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nicht viel mehr als eine Holzbude war, für die Auffüh¬
rung von kleinen musikalischen Einaktern zu erhalten.
Freilich durften anfangs nicht mehr als drei Personen
auf der Bühne erscheinen. In diesem Vorstadttheater,
„Les Bouffes Parisiens“, war er, wie es einst auch
Meliere gewesen, Komponist, Hausdichter, Theater¬
direktor, Regisseur und Kapellmeister in einer Per¬
son und verfaßte und brachte hier in schneller Folge
eine Operette nach der anderen zur Aufführung, in
41/2 Jahren nicht weniger als 35, unter denen sich
auch „Orpheus in der Unterwelt“ befand. Die Auf¬
führungen brachten ihm großen Erfolg. Es muß ein
tolles, schäumendes, ganz im Tempo Offenbachscher
Operetten dahin-musiziertes Leben gewesen sein, das
dieser jüdische Musiker, der zwar kein großes klassi¬
sches Genie, aber stark von genialem Feuer durch¬
sprüht war, in jenen Jahren im Paris des zweiten
Kaiserreichs geführt hat. Das stob förmlich Funken.
Noch nach dem Tode Offenbachs schreibt Halevy in
das Manuskript der Partitur zur „Schönen Helena“:
„Ich kann diese Partitur nicht betrachten, ohne daß
ich Offenbach vor mir sehe, wie er an dem kleinen
Pult in seinem Arbeitszimmer der Rue Laffitte or¬
chestriert. Er schrieb, schrieb, schrieb immerzu, und
mit welcher Geschwindigkeit! — Bald griff er von
Zeit zu Zeit einige Akkorde auf dem Klavier, wäh¬
rend seine Rechte unermüdlich über das Papier flog.
Seine Kinder liefen schreiend, spielend, lachend
und singend umher . . . Freunde und Mitarbeiter
kamen . . . Mit einer vollständigen Unabhängigkeit
des Geistes unterhielt sich 0., erzählte, witzelte. . .
und die Rechte schrieb immerzu, immerzu . . . Und
so hat er diese lange Reihe seiner hübschen und deli¬
katen kleinen Meisterwerke geschrieben.“
1861 kam Offenbach nach Wien. Schon bei den
Proben empfingen ihn die Schauspieler mit einer
schmeichelhaften Ovation. „Direktor Treumann hielt
eine poetische Ansprache, und Frau Schaefer über¬
reichte ihm einen Lorbeerkranz. Offenbach nahm die
Huldigung aufs liebenswürdigste entgegen und dankte
aufs herzlichste. Hierauf übergaben die Damen des
Theaters dem Maestro auf einem weißen Atlaskissen
einen zweiten Lorbeerkranz, der auf seinen Blättern
in Goldstickerei die Namen der Geberinnen auf¬
wies . . . Die drei Vorstellungen unter des Kom¬
ponisten eigener Direktion sahen drei ausverkaufte
Häuser, und die Operetten ,Die Zaubergeige“, .Hoch¬
zeit bei der Laterne' sowie der .Ehemann vor der
Tür' erschienen mit einer ganz neuen übeiTaschenden
lebenswahren Physiognomie. Nun erst erkannte man
den wahren Geist Offenbachscher Musik; diesem
graziösen Duft gegenüber erschienen die früheren
Bearbeitungen, die frühere Instrumentation plump
und possenhaft. Das Orchester selbst war unter dem
feurig pulsierenden Taktstock Offenbachs nicht
wiederzuerkennen. Nie hat man es auch nur entfernt
so sauber, so fein nuanciert exekutieren hören. Ap¬
plaus, Hervorrufe und Kränze fielen dem Kom¬
ponisten in reichem Maße zu ..."
In diesem Jahrzehnt zwischen 1860 und 1870 er¬
reichte 0. die mit so viel Mühe erstrebte Höhe des
Ruhms. 1864 gelang ihm der große Wurf: die paro-
distische Operette „Die schöne Helena“, die in Paris
aufgeführt wurde und O.s Namen zu einer Welt¬
berühmtheit erhob. Angefeuert vom Rausch des Er¬
folges, der diesem romantischen Künstler das be¬
deutete, was die Schwinge dem fliegenden Vogel ist,
gelangen ihm nun in rascher Reihe Kompositionen
wie „Blaubart“, „Pariser Leben“, „Die Großherzogin
von Gerolstein“ u. a.
Aber wieder brach, wie schon einmal 1848, das
politische Schicksal gleich einem Gewitter über ihn
herein. Der Krieg von 1870 machte dem zweiten
Kaiserreich und damit dem klassischen Zeitalter des
Pariser Lebens ein jähes Ende. 0. war nunmehr der
Boden für eine erfolgreiche Wirksamkeit entzogen,
und als die politischen Erschütterungen jener Jahre
vorübergingen, war auch er durch die Härte der
Lebenserfahrungen und durch zunehmende Krank¬
heit in seiner Schaffenskraft schwer geschädigt. Als
Theaterdirektor ohne Erfolg, mußte er sich zu einer
Amerikatournee entschließen, von der er enttäuscht
zurückkehrte. An Jahren gereift, durch die Wechsel¬
schicksale des Lebens ernster geworden, selbst kaum
mehr fähig, die Feder zu führen, verfaßte er in
seinen letzten Lebensmonaten das größte und gehalt¬
vollste seiner Werke, ohne es jedoch selber voll¬
enden zu können: „Hoffmanns Erzählungen“. Zwar
war er von dem brennenden Wunsch beseelt, die Urauf¬
führung als Dirigent am Pult leiten zu dürfen, aber
seine Krankheit gestattete ihm nur, den Klavieraus¬
zug zu Papier zu bringen. Am 5. Oktober 1880 starb
er, und vier Monate später wurde das posthume Werk
mit einem geradezu triumphalen Erfolge in Paris
aufgeführt. Als bald darauf auch in Wien die Erst¬
aufführung stattfand, brannte unmittelbar nach der
Uraufführung das Ringtheater ab. Dieses merkwür¬
dige Ereignis nach der Premiere des dämonischen
Gespensterstückes erschien dem an und für sich schon
dem Aberglauben so leicht hingegebenen Volk der
Schauspieler und Sänger wie ein Gottesgericht und
niemand ging mehr daran, das gleichsam durch das
Schicksal selber vom Spielplan jäh abgesetzte Werk
wieder zu inszenieren, und so blieben „Hoffmanns
Erzählungen“ bis zum Beginn dieses Jahrhunderts
in der Requisitenkammer der Theatergeschichte
liegen, und mit ihnen der lebendige Ruhm des Kom¬
ponisten. Erst die neueste Zeit hat durch ihr Ver¬
langen nach einer leicht beschwingten, doch nicht
gehaltlosen Kunst und durch die gesteigerten szeni¬
schen Mittel, die gerade die Offenbachschen Werke
verlangen, das Lebenswerk dieses jüdisch-deutsch-
französisch-romantischen Komponisten, den man den
Heinrich Heine der Musikgeschichte nennen kann,
wieder zu neuem Leben erweckt.
Unter Benutzung der im Verlag von Max Hesse, Berlin 1930,
erschienenen Biographie „Jakob Offenbach“ von Anton
Henseler (495 S., zahlreiche Abb.).
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Dezember 1931.