jeder aus „Fleisch und Blut“
bestehende, auch Moses, sterben.
Ein weiteres Nebenmotiv ist die unerfüllte Sehn¬
sucht, mit der jeder, auch Moses, sterben muß. In
seinem Falle ist es die große Enttäuschung, nicht das
heilige Land westlich des Jordans zu erblicken. Dicht
vor dem Übergang am Jordan stirbt er.
Kr.
Moses Tod.
Und es sprach Gott zu Moses:
„Siehe, nah gekommen sind deine Tage zu ster¬
ben“ (V, 31, 14). [Cursiv = Bibelzitate.]
Dieses ist, das gesagt worden ist:
„Wenn auch seine Höhe bis zum Himmel reicht und
sein Haupt die Wolken rührt ~ er geht doch zu¬
grunde. So daß die ihn sahen, jetzt sagen: Wo ist er?“
(Hiob 20, 6, 7). Für wen ist dieser Satz gesagt wor-
a
den? Er ist für nichts anderes gesagt worden als
für den Todestag. Sogar wenn sich ein Mensch
Flügel machte wie ein Vogel und gen Himmel stiege,
— wenn sein Ende naht zu sterben — werden seine
Flügel gebrochen und er fällt.
.. auch aufsteigt seine Höhe bis zum Himmel“
— das ist Moses. Er stieg auf bis zum Firmament und
seine Füße stampften Nebel, und war wie die Erz¬
engel, und er sprach mit dem Heiligen, geloht sei
Er, von Angesicht zu Angesicht, und empfing die-
Thora aus seiner Hand. Und als herannahte sein Ende,
sprach zu ihm der Heilige, gelobt sei Er:
„Siehe, nahe sind deine Tage zu sterben.“
Als Moses sah, daß besiegelt worden war über ihn
das Gerichtsurteil, machte er einen kleinen Kreis und
stellte sich in seine Mitte und sprach:
„Herr der Welt! Ich rühre mich nicht von hier,
bis daß Du aufhebest dieses Urteil“. In dieser Stunde
kleidete er sich in Sack und umhüllte sich mit Sack
und wälzte sich in Asche und stellte sich hin
in Gebet und in Flehen vor den Heiligen, gelobt sei
Er, bis daß erbebten Himmel und Erde und die
Schöpfungsordnung und sprachen:
„Vielleicht ist gekommen der Wunsch des Hei¬
ligen, gelobt sei Er, die Welt zu erneuern?“
Und es kam hervor die himmlische Stimme und
sprach:
„Noch ist nicht gekommen der Wunsch des Hei¬
ligen, gelobt sei Er, seine Welt zu erneuern, sondern:
„In dessen Hand die Seele aller Lebenden ist “ (Hiob
12 , 10) ‘
Was tat der Heilige, gelobt sei Er, in dieser Stunde?
Er ließ ausrufen an jedem Tor jedes Himmels, daß
man nicht aufnehme das Gebet Moses und es nicht
hinaufbrächte vor sein Angesicht, Aveil schon besiegelt
sei über ihn das Gerichtsurteil. Als sich verstärkte die
Stimme des Gebets gegen oben, rief der Heilige, gelobt
sei Er, und sprach zu den Erzengeln:
„Steigt hinab flugs und schließt alle Tore aller
Himmel, denn das Gebet Moses gleicht einem Schwert,
das zerreißt und schneidet und nichts hindert es.“
Und zur selben Stunde sprach Moses vor dem Hei¬
ligen, gelobt sei Er:
„Herr der Welt! Offen und bekannt ist vor Dir
meine Mühe und meine Qual, mit der ich mich ab¬
quälte über Israel, bis sie an Deinen Namen glaubten.
Wieviel Leid litt ich über sie, bis daß ich ihnen bei¬
brachte Thora und Mizwoth. Ich dachte: Genau wie
ich ihr Leid sah, so werde ich ihr Wohl sehen. Und
jetzt, da auch das Wohl Israels beginnt, sagst Du
mir:
„Nicht überschreiten wirst du diesen Jordan“
(V, 3, 4). Fürwahr, Du machst doch Deine Thora zu
Trug, heißt es doch (V, 24, 9): „An dem selben Tage
sollst Du geben seinen Lohn.“ Ist das eine Bezahlung
für eine Arbeit von 40 Jahren, die ich mich mühte,
bis es wurde ein heiliges und treues Volk? Da er¬
widerte ihm der Heilige, gelobt sei Er:
„Es ist ein Urteilsspruch vor mir.“
Sagte Moses vor ihm:
„Herr der Welt! Wenn ich nicht lebend hinein¬
komme (nach Erez Israel) — laß mich tot hinein,
wie hinein die Gebeine Josephs kamen.“
Sammelbl. jüd. Wiss. 236/37