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Die Mischna, die von R. Akiba (gest. 135 n.)
eingeleitete, von seinem Schüler R. Meir fortgesetzte
und von R. Jehuda ha Nassi ungefähr um 200 voll¬
endete Sammlung der neben der Thora und zur Ver¬
wirklichung der Thora erlassenen und bisher münd¬
lich überlieferten Gesetze und Anweisungen (siehe
Sammelblatt Talmud I), zerfällt in sechs Haupt¬
abteilungen = Ordnungen (im folgenden durch
römische Zahlen gekennzeichnet), die sechs Ordnungen
enthalten insgesamt 63 Traktate (arab. Ziffern), jeder
Traktat ist eingeteilt in Kapitel und jedes Kapitel
wieder in Lehrsätze, deren jeder wie das ganze Buch
Mischna heißt. Im Hinblick auf die sechs Ordnungen
= schischa sedarim nennt man in der jüdischen Um¬
gangssprache den Talmud nach den Anfangsbuch¬
staben dieser beiden Worte das „Schas“ (vgl. die
bekannte Novelle von Agnon „Das Schas meines
Großvaters“).
Inhalt der Mischna.
I. SERAIM = Saaten.
1. Berachoth = Segenssprüche. Anwei¬
sung über das Beten des Schema und der Schemone
Esre. Segenssprüche beim Genuß der verschiedenen
Speisen. Tischgebet. Händewaschen. Nennung des
Gottesnamens. Lobsprüche bei Naturereignissen und
in verschiedenen Lebenslagen.
2. Peah = Ecke = Feldecke. Abtretung der¬
selben an die Armen. Feldgrenzen. Vergessene Feld¬
früchte. Das Armenrecht in bezug auf ölbäume und
Weinberge. Die Nachlese. Das Recht auf Armen¬
unterstützung. Der Arme auf Reisen.
3. Dammj = Zweifelhaftes = Früchte, von
denen zweifelhaft ist, ob sie bei der Erhebung des
Maassers abgegeben worden sind. Angabe, welche
Früchte frei und welche abgabepflichtig.
4. Kilajim = Zweierlei = Verbotene Mischung
oder Verbindung von zweierlei Samen, zweierlei
Pflanzenstoffen, zweierlei Arbeitstieren. Behandlung
von Gemüsebeeten, Weinbergen, Weinstöcken. Ver¬
wendung von wilden Tieren und Bastarden. Anferti¬
gung von Kleidern aus verschiedenen Stoffen.
5. Schebiith = das Siebenjahr = Erlaßjahr.
Ausführungsbestimmung über das Erlaßjahr. Schuld¬
erlaß. Behandlung von unbebauten Feldern. Auf lese
von Steinen, Kräutern und Unkraut. Anlage von
Steinbrüchen. Behandlung von Zäunen. Ausfuhr und
Einfuhr von Gewächsen.
6. Therumoth = Heben = die Erhebung =
die Abgabe an die Priester. Verpflichtung der Hebe
und ihre Ausführung. Vermeidung von Irrtümern.
Die Darbringung von gestohlenem und unreinem Gut.
Die Behandlung der als Hebe abgegebenen Materialien.
7. Maassroth = der erste Zehnt für die Leviten.
8. Maasser scheni = der zweite Zehnt, dessen
Geldwert in Jerusalem verzehrt werden soll. Die Ver¬
wendung dieses Geldes.
9. Challa = Teigabgabe. Abgabe von Teig beim
Backen als Weihgabe.
Talmud IL
Mischna
10. 0 r 1 a = Vorhaut (der Bäume) = dreijährige
Schonzeit junger Bäume. Verbot des Genusses ihrer
Früchte.
11. Bikkurin = Erstlinge = Darbringung der
Erstlingsfrüchte. Der Ethrog. Unterscheidung von
Menschen- und Tierblut. Anhang über die Zwitter.
II. MOED - Feste.
1. Schabbath = Gebote über die Sabbathruhe.
Das Umhertragen von Gegenständen. Das Tragen von
Schmuckstücken, künstlichen Zähnen, Stelzfüßen.
Die Befestigung und Bedeckung der Haustiere am
Sabbath. Die Sabbathbeleuchtung. Die 39 verbotenen
Arbeiten. Das Tragen von lebenden und toten Men¬
schen. Das Werfen. Die Hausarbeiten. Der Genuß
von Arzneien. Das Fensterschließen. Verhalten bei
einer Feuersbrunst. Geburtshilfe an Frauen und
Vieh. Viehfütterung. Führung von Jungvieh.
Speisenbereitung.
2. Erubin = Vermischungen = Angabe der
Möglichkeiten, im Notfall die sabbathliche Bannmeile
(2000 Ellen) durch Vermischung von verschiedenen
Räumlichkeiten zu einem Raum zu erweitern. Der
Sabbathzaun. Sabbathvorbereitungen an Festtagen.
Verhalten gegen ein im freien Feld am Sabbath ge¬
borenes Kind. Trinken, Ausspeien, Harnlassen.
3. Pessachim = Pessachfeier. Vorbereitungen.
Behandlung des Sauerteigs. Schlachtung des Opfer¬
lamms.
4. Schekalim = Schekel. Erhebung des Sche¬
kels. Geldwechseln. Tempelämter. Die Zahl 13 im
Tempel. Verordnungen über Fundgegenstände im
Tempel. Der Tempelvorhang und seine Behandlung.
5. Joma = Tag = Jom ha kippurim. Vorberei¬
tungen und Verhalten des Hohen Priesters im Aller¬
heiligsten. Der Sündenbock. Das Fasten. Die Ver¬
söhnung.
6. S u k k a = Hütte = Laubhüttenfest. Bau der
Sukka. Der Lulaw.
7. Beza = Ei = nach dem Anfangswort dieses
Traktates, der mit dem bekannten Gelehrtenstreit
zwischen der Schule Schammais und Hilleis über das
am Sabbath gelegte Ei und seine Verwendung be¬
ginnt. Aufzählung mehrerer Differenzen zwischen
den beiden Schulen. Das Verhalten an Festtagen. Be¬
handlung von Tieren und Speisebereitung an Fest¬
tagen. Unterschiede zwischen Sabbath und Festtagen.
8. Rosch-ha-schana. Die viermalige Ge¬
richtssitzung Gottes im Jahr. Die sechsmalige Sen¬
dung von Neumondsboten aus Jerusalem. Die Zeugen
für den Neumond. Das Schofarblasen. Die Neujahrs¬
gebete.
9. Thaanith = Fasten. Das Fasten. Das Gebet
um Regen. Die Anlässe zum Fasten. Das Fasten am
neunten Ab.
10. Megilla = Vorschriften über das Lesen der
Megilla. Der Verkauf heiliger Sachen oder von Syn¬
agogen. Zerstörung von Synagogen. Wann zehn
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Sammelbl. jüd. Wiss 244'45